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1936: Ein tragisches Kapitel der kommunistischen Bewegung

  • Freitag, 19. August 2016 @ 08:00
Geschichte Vom 19.-24. August 1936 fand der erste der drei großen Schauprozesse gegen führende Bolschewiki statt. Angeklagt waren 16 Männer, unter ihnen Sinowjew und Kamenew, Altbolschewiken und engste Mitarbeiter von Lenin.

Sie wurden beschuldigt, ein „trotzkistisch-sinowjewistisches terroristisches Zentrum“ gebildet und die Ermordung der Sowjetführung geplant zu haben. Beweise gab es keine, sondern ausschließlich (erzwungene) Geständnisse.

Es ist eines der bittersten Kapitel in der Geschichte der kommunistischen Bewegung, dass die umfangreichste Verfolgung von KommunistInnen der Geschichte in den Jahren der Stalin-Ära ausgerechnet in der Sowjetunion stattgefunden hat. Hunderttausende KommunistInnen wurden ohne Rechtsgrundlage mit erfundenen Beschuldigungen willkürlich verhaftet und ohne Gerichtsverfahren oder bei propagandistischen Schauprozessen zu langjährigen Lagerstrafen oder zum Tode verurteilt.

Davon betroffen waren auch hunderte österreichische Emigranten, die nach den Februar-Ereignissen von 1934 in die Sowjetunion emigrierten und dort vorwiegend in den Jahren 1936 bis 1941 mit falschen Beschuldigungen oder Verleumdungen Opfer von Schauprozessen und Repressalien geworden sind oder sogar von der UdSSR an Nazideutschland ausgeliefert wurden. Darunter befanden sich laut 1990 von der KPdSU an die KPÖ übergebenen Unterlagen auch zahlreiche Kommunisten bzw. der KPÖ nahestehende frühere Sozialdemokraten aus Oberösterreich:

Namentlich werden darin die Oberösterreicher Franz Baumberger, Georg Bogner, Ferdinand Eigruber, Johann Hladik, Victor Kanocer, Max Kirchmaier, Kajetan Klug, Franz Kroisenbrenner Franz (eigentlich Alois Sladky), Alexander Lange, Franz Leschanz, Karl Neumüller, August Peninger, Anton Rechberger, Eduard Ricker (Lange), Rudolf Schachinger, Alois Sieberer, Josef Silberstein, Erich Skamper und Karl Zehetner angeführt.

Das Beispiel Karl Zehetner

Die Tragik dieser Jahre wird am Schicksal des Steyrers Karl Zehetner deutlich. Der am 16. Jänner 1903 geborene Schlosser und Meßinstrumentenbauer im Steyr-Werk war Mitglied der SDAP seit 1920 und trat im März 1934 der KPÖ bei und emigrierte in die Sowjetunion.

Er wurde am 20. September 1934 verhaftet und im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Über die CSR kam er am 31. Oktober 1935 in die UdSSR, wo er als Pädagoge im Schutzbundkinderheim Nr. 6, der Karl-Liebknecht-Schule, als Erzieher arbeitete. Er wurde am 28. Februar 1938 vom Arbeitsplatz weg verhaftet und nach einem Beschluss der Kommission des NKWD und des Staatsanwaltes am 2. Februar 1938 der Spionage beschuldigt und noch im selben Jahr in der Ortschaft Butowo südlich von Moskau, durch Erschießen hingerichtet. In Butowo wurden damals Abend für Abend bis zu fünfhundert angebliche Spione, Feinde oder Verräter hingerichtet. Durch Erkenntnis des Obersten Gerichts der UdSSR wurde Zehetner am 16. März 1957 rehabilitiert.

Wie traumatisch sich die stalinistische KommunistInnenverfolgung auf die kommunistische Bewegung niedergeschlagen hat, schildert der Schriftsteller Erich Hackl am Beispiel von Karl Zehetners Bruder Alois. Dieser war nach den Februarkämpfen 1934 zunächst in die Tschechoslowakei und dann in die Sowjetunion emigriert, arbeitete in einer Uhrenfabrik, erwarb sich dort durch seine großen Kenntnisse hohes Ansehen und wurde sogar in den Moskauer Stadtsowjet gewählt.

