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Revolution von 1848 erfasste Oberösterreich nur marginal

  • Montag, 17. März 2008 @ 10:21
Geschichte Die bürgerliche Revolution von 1848 erfasste große Teile Europas, die Arbeiterklasse spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle, obwohl Karl Marx und Friedrich Engels mit dem ”Manifest der Kommunistischen Partei” die Ziele der Arbeiterklasse klar formuliert hatten.

In Österreich begann die Revolution am 3. März 1848 mit der ”Taufrede der österreichischen Revolution” des liberalen ungarischen Oppositionsführers Lajos Kossuth im Pressburger Parlament, welche das liberale Bürgertum ermunterte. Als eine Petition bis zum 13. März nicht beantwortet wurde, begannen die revolutionären Kämpfe in Wien.

„Nur noch leeres Formelwerk...”

Auslösende Momente waren die wirtschaftliche Zurückgebliebenheit und der in der Ära Metternich entstandene ausgeprägte Absolutismus in der Vielvölkermonarchie: ”Das Alte muss zugrunde gehen, da es nur noch leeres Formelwerk ist, aus dem der Geist schon längst gewichen ist”, so charakterisierte der Augustiner-Chorherr, Historiker und Politiker Jodok Stülz (1799-1872) die politische Situation des Jahres 1848. In dem Schreiben eines leider Unbekannten wurde die Befürchtung ausgesprochen, dass ”die Noth und der Trug eine gewaltige, und vielleicht blutige Umstürzung hervor bringen muss”.

Bereits am 17. März 1848 wurde auch in Linz die Revolution mit einem Fackelzug gefeiert, am 19. April fand die Fahnenweihe der neuerrichteten Nationalgarde statt, am 27. März trat diese Nationalgarde bei einem Straßenkrawall in Linz zum ersten Mal in Aktion. Am 14. April marschierten die Straßenarbeiter nach Wilhering und die Nationalgarde griff ein, am 2. Juni bereitete am Linzer Pfarrplatz eine Menschenmenge ”den geistlichen Herrn ein grässlich klingendes Ständchen”.

Die „Dreißig Verschworenen”

In einem Flugblatt der ”Dreißig Verschworenen” wurden politische Ziele formuliert, doch fand es wenig Echo. Wörtlich heißt es darin: ”Arme von Linz! Auf, auf! Jetzt ist es Zeit, Eure heiligen Menschenrechte zu behaupten. Der Präsident hat Euch an die Bäcker verkauft! Nieder mit ihm! Graf Barthenheim gibt Euch Rossfleisch zum Essen, dass Ihr alle krank werdet. Nieder mit ihm! Schlagt ihn todt! Der Magistrat saugt Euch das Blut aus, der Bürgermeister ist ein Räuber.

Weg mit den Hunden!. .. Der Adel schwelgt im Überfluss und verachtet Euch. Auf! Vertilgt ihn! Die reichen Hausbesitzer und Bürger sehen mit Stolz auf Eure Armut herab, sie sind Wucherer, die Euch das Blut aussaugen, nehmt ihnen ihren Rauh ah. Schlagt die Hunde todt. Dierzer, Rädler und Grillmaier stehlen Euch Arbeit und Verdienst, sie werden reich und Ihr arm, brennt ihre Fabriken nieder... Wir sind dreißig Verschworene, wir führen Euch, folgt uns, wenn die Losung auf den Dächern leuchtet, auf, rächt Euch, holt Euch Brot und schützt Eure heiligen Menschenrechte. Auf! Verliert keine Zeit”

Unruhen überall in Oberösterreich

In Linz, St. Martin, Waxenberg, Leonfelden, Zell, Gramastetten und Oberkappel kam es zu Misshandlungen von Finanzwachebeamten. In Steyr versuchten am 23. März etwa fünfzig Handwerksburschen, Geschäfte zu plündern. In Lambach, wurden von Schiffsleuten aus Stadl-Paura, die mit der Errichtung der Pferdeeisenbahn Lambach-Gmunden ihre Arbeit verloren hatten und zu Bettlern verarmten Bahnschienen herausgerissen.

Zwischen Mauthausen und Wartberg versuchten böhmische Salzfuhrknechte die Pferdeeisenbahn zerstören. In Peilstein wollten Bewohner teilweise tätlich bei Kaufleuten, Bäckern und Fleischhauern Preissenkungen erzwingen. In Weinberg und in den Forsten von Weyer und Breitenau schossen Bauern das Wild ab und die Losensteiner Nagelschmiede verprügelten die Jäger.

Wegen der hohen Getreide- und Brotpreise kam es in Linz zum Versuch die Brotläden zu stürmen. Am 31. Juli 1848 zog eine Menschenmenge von der Donaubrücke zum Landhaus. Die Nationalgarde wurde mit Steinen beworfen und einige Revolutionäre drangen in das Landhaus ein.

Die Hallstätter Bergarbeiter verlangten den entzogenen Proviantbezug zurück, billigeren Stockzins für das ihnen im Wald angewiesene Brennholz und uneingeschränktes Streubezugsrecht. In Ischl setzten die Arbeiter die sofortige Herabsetzung des Mehl- und Grießpreises durch, in Ebensee gab es zahlreiche Droh- und Brandbriefe. Das Salzoberamt wurde 1848 als politische, gerichtliche und steueramtliche Obrigkeit auf die Leitung des Salzwesens und der Forstwirtschaft degradiert. Im September 1848 wurden das Untertänigkeits- und schutzobrigkeitliche Verhältnis, die Unterschiede zwischen Herrschafts- und bäuerlichem Grundbesitz und die aus dem Untertänigkeitsverhältnis entsprungenen Lasten, Giebigkeiten und Dienstleistungen aufgehoben.

