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Eine einzige Reality-Show…

  • Sonntag, 27. April 2008 @ 09:35
Österreich Von Leo Furtlehner

Die Veröffentlichung von ärztlichen Protokollen über Natascha Kampusch im „Krone“-Gratisableger „Heute“ lässt offen, wer in diesem Land mehr verludert ist: Auf die Verfassung vereidigte Beamte, die solche Informationen ohne Skrupel weitergeben. Ebenso vereidigte PolitikerInnen im U-Ausschusses, für die man keine Hand ins Feuer legen kann. Oder eine angeblich der Wahrheit und Objektivität verpflichtete Journaille, die solches ohne jeden Genierer veröffentlicht und dies gar noch als „staatsbürgerliche Pflicht“ darstellt.

Weil Politik unter dem Diktat eines selbst verordneten „Sachzwanges“ immer weniger zu entscheiden hat, werden Show und Nervenkitzel immer mehr dominant. Die Medien sind die Plattform für solche Inszenierung. Was gestern noch als sakrosankt galt, gilt im Quotenkampf heute als normal – und morgen wird die Dosis weiter erhöht. Das Publikum will schließlich unterhalten werden und macht eifrig mit, vom Ö-Driver bis zu den diversen Reality-Shows, wo es mittlerweile als normal gilt, sich geistig auszuziehen.

Minister Platter brüstet sich als oberster Datenschützer der Republik – freilich nur solange es sich um das eigene (Polizei-)Klientel handelt. Geht es um normale BürgerInnen, kennt die etablierte Politik ohnehin keine Hemmungen: Videoüberwachung in Gemeindebauten, auf öffentlichen Plätzen oder bei Abfallsammelstellen, präventives Blitzen auf der Autobahn für Bewegungsprofile, Überwachung von Handy- und Computerdaten, oder Ausspähung von Wohnungen per Video wie in Deutschland – die Liste lässt sich beliebig erweitern. George Orwells „1984“ war im Vergleich dazu geradezu harmlos.

Und diese mit Kriminalitäts- und Terrorbekämpfung argumentierte Überwachung läuft mit breiter Akzeptanz. Meinen doch die meisten BürgerInnen sie würde das alles ohnehin nicht betreffen, sie hätten schließlich doch ohnehin nichts ausgefressen. So verschmelzen die inszenierte Show in den Medien und die reale durch neoliberale Hegemonie legitimierte Überwachung zu einer einzigen gigantischen Reality-Show, wo Fiktion und Wirklichkeit immer weniger unterscheidbar sind.

Zum „Ausgleich“ und als zynische Draufgabe übt sich eben jener Staat, der sich für soziale Belange und das Gemeinwesen immer weniger zuständig erklärt in der Reglementierung des persönlichen Lebens: Rauchen verboten, Handytelefonieren verboten, Alkohol im Park verboten, Essen in der Straßenbahn verboten…


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