Wie Hackl schreibt, wollte Alois Zehetner lange nicht an das Schicksal seines Bruder erinnert werden, sich nicht dazu äußern, ob es ihm damals in Moskau gelungen war, sich zu seinem Bruder zu bekennen. Und jede Antwort auf Fragen seinen Bruder betreffend kam ihm schwer über die Lippen.

Die Liste der Oberösterreicher

Baumberger Franz, geboren am 8. November 1890 in Haidershofen (NÖ) war Autoschlosser und Betriebsrat der Steyr-Werke und Mitglied der SDAP seit 1919 sowie des Schutzbundes seit 1923. Wegen Beteiligung an den Februarkämpfen 1934 in Steyr wurde er nach zwei Monaten U-Haft entlassen, das Verfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Als aktives Mitglied des illegalen Schutzbundes flüchtete Baumberger um einer Verhaftung zu entgehen in die CSR, wo er Leiter des Flüchtlingslagers in Valory (Wallern) wurde. 1934 trat Baumberger auch der illegalen KPÖ bei. Am 20. oder 28. April 1936 traf er mit seiner Lebensgefährtin und deren zwei Kindern in der Sowjetunion ein. Mit anderen Schutzbündlern wurde er am 18. Juni 1936 verhaftet. Von den österreichischen Behörden wurde er am 18. Juni 1936 ausgebürgert. Baumberger wurde von den sowjetischen Behörden am 19. Oktober 1936 durch einen Sonderratsbeschluß des NKWD der konterrevolutionär-trotzkistischen Tätigkeit beschuldigt und zu fünf Jahren Zwangsarbeit in Karaganda verurteilt. Während des Aufenthaltes im Lager Adak bei Kotschmess in der ASSR der Komi erlitt er eine schwere vitaminöse Erkrankung, die er jedoch überlebte. Er arbeitete in der keramischen Werkstatt als Modelleur von Blumenvasen. Ende 1940 „in die Etappe gerufen“ gilt er seither als verschollen. Es erweist sich als unmöglich, den Verlauf seines weiteren Schicksals festzustellen. Durch Erkenntnis des Gerichtskollegiums des Obersten Gerichts der RSFSR vom 31. Oktober 1988 wurde Baumberger rehabilitiert.

Bogner Georg, geboren am 26. Februar 1908 in Attnang-Puchheim, war seit 1924 Mitglied der SAJ und seit 1926 der SDAP sowie des Schutzbundes. Nach den Februarkämpfen 1934 flüchtete er in die CSR und kam mit dem zweiten Schutzbundtransport Anfang Juni 1934 in die UdSSR. Er arbeitete als Schlosser im Autowerk von Gorki. Am 26. März 1938 wurde er wegen angeblicher Spionage zugunsten der österreichischen Regierung verhaftet. Am 14. Dezember 1939 wurde er durch ein Sondergericht des NKWD der Spionage beschuldigt und im Dezember 1939 nach Moskau gebracht und dann als „unerwünschter Ausländer“ in Brest-Litowsk an Deutschland übergeben. Ende Dezember 1939 befand er sich im Gewahrsam der Sicherheitspolizei in Warschau. Sein weiterer Lebensweg ist unbekannt. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Bogner rehabilitiert.

Eigruber (auch Eygruber) Ferdinand, geboren am 18. August 1909 in Steyr, war Mitglied der SDAP seit 1930 und nach 1934 der KPÖ. Er flüchtete nach den Februarkämpfen 1934 in die CSR und von dort aus mit dem 2. Schutzbundtransport Anfang Juni 1935 in die UdSSR. Er arbeitete als Kontrolleur in der Abteilung für Technische Kontrolle der 1. Staatlichten Wälzlagefabrik „Kaganowitsch“ in Moskau und war Mitglied des Schutzbundkollektivs. Eigruber wurde am 11. März 1938 verhaftet und am 23. Dezember 1940 wegen antisowjetischer Agitation durch ein Sondergericht des NKWD zu 5 Jahren Internierungslager verurteilt. Dieser Beschluß wurde durch eine Sonderberatung des NKWD am 1. Februar 1941 in einen Landesverweis umgewandelt und Eigruber 1941 aus der UdSSR ausgewiesen, von wo aus er am 20. März 1941 heimkehrte. Er lebte 1990 in Steyr. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Eigruber rehabilitiert.