Staatsbürger statt Untertan

Die Revolution von 1848 artikulierte sich in Oberösterreich nur in bescheidenen Formen und der pustende Spießbürger, der sich mit Schärpen und Dolchen behängt und seine Stammtischbegeisterung auf die Straße trägt, war dafür charakteristisch. Im Landtag von 1848 gab es neben den Vertretern der alten Landstände auch bereits gewählte Abgeordnete.

Die Revolution scheiterte, aber die moderne Verwaltung des Landes, die Abschaffung der Grundherrschaften, die Einrichtung der Bezirkshauptmannschaften und der politischen Ortsgemeinden sowie die staatliche Gerichtsorganisation waren ihre Ergebnisse. Ebenso der repräsentative Landtag, der erstmals im Jahre 1861 in gewählter Form zusammentrat. Aus dem Untertan war der Staatsbürger geworden.

Parteien und Pressefreiheit

In der Folge der Revolution entstanden in der zweiten Jahrhunderthälfte die politischen Parteien zunächst als Vereine – der Liberal-politische Verein und der Katholische Volksverein – und damit auch ein leidenschaftlicher politischer Kampf zwischen einer mächtigen bürgerlich-liberalen Bewegung und den katholisch-konservativen Kräften, deren wichtigster Repräsentant der Linzer Bischof Franz Josef Rudigier war: ”Die elendeste aller Regierungsformen ist die constilutionelle Monarchie auf breitester Basis. ” resümierte Jodok Stülz im Jahre 1849 das Ergebnis der Revolution.

Die Aprilverfassung von 1848 brachte die Pressefreiheit und davon machten vor allem die katholischen Kreise eifrig Gebrauch. In Linz gab es seit 21. Juni 1848 das ”Volksblatt für Religion und Gesetz”, das sich ab 1849 ”Katholische Blätter” nannte. In Wels erschien seit 1. April 1848 ”Der Welser Landbote” und seit 4. April ”Das Konstitutionelle Wochenblatt”. Beide Zeitungen bestanden jedoch nur bis 1849. Seit 8. März 1848 erscheint (bis heute) die ”Theologisch praktische Quartalsschrift”.

Das Schicksal der Revolutionäre

Bezeichnend für das politische Klima nach dem Scheitern der Revolution von 1848 ist auch für Oberösterreich das Schicksal zahlreicher Revolutionäre. Am 16. Oktober 1848 schifften sich 140 Nationalgardisten aus Urfahr und Linz unter dem Kommando ihres Hauptmannes Franz Nißl von Urfahr nach Wien ein. Sie wurden im Endkampf um Wien am Belvedereplatz eingesetzt, wo Nißl und einige andere im Kampf gefallen sind.

Michael Huemer (geboren am 17. August 1777 in Elmberg, gestorben am 10. Mai 1849 in Oberweitersdorf), volkstümlich als „Kalchgruber” bekannt war als ”Bauernadvokat” ein Vorkämpfer für die Befreiung der Bauern von der Grundherrschaft. Er wurde zu Lebzeiten von den Behörden als ”Untertanenaufwiegler”, ”Winkelschreiber” und ”Vagabund” abgestempelt und musste 28 Jahre im Untergrund verbringen.

Der in Spital am Pyhrn geborene Arzt Ernst Krackowizer verließ am 28. Mai 1850 mit dem Segelschiff „Helena Sloman” Europa. Er wurde als Hauptmann der Wiener Studentenlegion nach dem Zusammenbruch der Revolution von 1848 verfolgt und musste über Wels und Vöcklabruck nach Deutschland flüchten.

1851 wanderte der Steyrer Kreiswundarzt Friedrich Wilhelm Arming mit Frau und drei Kindern in die USA aus. Er war einer der Vormärzliberalen und Enttäuschten von 1848, für die Polizei ein ”hochgebildeter Mann”, aber auch ein ”gefährlicher Schriftsteller”.

Am 18. März 1852 suchte der als „Poldl Blitz” bekannte Georg Fleischer, Redakteur des radikalen ”Freien Linzer Postillon”, bei der Polizeidirektion Linz um eine Auswanderungsbewilligung an. Das Gesuch wurde genehmigt, weil ”die Entfernung dieses Menschen aus dem Kaiserstaate bei seiner politischen und sonstigen Bedenklichkeit nur wünschenswert erscheinen dürfte”. Fleischer war 1848 als Freiwilliger nach Wien gezogen und hatte auf den Barrikaden gekämpft.

Der Linzer Schuhmacher Josef Eder, ”einer der Schreier und Krawallmacher der gewiss bescheidenen Unruhen in Linz”, wanderte 1853 nach Amerika aus, kehrte jedoch 1854 enttäuscht zurück, wurde daraufhin in Österreich des Landes verwiesen, ging nach München und erhielt 1856 gnadenweise die österreichische Staatsbürgerschaft.

Der Brauer Anton Wurm (1811-1866) war 1848 Bürgermeister von Neumarkt am Hausruck und einer der radikalsten Revolutionäre in Oberösterreich. Er flüchtete in die Schweiz, wanderte dann nach seiner Rückkehr 1849 in den Kerker. 1862 wurde ihm das Recht abgesprochen, in den Landtag gewählt zu werden, 1866 warf er sich vor einen Zug. Wegen des Selbstmords, aber auch wegen seiner Äußerungen im Landtag (”Die Demokratie ist meine Religion”) wurde ihm ein kirchliches Begräbnis verweigert.

Quelle: Rudolf Lehr, Landeschronik Oberösterreich, Verlag Christian Brandstätter Wien-München, 1987

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