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Der dem Dalai Lama die Leviten liest

  • Samstag, 25. Oktober 2008 @ 08:28
Global Kommende Woche ist Colin Goldner in Linz zu Gast. Der bayerische Psychologe gilt als größter Kritiker des im deutschsprachigen Raum hoch verehrten Dalai Lama. Ein Gespräch über Tibet und Psychokulte.

OÖN: Sie üben harsche Kritik am Dalai Lama und dem tibetischen Buddhismus. Warum?

Goldner: Ich arbeite seit vielen Jahren in einer Beratungs- und Therapieeinrichtung für Sekten- und Psychokultgeschädigte. Zu unserer Klientel zählen Menschen, die esoterischen Quacksalbern auf den Leim gegangen sind, aber auch Opfer von Scientology oder der etablierten Kirchen. Insofern ist auch der Buddhismus, insbesondere die tibetische Variante, in den Blickpunkt unseres Interesses geraten.

OÖN: Sie werfen „Seiner Heiligkeit“ frauen- und homosexuellenfeindliche Haltung vor. Auf welcher Basis?

Goldner: Wie in jeder anderen Religion haben auch im tibetischen Buddhismus Frauen nichts zu melden. Das Entscheidende aber ist: Im Zentrum des Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, steht sexueller Missbrauch von jungen Mädchen und Frauen im Gewande tantrischer Rituale. Die Behauptung, diese Rituale würden nur in visualisierter Form vollzogen, ist längst widerlegt. Die eklatant homosexuellenfeindlichen Positionen des Dalai Lama haben seit je heftigen Protest seitens führender Schwulen- und Lesbenverbände hervorgerufen. Auf Drängen seiner US-Verleger mussten diese Positionen aus dem Manuskript seines zur Jahrtausendwende erschienenen Buches „Ethics for the New Millennium“ herausgestrichen werden.

OÖN: Wie erklären Sie sich die hohen Sympathiewerte, die der „Gottkönig“ im Westen genießt?

Goldner: Das weltweit hohe Ansehen, das „Seine Heiligkeit“ quer durch sämtliche politischen und weltanschaulichen Lager genießt, ist trotz aller Kritik, die seit geraumer Zeit gegen ihn vorgebracht wird, völlig ungebrochen. Nach wie vor gilt er als Symbolfigur für Friedfertigkeit, Güte und in unendlichem Weistum ruhende Gelassenheit. Seine Verlautbarungen, gleich wie banal sie daherkommen, gelten als Ausdruck höchster Erkenntnis. Derlei verklärende Sicht auf den Dalai Lama ist reine Projektion, basierend auf eklatanter Unkenntnis der tatsächlichen Zusammenhänge.

OÖN: Welche Sehnsüchte des Westens stecken da dahinter?

Goldner: Mithin der Wunsch nach moralisch verlässlicher Integrität, nach einer Führerfigur, der man – im Gegensatz zu hiesigen Politikern und Würdenträgern – uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen kann. Konsequent wird alles ausgeblendet, was dieses Wunschbild zum Platzen bringen könnte. Umso frenetischer der Applaus, je platter die Phrasen „Seiner Heiligkeit“, je durchsichtiger seine Selbstdarstellung als Friedensfürst, als heroischer Vorkämpfer für Menschenrechte und demokratische Prinzipien. Selbst der größte Unsinn aus dem Munde des Dalai Lama bleibt unwidersprochen.

OÖN: Wie paradiesisch ist es im alten, „freien Tibet“ der buddhistischen Mönche vor der chinesischen Invasion 1950 tatsächlich zugegangen?

Goldner: Das „alte Tibet“ war keineswegs die „friedvolle und harmonische Gesellschaft“, die der Dalai Lama und seine westlichen Anhänger ständig beschwören. Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weit verzweigten Netzes an klösterlichen Zwingburgen gnadenlos aus. Bitterste Armut und Hunger beherrschten den Alltag. Die Mehrzahl der Menschen lebte unter indiskutablen Bedingungen, ihre Behausungen und ihre Ernährung waren katastrophal. Steuer-, Fron- und Abgabenlasten drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Schuldknechtschaft und Sklaverei waren gang und gäbe. Es gab außerhalb der Klöster keine einzige Schule und keinerlei Gesundheitsversorgung.

Die Säuglingssterblichkeit lag bei fast 50 Prozent, die mittlere Lebenserwartung Erwachsener bei 35 Jahren. Das Strafrecht des Priesterstaates zeichnete sich durch Willkür und unglaubliche Grausamkeit aus. Unbotmäßigen wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, bei leichteren Vergehen stach man ihnen die Augen aus oder hackte ihnen die Hände ab. Jedes Kloster verfügte über eine eigene Folterkammer.