Hladik Johann wurde am 3. Juli 1912 in Attnang-Puchheim geboren und war Bundesbahnschlosser in Linz. Er war Mitglied der SAJ, der SDAP und des Schutzbundes. Als Februarkämpfer flüchtete er Anfang März 1934 in die CSR und kam mit dem 2. Schutzbundtransport Anfang Juni 1934 in die UdSSR, wo er als Schlosser in der Fabrik „Rostselmasch“ arbeitete. Am 6. August 1937 wurde er in Rostow verhaftet, nachdem er einen Paß für eine Heimreise beantragt hatte. Seine Frau Marianne und sein Sohn Johann kehrten im Oktober 1937 nach Linz zurück. Hladik wurde am 20. Dezember 1939 zum „unerwünschten Ausländer“ erklärt und am 22. Dezember 1939 in Brest-Litowsk der deutschen Polizei übergeben. Wie Marianne Hladik nach ihrer Rückkehr gegenüber der Linzer Polizei aussagte, war ihr Mann in der „DZZ“ öffentlich im negativen Sinn genannt worden, nämlich „dass er ein säumiger Genosse sei und lieber ins Kino als in den Politzirkel gehe“. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Hladik rehabilitiert.

Kanocer Victor wurde am 13. Jänner 1908 in Linz geboren und erlernte den Beruf eines Eisendrehers, ging jedoch keiner bestimmten Beschäftigung nach. 1923 trat er der SAJ und 1928 der SDAP bei. Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er Mitglied der KPÖ und emigrierte er in die CSR, Anfang Juni 1935 in die UdSSR, wo er Mitglied des Schutzbundkollektivs war. Am 30. April 1937 wurde er in Engels verhaftet und am 16. August 1937 (nach anderen Angaben am 17. Dezember 1937) wegen Spionage zu fünf Jahren verurteilt. Kanocer verstarb am 6. März 1938 im Lager Sewwostoklage. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Kirchmaier (Kirchmayr) Max wurde am 15. September 1907 in Sierning geboren und war von Beruf Tischler. Bereits 1931 wurde er Mitglied der KPÖ. Als aktiver Februarkämpfer in Linz wurde er zu zwei Monaten Haft verurteilt. Anfang Juni 1934 emigrierte er über die CSR in die Sowjetunion, wo er in der Versuchsabteilung für Modellbau der Autofabrik in Gorki arbeitete. Im November 1937 wurde er in Gorki verhaftet, am 27. Dezember 1937 durch Beschluß einer Sonderberatung des NKWD der Spionage beschuldigt und am 22. Juni 1938 über Stolpce aus der UdSSR ausgewiesen. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Klug Kajetan, geboren am 3. August 1895 war Schuldiener, später Maschinenschlosser in Linz bzw. ging keiner bestimmten Beschäftigung nach. Er gehörte der SDAP seit 1917 und dem Schutzbund seit 1927 an. Als Februarkämpfer emigrierte er im September 1934 in die CSR, wo er sich im Lager Zbraslav aufhielt. Am 21. September 1935 kam er in Moskau an. Dort wurde er am 20. Juli 1936 sowjetischer Staatsbürger. Am 9. Oktober 1936 wurde er mit der Beschuldigung konterrevolutionärer trotzkistischer Aktivitäten vom NKWD verhaftet. Klug wurde am 27. April 1941 entlassen und übersiedelte am 23. Juni 1941 (oder 23. Juli) nach Wien als Dauerwohnort. Durch Erkenntnis des Gerichtskollegiums des Obersten Gerichts der RSFSR vom 31. Oktober 1988 wurde Klug rehabilitiert.

