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Eine kriminelle Vereinigung

  • Montag, 20. Oktober 2008 @ 11:18
Kapital „Keine Panik“ – das ist das Standardrezept der Bankiers für ihre AnlegerInnen: Nur ja kein Geld abziehen, um nicht eine Krise auszulösen und Gottvertrauen auf die Rezepte der Geldverwalter zu bewahren. Wenn´s aber um die eigene Kohle geht, schaut das freilich ganz anders aus. Die Constantia Privatbank (CPB) musste jetzt als Notmaßnahme von fünf Banken (Bank Austria, Erste, RZB, Volksbanken, PSK) mit einer 400-Millionen-Euro-Geldspritze und versehen mit einer Staatshaftung übernommen werden und wird zusätzlich mit weiteren 50 Millionen Euro von der Nationalbank gedopt.


Hinter der Pleite steht ein massiver Geldabfluss: Laut „Standard“ soll die Eigentümerin der CPB, die Tochter Milliardärs Herbert Turnauer, Christine de Castelbajac in den letzten Tagen satte 400 Millionen Euro aus der Bank abgezogen haben und ihr Berater und Vertrauter Guido Schmidt-Chiari, ehedem Chef der Creditanstalt, soll ebenfalls sein Stiftungsvermögen woandershin verschoben haben, sodass eine Liquiditätslücke von 100 Mio. Euro entstand. Bei solchen Geldflüssen muss die stärkste Bank ins Trudeln kommen.

Pleite mit Methode

Hinter der Pleite steckt aber offenbar Methode. Laut „Presse“ hat die Eigentümerin Castelbajac den Überblick über die umfangreichen Firmenverflechtungen verloren, war aber nicht bereit Geld zur Rettung der Bank zuzuschießen. Aus Fachkreisen heißt es, „die Eigentümer pokerten bis zur letzten Runde“. Wäre die Bank unter Aufsicht eines Staatskommissärs gestellt worden wäre nämlich die völlige Wertlosigkeit eingetreten und es hätte Haftungsansprüche gegen die Eigentümer gegeben. Eben das wollte Castelbajac aber vermeiden.

Aus Banker-Kreisen wird kolportiert, dass die Lösung für die CPB durch „massiven politischen Druck“ zustande gekommen ist. Ausgerechnet die großbürgerliche „Presse“ kommentiert, dass hier „die falsche Bank“ gerettet wurde. Dass die Bundesregierung in aller Eile ein 100-Milliarden-Euro-Paket von Staatshaftungen schnürte zeigt den erklärten Willen den Finanzplatz Österreich als Oase für die wirklich Reichen zu sichern. Sollten die Staatshaftungen schlagend werden, dürfen dann aber die kleinen SteuerzahlerInnen für die Misere aufkommen, während die „G´stopften“ ihre Kohle längst in Sicherheit gebracht haben. Die Rettung der CPB ist ein exemplarisches Beispiel, wie Politik im Interesse eines elitären Klientels gemacht wird.

Der Name Constantia Privatbank steht für betuchte AnlegerInnen. Für ein Konto wird eine Mindesteinlage von 500.000 Euro verlangt. Die diskrete Privatbank betreut rund ein Drittel der auf 3.200 geschätzten Privatstiftungen. Betuchte AnlegerInnen hatten zuletzt über zehn Milliarden Euro auf den Depots der Constantia, die bankeigene Kapitalanlagegesellschaft verwaltete weitere 300 Fonds mit knapp sieben Milliarden Euro.

Die Verflechtungen der CPB betreffen vor allem dem Komplex Immofinanz und Immoeast, für welche die ebenfalls Castelbajac gehörende Constantia-Packaging Haftungen von angeblich 500 Millionen Euro übernommen hat. Dieses Unternehmen muss außerdem eine Put-Option des Investors Walter Scherb und des Anwalts Rudolf Fried einlösen und dessen Immofinanz-Aktien um sieben Euro pro Aktie (derzeitiger Kurs 1,35 Euro) ablösen. Fries hatte beim Verkauf von Böhler-Uddeholm an die Voest einen satten Spekulationsgewinn gemacht. Die Immofinanz hat angeblich 900 Millionen Euro von AnlegerInnen nicht in Immobilien investiert, sondern nach Liechtenstein verschoben und damit die Krise der Constantia Privatbank maßgeblich ausgelöst, dabei hat die CPB ihre Forderungen für den Verkauf einer Managementgesellschaft an Immofinanz und Immoeast ohnehin schon auf „bescheidene“ 340 Mio. Euro reduziert.

Der ominöse Herr Petrikovics

Schlagartig von der Bildfläche verschwunden ist der jahrelang von den einschlägig neoliberal ausgerichteten Medien gepushte und durch seine Expansionslust bekannte Manager Karl Petrikovics, der die CPB ebenso wie die Immofinanz und Immoeast neben 180 (!) anderen Funktionen geführt hatte. Bei der Finanzmarktaufsicht wurde eine Anzeige wegen Bilanzmanipulation eingebracht. 2007 hatte sich die Immoeast 2,8 Milliarden Euro frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung über die Börse besorgt, davon flossen 1,8 Mrd. Euro an die Immofinanz weiter, die an Immoeast mit 50 Prozent beteiligt ist. Der Kauf der Buwog im Zuge der Privatisierung der Bundeswohnungen wurde ausschließlich fremdfinanziert. Welche Auswirkungen das auf die MieterInnen der rund 19.500 Buwog-Wohnungen hat ist offen.

