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Patriotismus und Gottesfurcht

  • Freitag, 6. Juni 2008 @ 16:09
Österreich „Wer in gehässiger Weise eine Fahne der Republik Österreich öffentlich herabwürdigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen“ – so steht es im Strafgesetzbuch. Das gilt allerdings nicht für die „Kronenzeitung“, sie darf die Staatsflagge ungestraft verhunzen. Die von ihr verkauften Autofahnen zeigen nämlich statt dem Wappen einen Fußball, Hammer, Sichel und Ketten wurden vorsorglich entfernt, dafür prangt darauf ein „Krone“-Logo. Und Minister Faymann legalisiert das per Ukas für die EURO08.

Es ist schon ein Kreuz mit der Fahne. Das selbsternannte „Landeshauptblatt“ namens „OÖN“ erscheint mit dem Aufmacher „Stunde der Patrioten“, quasi als Tribut an die angeblich 250.000 ÖsterreicherInnen, die jetzt ihre Vehikel beflaggen. Wahrscheinlich so gar nicht nach dem Geschmack der meisten Fahnenhisser ist da, wenn via „OÖN“ ein Schwarzer (aus Ghana, nicht von der ÖVP) mit gehisster Fahne „I love Österreich“ verkündet, verbinden diese doch mit ihrem Tun eher mit der Parole „Mia san mia“ und folglich „Ausländer raus“.

Primar Werner Schöny diagnostiziert dazu passend „Gefährlich wird es, wenn die Einstellung fanatisch ausgelebt wird. Etwa wenn Landsleute aufgrund ihrer Fahnen aufeinander losgehen.“ Wenn heute Fahnenhissen im Mainstream ist, dann braucht man darauf nicht stolz zu sein, damit wird nämlich propagandistisch und mental die Expansion des österreichischen Kapitals als Teil der EU und des globalen Imperialismus im Osten und anderen Weltgegenden unterstützt. Wirklicher Patriotismus sieht anders aus…

1938 konnte der austrofaschistische Kanzler Schuschnigg noch seine Rede im Parlament mit dem pathetischen Schlusswort „Rot-Weiß-Rot bis in den Tod“ versehen und damals war es wirklich mutig und lebensgefährlich mit rot-weiß-rot mutig anzutreten. Nicht zufällig sind viele der sich auf Alfred Klahrs These einer eigenständigen österreichischen Nation berufenden über 2.000 KommunistInnen die im Widerstand gegen den Nazifaschismus umkamen gerade wegen der versuchten „Lostrennung der Alpen- und Donaugaue vom Großdeutschen Reich“ zum Tode verurteilt worden.

Doch die Geschichte hat ihre Tücken, die Dialektik verkehrt nicht selten die Dinge ins Gegenteil. Was gestern richtig war muss es heute nicht mehr sein. So kann sich etwa am 1. Mai 2008 im Bierzelt am Urfahrer Jahrmarktgelände in Linz vor einer johlenden Menge FP-Chef Strache von seinem Generalsekretär Vilimsky als „Robin Hood in Rot-Weiß-Rot” feiern lassen und über die „wiedererlangte Kraft der freiheitlichen sozialen Heimatpartei“ schwärmen. Deutschnationalismus ade, Wählerstimmenmaximierung mit populistischem Österreich-Patriotismus an den Stammtischen ist angesagt.

Zur Erinnerung: Bei der Proklamation der Republik Deutsch-Österreich am 12. November 1918 stürzten sich einige Rotgardisten auf die zu den Fahnenstangen eilenden Parlamentsdiener, brachten die rot-weiß-rote Fahne der neuen Republik in ihre Gewalt, rissen den weißen Mittelstreifen heraus, hissten die nunmehr „rote Fahne“ und forderten die Gründung einer „Sozialen Republik“.

Diese Kommunisten der ersten Stunde standen in der Tradition von Karl Marx und Friedrich Engels, die im „Kommunistischen Manifest“ schon feststellten „Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben“. Ergänzend heißt es dort auch „Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker verschwinden mehr und mehr schon mit der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse“, was die aktuelle Globalisierung anschaulich bestätigt. Der Rückzug zum patriotischen Fahnenschwingen zeigt da nur eine bemerkenswerte Hilflosigkeit vor den Auswüchsen der kapitalistischen Globalisierung garniert mit provinziellem Spießergeist.

Der deutsche Arbeiterführer August Bebel hat mit dem Ausspruch „Wenn dich deine Feinde loben, hast du etwas falsch gemacht. Tadeln sie dich, dann bist du auf dem richtigen Wege“ eine auch heute noch gültige Faustregel entwickelt, vorausgesetzt man weiß wer die Feinde sind. Wenn also Neonazis in obskuren Mails die KPÖ wegen „patriotismusfeindlicher Zitate“ rügen und ausgerechnet die schlimmsten Feinde Österreichs dazu den antifaschistischen Widerstand bemühen, dann muss wohl an dieser Kritik etwas dran sein.

Meinte doch schon Arthur Schnitzler: „Diejenigen Tugenden werden am lautesten gepriesen, zu deren Ausübung weder Gedankenarbeit, noch Energieentfaltung, noch Selbstüberwindung gehört, vor allem also diese beiden: Patriotismus und Gottesfurcht“.

Leo Furtlehner

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