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Die Linke bleibt auch vor der Wahl im Schatten

  • Donnerstag, 11. September 2008 @ 10:22
Wahlen Beim Wahlkampf in Linz erntet die KPÖ viel Gejammer und wenig Stimmen. Ein Bericht von Georgia Meinhart in der „Presse“.

Linz. „Wär' ich nicht arm, wärst du nicht reich“: In der von der späten Sommersonne aufgeheizten Linzer Landstraße zitiert das Transparent der KPÖ Bertolt Brecht. Hinter den kühlen Glasfassaden der Fußgängerzone lockt währenddessen der Konsum.

Mirko Messner, Spitzenkandidat der Kommunisten für die Nationalratswahl am 28. September, sucht Schatten unter dem tiefroten KPÖ-Sonnenschirm. Er spricht leise mit Passanten über Spitzensteuersätze, die „Umverteilungsmaschinerie“, zu der die Politik verkommen sei und hört vor allem geduldig zu.

Jenen, die hierherkommen, um ihre Geschichten zu erzählen. Den Wohlstandsverlierern, die sich von der Politik nichts mehr erwarten, denen, die es auf Feuerzeuge oder Abziehbilder abgesehen haben, oder jenem hageren Mann mittleren Alters, der sich mit „Hallo, ich bin' s, der Bertl“ vorstellt.

Ohne Scheu spricht er Messner an, ergreift seinen Unterarm: „Ich hab' dich im Fernsehen gesehen. Vor zwei Wochen, aber da hast noch mehr Haare gehabt“, sagt Bertl. Messner macht gute Miene, Bertl holt weit aus: Er sei früher bei der SPÖ gewesen, jetzt wähle er aber Grün. Die KPÖ fände er auch ganz toll. „Eigentlich bin ich ja ein Sozi, aber ich hab' genug von den G'sichtern.“

Schlechte Zeiten für die KPÖ

Sehr viele, mit denen er hier spreche, seien einfach „angewidert von der Sozialdemokratie“, erklärt Hans-Christian Schiff, pensionierter Musiker des Bruckner Orchesters. Seit 1970 ist er bei der KPÖ.

In Linz, der traditionsreichen Arbeiterstadt, werde die Linke seit jeher wohlwollend behandelt, aber so groß wie jetzt, davon sei er selbst überrascht, sei der Zuspruch noch nie gewesen. Aber wählt man auch KPÖ?

Schiff glaubt, dass sich die Umstände für die KPÖ nicht auszahlen werden, dass die Politikverdrossenen eher gar nicht oder rechts wählen: „Es ist eine schlechte Zeit für uns. Zwei Prozent wären schon viel.“

Die Stimmen von Patrick Gusenbauer (rein zufällig namensgleich mit dem Kanzler) und David Hackmeier sind den Kommunisten jedenfalls sicher. Gusenbauer findet es „super, dass sich eine Partei heraushebt“. Vor allem will der 17-Jährige „den Rechten“ eins auswischen. Als Heinz Christian Strache am Linzer Hauptplatz den Wahlkampf der FPÖ startete, habe die Polizei ihn und seine Freunde nicht vorgelassen, ärgert sich der Jung-Gewerkschafter.

Die Burschen tragen sich in eine Mailing-Liste ein und nehmen dann sogar einige der „Links. Mit Sicherheit“-Broschüren mit, die auf dem schmalen Tisch unter dem Sonnenschirm liegen. „Dürfen wir die an der Donaulände verteilen?“, fragen die beiden.

Nach zwei Stunden ist Schluss

Nun, an Messner wird's nicht scheitern. Nach kaum zwei Stunden dahinplätschernden Nah-Wahlkampfs hat er ohnehin genug vom Verteilen und vom Zuhören. Er und seine Mitstreiter packen den Schirm zusammen, rollen das Transparent ein.

Und unten an der Donaulände, dort wo sich die alternative Szene den Sommer über trifft, könnten die beiden Erstwähler ja auch noch einige Altersgenossen überzeugen. Wer weiß?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2008), Foto: Die Presse


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