Kroisenbrenner Franz (eigentlich Alois Sladky) wurde am 9. Februar 1915 in Preßburg geboren und lebte von 1930-33 als Uhrmacherlehrling in Steyr. Seit 1934 war er Mitglied der KPÖ. Am 22. Jänner 1934 wurde er wegen Diebstahl „kurrendiert“ und flüchtete mit dem Heimatschein seines Freundes Alois Sladky in die CSR, von wo aus er mit dem 2. Schutzbundtransport am 3. Juni 1934 in Moskau ankam und im Hotel Sowjetskaja wohnte und als Uhrenmeister in der 1. Staatlichen Uhrenfabrik arbeitete. Er wollte 1936 nach Deutschland zurückkehren, wurde jedoch am 2. November mit der Beschuldigung „in die UdSSR gekommen zu sein mit Spionageaufgaben unter falschen Dokumenten, die er von der NSDAP erhalten habe“ verhaftet, am 13. Juli 1937 vom Militärkollegium des Obersten Sowjets wegen Beschuldigung der Spionage zu zehnjähriger haft verurteilt. Am 5. Februar 1940 wurde diese Entscheidung geändert und Kroisenbrenner am 5. April 1940 via Brest-Litowsk an Deutschland ausgeliefert. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 13. August 1990 wurde er rehabilitiert.

Lange Alexander, geboren am 10. März 1910 in Triest war Schlosser in Linz und von 1924-1927 Mitglied der SAJ sowie von 1928-32 Mitglied der SDAP, Mitglied des Schutzbundes und ab 1932 der KPÖ. Er kam nach den Februarkämpfen am 3. Juni 1934 über die CSR in die Sowjetunion, wo er als Alpinistikinstrukteur im Kaukasus und anschließend als Schlosser in der Autofabrik „Molotow“ in Gorki arbeitete und Mitglied des Schutzbundkollektivs in Gorki war. Am 20. September 1937 wurde er in Gorki verhaftet und von einer „Troika“ des NKWD der konterrevolutionären Aktivitäten und Spionage beschuldigt, am 11. November 1938 zu zehnjähriger Haft in einem Internierungslager verurteilt. Nach einem Beschluß des NKWD vom 5. Jänner 1940 wurde er am 5. Februar 1940 via Brest-Litowsk an Deutschland ausliefert. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Leschanz Franz, geboren am 20. Juli 1904 in Linz war Bildhauer und Magazineur. Seit 1924 war Leschanz Mitglied der SDAP und des Schutzbundes, 1934 aktiver Februarkämpfer beim Hotel „Schiff“ und wurde in der Folge Mitglied der KPÖ. Er kam im Juni 1934 in die Sowjetunion und wurde 1935 vom österreichischen Staat ausgebürgert. In Moskau arbeitete er bei der Zeitung „Iswestija“ und anschließend im Betrieb „Mosgorodformlenje“ und war Mitglied des Schutzbundkollektivs. Leschanz wurde am 30. April 1938 verhaftet und am 2. August 1938 von der Troika des der konterrevolutionär-faschistischen Aktivitäten beschuldigt und zum Tode durch Erschießen verurteilt. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Leschanz rehabilitiert.

