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Die Haiderisierung Österreichs

  • Dienstag, 14. Oktober 2008 @ 14:21
Österreich Zum Sittenbild des politischen Establishments Österreichs wird das Puzzle der Kommentare zum Unfalltod des Kärntner Landeshauptmannes und BZÖ-Chefs Jörg Haider. Vom Bundespräsidenten abwärts wird Haider als „talentierter Politiker“ (Fischer), „Ausnahmepolitiker“ (Faymann),. „hochbegabter Politiker mit Leib und Seele“ (Schüssel), „außergewöhnlicher Politiker“ (van der Bellen) bis zum „politischen Popstar“ (Androsch) gewürdigt. Die Parteigrenzen verschwimmen in einer wohlinszenierten Trauermanie, bei der Politik und Medien kräftig auf die Tränendrüse drücken und die sich wie eine „Wolke der Depression“ über Kärnten gelegt hat.

Was ist das Talent, die Ausnahme, das Außergewöhnliche an Haider? Ist es die systematische Hetze (gegen Ausländer, linke KünstlerInnen, SozialschmarotzerInnen usw.) die Haider in die österreichische Politik eingeführt hat? Ist es der Gesetzesbruch (Stichwort Ortstafeln, Abschiebung als straffällig punzierter AsylwerberInnen) die er salonfähig gemacht hat und für die sein Tod (mit 142 km/h gegen eine 50er Tafel) geradezu symbolisch ist? Ist es das gezielte Spiel mit NS-Reflexen („ordentliche Beschäftigungspolitik“, Lob für die Waffen-SS) und einer Verklärung einer nicht bewältigten Vergangenheit? Der Politologe Anton Pelinka hat im ORF auf die Frage nach den besonderen Leistungen Haiders treffend gemeint, es gäbe keine. Punkt, aus.

Wenn hingegen „Österreich“-Herausgeber Fellner meint, Haider habe die letzten 20 Jahre „viel mehr noch im positiven Sinne“ als im negativen geprägt, zeigt er ebenso wie der Schauspieler Karl-Heinz Hackl, der meint die von Haider betriebene Polarisierung habe „dem Land gut getan“ wieweit die Haiderisierung des Landes und die Verluderung des politischen Stils schon gediehen ist. Dazu passt als Draufgabe, dass der SPÖ-Bürgermeister von Bad Goisern, Peter Ellmer, schon am Tag von Haiders Tod vorlaut darüber nachdenkt Haider zum Ehrenbürger zu ernennen.

Elfriede Jelinek hat in ihrer Rede „In den Waldheimen und auf den Haidern“ zur Verleihung des Heinrich-Böll-Preises 1986 zwei wesentliche Grundzüge der österreichischen Politik deutlich gemacht. Nämlich die – von Waldheim exemplarisch betriebene – Verdrängung der unangenehmen Seiten der eigenen Geschichte und die – von Haider salonfähig gemachte – Hetze. Wobei letztere als Fremdenfeindlichkeit keineswegs nur auf AsylwerberInnen und MigrantInnen gemünzt ist, sondern ebenso auf „die EU“ gemünzt ist, weil damit die Aversion gegen alles „Fremde“ herrlich bedient werden kann. Dass FPÖ/BZÖ-MinisterInnen in ihrer Amtszeit in Brüssel jenen Regelungen zugestimmt haben auf die Haider hierzulande geschimpft hat fällt da gar nicht mehr auf…

Haiders Nachfolger als Kärntner Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, hat mit seinem Sager „Die Sonne ist vom Himmel gefallen, die Uhren sind stehen geblieben“ in Anlehnung an große historische Vorbilder des Personenkults die noch immer und stets auf neue salonfähige Sehnsucht nach dem „starken Mann“ deutlich gemacht. Diese ist ebenso Teil der österreichischen Identität wie gängiges Strickmuster der etablierten Stellvertreterpolitik und Patentrezept vor allem rechter Politik. Haider hat sie geradezu exemplarisch vorexerziert.

Ohne die Medien wäre Haider ebenso wie ohne die Politik von SPÖ und ÖVP nichts gewesen. Vom ORF abwärts über die „Krone“ bis zum letzten Provinzblatt wurde er zu dem gemacht, was er war. Nicht so sehr FPÖ bzw. BZÖ als vielmehr das politische und mediale Establishment sind daher schuld, wenn Haider in Anklängen an James Dean und Lady Diana jetzt zur posthumen politischen Pop-Ikone der Rechten hochstilisiert wird. Und gerade die dem „aufgeklärten Landesvater“ zuletzt attestierte „Milde des Alters“ zeigt, wie der Mechanismus des Vergessens und Verdrängens bestens funktioniert.

Leo Furtlehner


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