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Ein globaler Datengeier

  • Montag, 26. Januar 2009 @ 15:47
Global 1984 ist Schnee von gestern: Zu diesem Schluss muss man zwangsläufig kommen, wenn man die heute technisch möglichen und politisch üblichen Methoden von Überwachung und damit Manipulation etwas genauer betrachtet. Die in dem von George Orwell in seinem 1948 gegen den Kommunismus gerichteten Werk beschriebenen Methoden sind im Vergleich etwa zu den Praktiken von Google auf gut österreichisch ein „Lercherlschas“. Galt bis vor kurzem Microsoft als “das Böse” schlechthin in Bezug auf den Umgang mit Daten, so hat mittlerweile Google die Staffel übernommen.

Google ist innerhalb weniger Jahre zum führenden Unternehmen bei der Suche im Internet aufgestiegen. Wer wählt nicht auf die Schnelle Google (Marktanteil 90 Prozent) an um in der schier unendlichen Weite des Web nach Texten, Bildern, News, Produkten usw. fündig zu werden? Was die wenigsten wissen ist, dass dies nicht ohne Folgen bleibt und Google sorgt mit seiner breiten Palette von über 30 Zusatzprogrammen und Diensten dafür, dass die Erstellung von persönlichen Profilen der Google-NutzerInnen immer stärker verfeinert wird.

Damit macht Google dann das große Geschäft, denn die kostenlose Google-Suche wird durch die kommerzielle Verwertung von UserInnen-Daten finanziert (und dabei bleibt sogar noch kräftig was als Profit übrig). Kein Wunder, dass Google mittlerweile mit einem Marktwert von 86 Mrd. Dollar die teuerste Marke der Welt ist, weit abgeschlagen folgt auf Platz zwei McDonalds mit 49 Mrd. Dollar.

Mittlerweile sind auch Banken und Krankenkassen scharf auf Google-Daten, in den USA wurden im Zuge der Anti-Terror-Gesetzgebung Online-Dienste zur Herausgabe von Daten verpflichtet, Regierung und Geheimdienste wollen dies gerichtlich erzwingen. Aber auch ohne diesen Zugriff gibt es keinen Grund beruhigt zu sein. Google betont zwar, die Privatsphäre der NutzerInnen zu wahren, verweigert aber unabhängigen Datenschützern Einblick in seine Datenbanken, entsprechend groß ist die Skepsis.

Rund 50 Konkurrenzfirmen hat Google seit 2001 geschluckt, darunter Endoxon, Tonic, Jotspot, Marratech, YouTube um 1,6 Mrd. Dollar und das Werbenetzwerk Doubleclick um 3,6 Mrd. Dollar. 2005 wurde von der CIA-nahen Gesellschaft In-Q-Tel Keyhole erworben und daraus Google Earth entwickelt.

Weil Geld bekanntlich nicht stinkt richtet es sich Google auch mit den Mächtigen. So erscheinen Tibet-kritische Meldungen auf GoogleNews zwar in Taiwan, nicht aber in China – dort wurde ein Filter eingezogen um weiter im Geschäft zu bleiben. Hinter 23andme steckt Anne Wojcicki, die Ehefrau von Google-Gründer Sergey Brin, das Unternehmen prüft die Gene seiner Kunden auf Krankheitsveranlagung. Wozu sind wohl die milliardenschweren Investitionen von Google in diesen Konzernzweig gedacht?

Suche: Freilich geschieht der große Datenklau durch Google völlig legal. In der Datenschutzerklärung haben sich die Google-Bosse abgesichert, dass diese kaum jemand liest, ist ja nicht ihre Schuld. Jedenfalls stimmen etwa NutzerInnen des e-Mail-Dienstes ausdrücklich zu, dass ihre Mails maschinell gelesen und nach interessanten Schlüsselwörtern für Werbeanzeigen durchforstet werden. Und wer auf der Google-Suche als Stichwort „Schwangerschaftstest“ eingibt kann neun Monate später auf seiner Google-Seite Werbung für Windeln eingeblendet erhalten. Wer häufig Reiseziele sucht, wird mit Werbung von Reisebüros bedient usw. Überdies wird es Google auch recht leicht gemacht. Denn ehrlich gefragt, wer „googelt“ nicht schon seinen eigenen Namen (und nicht nur einmal) um seine Präsenz im Internet zu erfahren?

Chrome: Um sein Monopol bei der Suche im Web noch stärker zu verankern wurde Google Chrome entwickelt – als Kampfansage an den als ziemlich sicher geltenden Browser Firefox

Konto: So richtig ans Eingemachte geht es mit der Eröffnung eines Google-Kontos, das Voraussetzung für die Nutzung zahlreicher Dienste ist. Zur Eröffnung genügen eine E-Mailadresse und ein Passwort. Damit erhalten NutzerInnen eine Google-Identität – und ermöglichen Google gleichzeitig ihre Identifizierung über alle Dienste hinweg. Gelangt jemand widerrechtlich zu Mailadresse und Passwort ermöglicht das den Zugang zu allen Diensten die vom betreffenden Nutzer eingerichtet wurden. Vor allem aber bedient sich Google selbst der damit verbundenen Daten. Entziehen kann man sich dem nur durch die Löschung des Kontos.

