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„Der Kain wird´s mir verzeihen“

  • Samstag, 27. Oktober 2012 @ 08:00
Kultur Zu Besuch bei Margit Kain. Von Dominika Meindl

Spät, viel zu spät hat sich der österreichische Literaturbetrieb für Franz Kain zu interessieren begonnen. Während der Schriftsteller, Journalist und Politiker in der DDR viel gelesen wurde, erschien sein erster Text in Österreich erst in den späten 80er Jahren. Die beste Kain-Expertin hat sich 40 Jahre intensiv mit seinem umfangreichen Werk auseinandergesetzt: Margit Kain, seine Witwe. Das Herzstück des Nachlasses befindet sich nicht in einem Literaturarchiv, sondern in einer kleinen Wohnung in Linz-Urfahr. Seit 1967 hatten die beiden hier gewohnt.

Viel bleibt zu tun

„Er hat ja nicht geglaubt, dass er so bald stirbt“, sagt Kain. 1997 starb ihr Mann an Krebs, der erst kurz vorher entdeckt worden war. Seinen literarischen Nachlass überließ er dem Literaturarchiv im Stifter-Haus. Seiner Frau und seinen beiden Kindern hinterließ er die Bitte, sich Zeit zu nehmen, das Material genau zu sichten und auszumustern. Eine Heidenarbeit, wie sich bald herausstellte. Nicht nur wegen des Werkumfangs. „Es war ja nichts geordnet. Ich bin jetzt hauptberuflich mit der Sichtung beschäftigt.“ Mittlerweile ist alles gesichtet. Die Abschriften der wichtigsten Texte befinden sich im StifterHaus. Viel bleibt noch zu tun: Korrespondenz, Vorträge, kleinere Texte, Tagebücher.

Idealer Plan

Gleich nach dem Tod ihres Mannes hat sich Kain einen Computer gekauft, um den Nachlass zu ordnen und die vielen Tagebücher abzutippen. „Er mochte das Zeug nicht, in der Redaktion [der „Neuen Zeit“, DM] haben sie ihm am Schluss eine elektrische Schreibmaschine aufgedrängt, das war ihm schon nicht recht.“ Jeden Tag wollte sie eine Stunde lang abschreiben. „Das war ein idealer Plan.“ Eine Serie an Unglücksfällen hielt sie davon ab. „Der Kain wird's mir verzeihen. Ich habe ein Bild von ihm als Bildschirmschoner, da kann er mich immer vorwurfsvoll anschauen“, sagt sie und lacht. Die Tagebücher werden Kain-Forscher und -Freunde freuen: „Am Anfang hielt er seine Ideen fest. Er schrieb anders, als er krank wurde - das war schon für die Nachwelt.“

Immer wieder kommen Schriftsteller und Literaturwissenschaftler und bitten um Hilfe. „Die Leute geben sich die Klinke in die Hand. Und ich kann helfen. Schon alleine weil ich seine Handschrift lesen kann. Ich war ja doch fast 40 Jahre mit ihm zusammen. Und der Kain war kein guter Autofahrer, das überließ er lieber mir. So war ich überall dabei.“ Das endlich erwachte Interesse am Werk ihres Mannes freut Margit Kain naturgemäß. In die Freude mischt sich ein gewisses Unverständnis. „Er wurde ja lange totgeschwiegen - das heißt in Österreich nicht verlegt und kritisiert, während er in der DDR beim Aufbau-Verlag in Auflagen erschien, die man sich hier nur wünschen konnte.“

Etwas anderes tun

Margit Kain bearbeitet im Übrigen nicht nur den Nachlass ihres Mannes. Ohne sie wäre die Linzer Widerstandskämpferin Gisela Tschofenig, eine Wahltante Margit Kains, endgültig in Vergessenheit geraten. Einer der letzten Akte der Nazis in Linz war die Ermordung der jungen Mutter. „Nicht einmal ein Sterbedokument haben sie hinterlassen.“ Dank Kain ist zumindest eine Straße nach Tschofenig benannt.

„Ich hocke nicht auf dem Nachlass. Ich möchte abgeben und auch einmal etwas anderes tun“, sagt sie zum Abschluss. Der Kain wird's ihr verzeihen.

Quelle: Kultur, Ausgabe September 2008


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