Neumüller Karl, geboren am 8. März 1900 in Windhaag war Bautechniker, SDAP-Mitglied seit 1919 und Schutzbündler seit 1927. 1934 wurde er Mitglied der KPÖ, wurde jedoch 1936 wieder ausgeschlossen. Er kam mit dem 1. Schutzbundtransport in die UdSSR, besuchte eine Ingenieurschule in Moskau und arbeitete am Bau des Hotels „Mossowjet“ und als Spezialist für Normierung in der Genossenschaft „Schillremont“ in Moskau. 1937 wurde er vom österreichischen Staat ausgebürgert. Neumüller wurde 1938 verhaftet und am 17. Mai 1938 nach einem Beschluß der Kommission des NKWD und des Staatsanwaltes wegen Spionage zum Tode durch Erschießen verurteilt. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Peninger August wurde am 24. Juni 1912 in Eberschwang geboren und lebte in Steyr. Von 1926 bis 1933 war er Mitglied der SDAP und des Schutzbundes und trat dann der KPÖ bei. Er kam im Juni 1934 über die CSR in die UdSSR, arbeitete als Schlosser im Autowerk Gorki und gehörte dem Schutzbundkollektiv in Gorki an. Am 22. Jänner 1935 wurde er vom österreichischen Staat ausgebürgert. Peninger wurde am 19. September 1937 mit der Beschuldigung Spionage betrieben zu haben verhaftet und von einer Sonderberatung des NKWD am 4. Dezember 1937 aus der UdSSR ausgewiesen. Diese Entscheidung wurde jedoch am 16. Oktober 1938 für ungültig erklärt und am 11. November 1938 entschied die Troika des NKWD im Gebiet Gorki Peninger für 10 Jahre in ein Internierungslager einzusperren. Er verstarb am 27. Februar 1939 im Gefängnishospital in Gorki. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Rechberger Anton wurde am 12. Juni 1903 in Linz geboren und war Dreher. Er trat 1918 der SAJ und bereits 1923 der KPÖ bei und war Propagandaleiter der KPÖ in Steyr. Nach den Februarkämpfen 1934 flüchtete er im Juli 1934 in die CSR, wo er sich im Flüchtlingslager Valory (Wallern) aufhielt. Ende November 1934 kam er in die UdSSR und war Mitglied im Schutzbundkollektiv Moskau. Vom österreichischen Staat wurde Rechberger am 18. Juni 1936 ausgebürgert. Er arbeitete als Drechsler in der 1. Staatlichen Wälzlagefabrik „Kaganowitsch“ in Moskau. Nach einer Sonderberatung des NKWD wurde er am 23. Dezember 1940 der antisowjetischen Agitation beschuldigt und für 5 Jahre in ein Internierungslager eingesperrt. Er starb am 8. Jänner 1942 in Onglag. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Ricker (Lange) Eduard, geboren am 7. Dezember 1906 in Triest, war Schlosser in der Bundesbahnwerkstätte in Lambach und Schutzbundkommandant in Stadl-Paura. Von 1928 bis 1934 gehörte er der SDAP an. Nach den Februarkämpfen 1934 flüchtete er in die Schweiz und kam per Schiff von Antwerpen im Februar 1935 in Noworossijsk an. 1935 wurde er Mitglied der KPÖ und absolvierte die Lenin-Schule in Moskau. Vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR wurde er der antisowjetischen Agitation und Propaganda sowie terroristischer Aktivitäten beschuldigt und zu 10 Jahren Haft im Internierungslager verurteilt. Am 28. Mai 1940 wurde er nach einem Fluchtversuch zu weiteren zusätzlichen drei Jahren Haft verurteilt. Am 23. Juli 1942 wurde er vom Militärtribunal der Armee des NKWD der Nortpotschem –Eisenbahnlinie der antisowjetischen Agitation und Propaganda sowie terroristischer Aktivitäten zum Tode durch Erschießen verurteilt. In Bezug zum ersten Schuldspruch wurde Ricker durch den Beschluß des Plenums des obersten Gerichts der UdSSR rehabilitiert. Gemäß dem Erlass des Präsidenten der UdSSR vom 13. August 1990 wurde Ricker in Beiziehung zum zweiten und zum dritten Schuldspruch rehabilitiert.

Schachinger Rudolf wurde am 20. Jänner 1910 in Budweis geboren und arbeitete als Schlosser in Linz. Er gehörte seit 1927 der SDAP und nach 1934 der KPÖ an. Schachinger kam am 13. Juli 1935 in der UdSSR an und war Mitglied des Schutzbundkollektivs in Rostow am Don, wo er im Betrieb „Rostselmasch“ arbeitete. Mit der Beschuldigung einer faschistisch-aufständischen Organisation anzugehören wurde er am 28. September 1938 durch eine Sonderberatung des NKWD zu 10 Jahren Haft in einem Internierungslager verurteilt. Er starb am 21. Juni 1943 im Gebiet von Perm. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde er rehabilitiert.