Das Rezept für die umfassende Überwachung ist die Kombination des Kontos mit der IP-Adresse (welche eine eindeutige Zuordnung jedes im Internet präsenten Computers ermöglicht) und Cookies (das sind kleine Dateien, die fast alle Betreiber von Websites beim ersten Besuch eines Angebots auf dem PC speichern womit ebenfalls eine Identifizierung des PCs möglich ist). Google löscht gespeicherte IP-Adressen erst nach neun Monaten.

Mail: Wer bei Google ein Gratis-Mailkonto einrichtet erlaubt ganz offiziell den Datenklau: “Der Google Mail-Dienst präsentiert relevante Werbung und verwandte Links auf Grundlage der IP-Adresse, des Inhalts der Nachrichten und anderer Daten im Zusammenhang mit Ihrer Nutzung von Google Mail” steht in den von den UserInnen akzeptierten Datenschutzhinweisen. Mit der Analyse der ein- und ausgehenden Mails kann man herrliche User-Profile erstellen, die sich gut kommerziell verwerten lassen. Für Google genügen häufig verwendete Stichworte wie Urlaub, Kredit oder Single in den Mails um Rückschlüsse auf die Lebensumstände der jeweiligen Person zu tätigen.

Für die Überwachung braucht man aber gar kein Google-Mailkonto besitzen - es reicht, eine Mail an ein solches Konto zu schicken. Google lockt mit einem kostenlosen Speicherplatz von sieben Gigabyte, in Deutschland erreichte man damit einen Marktanteil von immerhin 14 Prozent. Und schließlich geben NutzerInnen von Google Mail meist auch ihre Kontakte ein, so dass es ein Leichtes ist Familien, Freunde und Bekannte der jeweiligen Person zu erfahren.

Earth/Maps: Weiter geht es mit Google Earth oder Google Maps. Der virtuelle Globus mit in qualitativ immer hochwertigeren Satellitenaufnahmen ermöglicht Google nicht nur den Wohnsitz, sondern auch bevorzugte Reiseziele der NutzerInnen auszuspionieren. Es genügt, die eigene Adresse zu suchen oder von dort aus Reiserouten zu planen um punktgenau zu wissen wo jemand wohnt. Noch einfacher ist es für Google, wenn bei der Installation von Google Earth die Übermittlung von Nutzungsstatistiken akzeptiert wird.

Analytics: Aber auch wer nie einen Google-Dienst nutzt gerät in die Fänge der Datenjäger. Laut Expertenschätzung nutzen 80 Prozent der beliebtesten Internetseiten den Service Google Analytics, der Dienst hat sich de facto zum Standard im Web entwickelt. Die Seitenbetreiber bauen einen speziellen Code in ihre Angebote ein, der jeden Seitenaufruf an Google sendet, die Seitenbetreiber erhalten über ein Auswertungsportal detaillierte Informationen woher die Nutzer kommen, welche Seiten sie aufrufen und was sie sich anschauen. Während die Seitenbetreiber nur allgemeine Daten erhalten, weiss Google wesentlich mehr, etwa durch die konkrete IP-Adresse und Zusammenführung der Nutzungsstatistik.

YouTube: Keineswegs zufällig hat Google im Oktober 2006 YouTube erworben. Ganz davon abgesehen, dass YouTube sich herrlich für globales Mobbing durch Veröffentlichung diffamierender Videos eignet (was freilich in der Verantwortung der UserInnen liegt) akzeptieren die UserInnen des beliebten Videodienstes, dass “Informationen zur Verwendung” gespeichert werden. Die Suchbegriffe und die Beschreibung der hochgeladenen und angeschauten Videos landen im Interessenprofil. Bei BesitzerInnen eines Google-Kontos wird darüber hinaus auch erfasst, mit welchen anderen YouTube-NutzerInnen sie in Kontakt sind.

Docs: Wie andere Konzerne auch lockt Google neuerdings mit Office-Programmen via Internet, auf Deutsch Text und Tabelle. Es klingt ja verlocken, auf dem eigenen PC kein Programm für die tägliche Arbeit mehr installieren zu müssen. Doch auch dieser Internet-Dienst hat seinen Preis. Google speichert die erstellten Dokumente zentral auf seinen Computern irgendwo auf der Welt. Die UserInnen erteilen die Lizenz “an der Vervielfältigung, Anpassung, Änderung, Übersetzung, Veröffentlichung, öffentlichen Aufführung von Inhalten”. Was Google damit macht, kann keiner kontrollieren.