Weitere 900 Millionen Euro wurden an eine Immofinanz-Beteiligungsgesellschaft weitergereicht, die im Besitz der Stiftungen Camilla (99 Prozent) und Stephanie (ein Prozent) steht, hinter laut Verdacht der Ermittler denen die CPB und Castelbajac stehen. Vermutet wird weiters, dass von dieser Gesellschaft ein Teil der 900 Millionen an die Wienerberger AG überwiesen wurde – Wienerberger-Chef Wolfgang Reithofer ist „zufällig“ Aufsichtsratschef der Immoeast.

Das Turnauer-Imperium

Der 2000 verstorbene Turnauer hatte sein Imperium noch vor seinem Tode geteilt: Seine Tochter Castelbajac erhielt die Constantia-Packaging (AMAG, Duropack u.a.) mit 1,56 Mrd. Euro Umsatz und die PCB mit 1,2 Mrd. Euro Bilanzsumme, sein Enkel Stanislaus Turnauer übernahm die Constantia Industries (FunderMax, Constantia Surfaces, Constantia Isovolta) mit einem Umsatz von rund einer Mrd. Euro. Turnauer-Sohn Max wurde von Castelbajac mit der „Kleinigkeit“ von 300 Millionen abgefertigt. Als Revanche für seine Enterbung zugunsten von Enkel Stanislaus ließ Max Turnauer nach dem Tode seins Vaters dessen Villa in Wien-Döbling schleifen und verkaufte das Areal.

Christine de Castelbajac rangiert ebenso wie Stanislaus Turnauer laut „trend“ mit einem Vermögen von jeweils 1,9 Milliarden Euro auf Platz 19 der reichsten ÖsterreicherInnen. Nach dem Motto von Herbert Turnauer „Alles in einer Stiftung. Ich habe nichts“ ist das Vermögen der bisherigen PCB-Eigentümerin freilich zugriffsicher in Liechtenstein geparkt. Das verluderte Bankvermögen war ohnehin nicht ihr eigenes, sondern Geld der Kunden wie das bei Banken allgemein der Fall ist – ein Argument, mit dem die Überführung des Banken- und Versicherungssektors in öffentliches Eigentum hinreichend gerechtfertigt ist. Wie sich die Constantia-Pleite auf die Realwirtschaft – etwa die AMAG in Ranshofen auswirkt ist noch offen, jedenfalls ist kaum anzunehmen, dass der Industriebereich von der Bankmisere völlig ungeschoren bleibt. Bekannt ist jedenfalls, dass Castelbajac ihre Anteile an der Packaging-Gruppe (Wert 350 Mio. Euro) an die Bank Austria verpfänden musste.

Anlageberatung als Pyramidenspiel?

Eine besonders pikante Note erhält die Causa Constantia/Immofinanz zusätzlich durch den Finanzdienstleister AWD, der zwei Millionen AnlegerInnen, davon 81.000 in Österreich beraten hat. Die AWD-Berater haben ein besonders Faible für Immofinanz-Produkte verbunden mit einer besonders hohen Vermittlerprovision. Obwohl die Aktien schon 90 Prozent ihres Werts verloren haben wurde an die Kunden die Parole „dranzubleiben“ ausgegeben und die Immofinanz-Aktie als „Bauten-Sparbuch“ ausgegeben.

Dahinter steht, dass nach einem an eines der berüchtigten Pyramidenspiele erinnernden System die AWD-Berater nicht nur Finanzprodukte verkaufen, sondern gleichzeitig auch neue BeraterInnen keilen und an deren Umsätze verdienen. AWD wird von Experten ein „sektenähnlicher Charakter“ attestiert, wie aus einschlägigen Schulungen über Verkaufspsychologie usw. deutlich wird. Obwohl bei Schulungen gepredigt wird, maximal 15 Prozent eines Portefeuilles in Aktien anzulegen, nahm man es bei AWD mit der Risikostreuung nicht so genau, sodass Kunden auch bis zu 80 Prozent in Aktien anlegten.

Für AWD freilich kein Problem, „in jedem Fall hat natürlich der Kunde selbst entschieden“, so ein Sprecher. Statt Tierschützer monatelang ohne Beweis einzusperren sollte der umstrittene Paragraph 278 des Strafgesetzbuches lieber auf die im Fall Constantia, Immofinanz und AWD agierenden EigentümerInnen und Manager angewendet werden. Der Tatbestand der Bildung einer kriminellen Vereinigung dürfte – im Unterschied zu den erst im September nach monatelanger Haft freigelassenen Tierschützern – in diesem Falle hinreichend erfüllt sein.

Leo Furtlehner


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