Von Henriette Haill (1904-1996)

Im unvergessenen Februar
als die Geduld zu Ende war
da griffen wir zu den Waffen
wir wollten keine Knechte sein
wir standen für das Letzte ein
und hatten's nicht geschafft. Wir ließen uns zu lange Zeit,
die Macht der Feinde war zu breit,
wir gingen ins Verderben.
Als uns die schwere Stunde rief
im Haß der Feinde Kugel pfiff,
da hieß es stehn und sterben.

Als man uns tief zu Boden schlug,
weil wir nicht einig, stark genug,
da mußten wir es büßen.
Die rote Fahne lag im Kot,
sie häuften auf uns Leid und Spott
und traten uns mit Füßen.

Nur keine Milde war ihr Sinn,
auf unserm Blut stand ihr Gewinn,
sie waren nicht bescheiden.
Sie labten sich an unserem Schmerz,
und zielten froh nach unserm Herz
und hängten uns mit Freuden.

Auf Leichen stiegen sie empor,
und öffneten gar weit das Tor
der Not im eigenen Lande.
Und Schlag auf Schlag und Trug auf Trug,
das war ein böser Funkenflug
zum großen Weltenbrande.

Und was auch alles kam und war,
der blutig zwölfte Februar
hat uns ins Herz getroffen.
Wir halten noch die Faust geballt,
die Rechnung ist noch nicht bezahlt,
die Wunden stehn noch offen.

Text: Henriette Haill, 1934
Melodie: Christian Buchinger, 1984