Calendar: Praktischerweise bietet Google mit dem Kalender auch die Möglichkeit seine Termine via Internet zu verwalten und per Handy-Zugriff auch von unterwegs abzurufen. Weil dies ein Google-Konto voraussetzt ist die Verbindung mit dem echten Nutzernamen zwangsläufig gegeben. Der SMS-Erinnerungsdienst für anstehende Termine bedeutet auch Zugriff auf die hinerlegte Handynummer. Mit den Daten über Besuch bei Freunden, beim Arzt, der Kreditberatung, Psychotherapie, Geburtstagen, Urlauben usw. wird der gläserne Mensch zunehmend Wirklichkeit. Ähnliches gilt für das Online-Notizbuch Google Notes.

iGoogle: Ganz freiwillig verschaffen NutzerInnen von iGoogle – einer frei konfigurierbaren Startseite mit frei wählbaren Zusatzmodulen wie Wetterdiensten oder Bahnauskunft – dem Konzern Zugang zu ihren Vorlieben und damit ihrem ganzen Leben. Die persönliche Google-Startleiste klingt recht verlockend, die Auswertung der dafür angebotenen Gadgets rundet das Profil ab. So lässt etwa die Einrichtung eines Wetterdienstes Rückschlüsse über den Wohnort zu, die Bahnauskunft weist auf das Bewegungsprofil der NutzerInnen hin usw. Und auch zur vielfach ungefragt von diversen Softwaregrammen installierten Google Toolbar gibt es unbedenklichere Alternativen.

Talk: Während andere Plauderprogramme Textnachrichten vor dem Versand grundsätzlich verschlüsseln ist das bei Google Talk nicht der Fall, bei einem Vergleichstest von „Computer Bild“ landete das Programm daher auf dem letzten Platz.

Desktop: Die Kombination von Internet und dem eigenen Computer wird mit Google Desktop realisiert. Der Gedanke dabei ist, die Suche nach Dateien, Websites, e-Mails, Bildern, Musik usw. im Internet und auf dem eigenen PC zu kombinieren. Die Grenzen verschwinden, für Google bedeutet dies etwa mit der Option “Senden von Fehlerberichten und anonymen Nutzungsdaten” zu erfahren, was mensch so auf dem eigenen Computer gespeichert hat. Wer gar die “Suche auf mehreren Computern” aktiviert hat ermöglicht Google stets den aktuellen Festplatten-Index auf seine Server zu übertragen.

G1: Mit der Entwicklung des Betriebssystems Android steigt der Konzern jetzt in den Handymarkt ein, mit Google Phone und dem G1 genannten und hierzulande von T-mobile vertriebenen Google-Handy wird die Datenüberwachung noch totaler, die Verknüpfung der erfassten Daten mit einer konkreten Person noch umfassender, vor allem auch als Konkurrenz zum iPhone von Apple. Durch die freie Software für G1 hofft man das Know-How der Szene für die Geschäfte von Google nutzen zu können.

Das somit technisch mögliche Profil der „gläsernen NutzerInnen“ würde zumindest theoretisch ermöglichen, durch die geschickte Verbindung der Userdaten nicht nur Namen, Wohnsitz und Alter, sondern auch politische und weltanschauliche Orientierung, Hobbys, Gesundheitszustand, Privatleben, Freundeskreis und Beruf abhängig von der Intensität der Nutzung der Google-Angebote ziemlich umfassend zu erfassen.

Das früher positive Image von Google hat sich mit dessen Expansion zum de facto Monopol bei Suchmaschinen zunehmend negativ gewandelt. Parallel mit dem exponentiellen Wachstum der Datenflut wächst freilich auch das Misstrauen der Menschen zum Umgang damit. Google wehrt sich gegen die Forderung nach mehr Kontrolle und argumentiert dabei mit unberechtigten Zugriffen des Staates. Dass ein privates Monopol ungleich bedenklicher ist wird geflissentlich unter den Tisch gekehrt, das kann auch mit Beteuerungen Google werde „tausendfach kontrolliert“ durch den Datenschutzbeauftragten nicht aus der Welt geschafft werden.

Nach 17 Jahren Gewinnsteigerung in Folge gab es für Google 2008 (bei einem um 31 Prozent auf 21,8 Milliarden Dollar gestiegenen Umsatz) erstmals nur einen ganz bescheidenen Gewinnzuwachs um 0,5 Prozent auf satte 4,23 Milliarden Dollar. Der Einbruch im letzten Quartal spiegelt offenbar auch hier die Auswirkungen der Krise nieder. Das Kerngeschäft mit der Internetsuche stößt offenbar an seine Grenzen und so ist es nicht verwunderlich, wenn zusätzliche Geschäftsfelder aufgemacht werden.

Leo Furtlehner, Jänner 2009


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