OÖN: Immer wieder ist die Rede von Menschenrechtsverletzungen durch China in Tibet. Was ist da dran?

Goldner: Die Volksrepublik China ist kein Rechtsstaat, von demokratischen Verhältnissen ist sie Lichtjahre entfernt. Niemand bestreitet, dass es teils massive Menschenrechtsverletzungen gibt, von Einschränkungen des Rechtes auf freie Meinungsäußerung, auf Versammlungs- und Pressefreiheit hin zu undurchsichtigen Gerichtsverfahren, unverhältnismäßig langen Haft- und häufig verhängten Todesstrafen. Niemand bestreitet, dass auch die Tibet-Politik Pekings erheblicher Verbesserungen bedarf. Die Propaganda des Dalai Lama hingegen, der von spezifisch gegen ethnische Tibeter gerichteten Menschenrechtsverletzungen, gar von „kulturellem Völkermord“ spricht, ist durch nichts begründet. Von den genannten Menschenrechtseinschränkungen sind alle Chinesen betroffen, es geht nicht um rassistisch oder kolonial motivierte Diskriminierung.

OÖN: Was ist von der Free-Tibet-Bewegung zu halten?

Goldner: Eine Unzahl an Initiativgruppen, Vereinen und Gesellschaften gibt vor, sich in der einen oder anderen Form für die Belange Tibets einzusetzen. Das Wesentliche dieser Gruppen liegt neben der Herausgabe irgendwelcher Propagandablätter oder dem Betrieb einer entsprechenden Internetseite im Sammeln von Spendengeldern. Immer muss irgendetwas dringlichst erhalten oder gefördert oder dem barbarischen Zugriff der Chinesen entzogen werden. Eine effektive Kontrolle der Spendengelder gibt es nicht, nicht selten wird damit der Tibettourismus der jeweiligen Vereinsvorstände finanziert. Im Übrigen bietet ein Free-Tibet-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel die Möglichkeit, ohne den geringsten Aufwand als Menschenrechtskämpfer und Gutmensch dazustehen.

OÖN: Verzerren westliche Medien die Berichterstattung über Tibet?

Goldner: Tatsache ist, dass in den West-Medien die frei Haus gelieferten Propagandabehauptungen der „Exilregierung“ des Dalai Lama vielfach ohne die geringste journalistische Distanz oder Gegenrecherche weiterverbreitet werden. Das in den Medien gezeichnete Bild grausamster Unterdrückung des tibetischen Volkes durch die chinesischen Militärmachthaber hat mit der Realität nichts zu tun.

OÖN: Wie wird es mit Tibet weitergehen?

Goldner: Tibet wird sich, wie die gesamte Volksrepublik China, weiterentwickeln zu einer pluralistischen Gesellschaft, in der der Einfluss des buddhistischen Klerus fortschreitend abnimmt. Schon heute kommt dem Dalai Lama allenfalls noch die geistliche Vertretung einer verschwindenden Minderheit zu. Der großen Mehrheit der Tibeterinnen und Tibeter innerhalb und außerhalb der Autonomen Region Tibet sind der Dalai Lama und seine „Exilregierung“ im nordindischen Dharamsala völlig bedeutungslos. An deren Rückkehr nach Tibet kann außer diesen selbst niemand Interesse haben. Denn damit wäre eine Rückabwicklung der Bodenreform verbunden, respektive eine Entschädigung der seinerzeit enteigneten Feudal- und Klosterherren und ihrer exilierten Nachfahren.

OÖN: Welche Reaktionen ernten Sie ob Ihrer kritischen Veröffentlichungen?

Goldner: Seit Veröffentlichung meines Buches bin ich einer endlosen Kette an Beschimpfungen, Schmähungen und Bedrohungen ausgesetzt, in mehreren Fällen ermittelte die Staatsanwaltschaft. Bei meinem Verlag ging ein Paket mit Fäkalien ein, mir selbst wurde ein halb verwestes Huhn zugesandt. In einem der offiziellen Verlautbarungsorgane der Pro-Tibet-Szene wurde meine Studie gar mit dem Nazi-Hetzblatt „Der Stürmer“ verglichen. Eine seriöse Auseinandersetzung gab es nicht.

OÖN: Was treibt Sie an?

Goldner: Als kritischer Psychologe halte ich es für selbstverständlich, meinen Beitrag zu leisten im Kampf gegen religiös kaschierte Hirnverkleisterung. Egal, von welchen Kutten-, Talar- oder Soutanenträgern sie betrieben wird.

Quelle: OÖN 25.10.2008


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