Sieberer Alois wurde am 30. Mai 1905 in Amstetten (NÖ) geboren, war von Beruf Tischler und lebte in Steyr. Er war seit 1924 Mitglied des Schutzbundes und seit 1925 Mitglied der SDAP. Ab 1932 war er Zugsführer in der Alarmabteilung des Schutzbundes in Steyr. Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er Mitglied der KPÖ. Sieberer kam Ende Oktober 1935 in die UdSSR in das Schutzbundkollektiv in Gorki und arbeitete als Tapezierer im Autowerk. Zusammen mit Franz Leinmüller wurde er am 19. September 1937 an seinem Arbeitsplatz im Autowerk verhaftet. Sieberer wurde am 14. Dezember 1939 nach einer außerordentlichen Sitzung des NKWD als „unerwünschter Ausländer“ eingestuft und am 17. Dezember 1939 in Brest-Litowsk den deutschen Behörden ausgeliefert, überlebte jedoch Faschismus und Krieg und lebte 1990 in Steyr. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Sieberer rehabilitiert.

Silberstein Josef wurde am 23. Juni 1911 in Graz geboren und war von Beruf Fourniturist. Er war Schutzbündler in Steyr und seit 1934 Mitglied der KPÖ. Mit dem ersten Schutzbundtransport kam er in Ende April 1934 in die Sowjetunion, war Mitglied des Schutzbundkollektivs und arbeitete als Uhrenmonteur in der 1. Staatlichen Uhrenfabrik in Moskau, wo er 1937 verhaftet wurde. In einer außerordentlichen Sitzung des NKWD am 3. mai 1940 wurde er der antisowjetischer Agitation und Propaganda beschuldigt und für fünf Jahre in ein Internierungslager eingesperrt. Silberstern verstarb am 22. April 1943 am Ort seiner Freiheitsstrafe. Durch Erkenntnis des Präsidiums des Moskauer Stadtgerichts vom 28. April 1958 wurde er rehabilitiert.

Skamper Erich, geboren am 10. September 1913 war Tischler und Maschinist in Steyr bzw. ging keiner bestimmten Beschäftigung nach und war SDAP-Mitglied seit 1933. Nach dem Februar 1934 flüchtete er in die CSR und hielt sich im Emigrantenlager Zbraslav auf. Er kam am 21. September 1935 in der UdSSR an. Nach einer Entscheidung der Kommission des NKWD und des Staatsanwaltes vom 1. Juni 1938 wurde Skamper der Spionage beschuldigt und zur Höchststrafe, nämlich Tod durch Erschießen verurteilt. Entsprechend dem Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 16. Jänner 1989 wurde Skamper rehabilitiert.

Zehetner Karl, geboren am 16. Jänner 1903, war Schlosser und Meßinstrumentenbauer im Steyr-Werk. Zehetner war Mitglied der SDAP seit 1920 und trat im März 1934 der KPÖ bei. Er wurde am 20. September 1934 verhaftet und im Anhaltelager Wöllersdorf interniert. Über die CSR kam er am 31. Oktober 1935 in die UdSSR, wo er als Pädagoge im Schutzbundkinderheim Nr. 6 arbeitete. Er wurde am 28. Februar 1938 vom Arbeitsplatz weg verhaftet und nach einem Beschluß der Kommission des NKWD und des Staatsanwaltes am 2. Februar 1938 der Spionage beschuldigt und durch Erschießen hingerichtet. Durch Erkenntnis des Obersten Gerichts der UdSSR wurde Zehetner am 16. März 1957 rehabilitiert.

Literatur:
- McLoughlin Barry/Szevera Walter, Posthum rehabilitiert, KPÖ, 1991
- Baier Walter/Muhri Franz, Stalin und wir - Stalinismus und die Rehabilitierung österreichischer Opfer, KPÖ, 2002
- Hackl Erich, Anprobieren eines Vaters, Geschichten und Erwägungen, Diogenes, Zürich, 2004




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