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Epilog: Fragmente des Widerstands

  • Freitag, 14. März 2008 @ 20:04
Geschichte Von Erika Krenn

Unter dem Titel „Fragmente des Widerstands“ startete 2005 das Freie Radio Salzkammergut eine Sendereihe, die 9 Ausstrahlungen von je einer Stunde umfasste. Die Idee ein solches Projekt zu realisieren, hatte im Frühjahr 2004 Redakteur David Guttner. Es ist ihm gelungen, ein sehr sorgfältig recherchiertes, spannendes und zugleich unglaublich berührendes Hörspiel über den Widerstand gegen das Naziregime im Salzkammergut zu erarbeiten.

Dieser Widerstand, schreibt Redakteur Guttner, war deshalb atypisch für die damalige „Ostmark“, da im Salzkammergut, die sonst üblichen sprachlichen, ethnischen und kulturellen Gegensätze, die gemeinhin mit eine Voraussetzung für Widerstandsaktivitäten bildeten, kaum vorhanden waren. Im Gegenteil, gerade die „alpenländischen Gaue“ waren durch deren so genannte Volkskultur für die völkische Ausrichtung und einem männlichen Heldenmythos, welche integrale Bestandteile der NS Ideologen bildeten. Dass gerade diese Wildererkreise zu einem Kern des Widerstands werden sollten, mag für die damaligen Machthaber eine gewisse Demütigung bedeutet haben.

Die Voraussetzungen für den Widerstand im Salzkammergut lagen zum einen in der traditionell stark verwurzelten Arbeiterbewegung (der erste Arbeiterkonsumverein Österreichs wurde bereits 1868 in Bad Goisern gegründet, der Salzkammergutkonsum hat bis heute überlebt.) Zum anderen haben sich im so genannten Zehnten Bundesland strukturelle Formen einer gewissen Widerständigkeit entwickelt, die sich nur zum Teil aus der Geschichte der Reformation und Gegenreformation, die im Inneren Salzkammergut nur oberflächlich greifen konnte, erklären lassen. Euphemistisch könnte man behaupten, die Menschen im Salzkammergut seien von einer tief sitzenden Skepsis allem Neuen gegenüber geprägt. Provokant ausgedrückt: Der Salzkammergütler ist xenophob.“ (fremdenfeindlich)

„Für die Entstehung eines regionalen Widerstandes gegen das NS System konnte diese misstrauische Grundhaltung nur von Vorteil sein. Natürlich war nicht das gesamte Salzkammergut ein widerständiger Fels in der braunen Brandung, genau so wenig wie die Bezeichnung eines klassischen Partisanenkampfes auf die lokalen Widerstandsaktivitäten im engeren Sinn zulässig ist. Auch wenn die Widerstandsgruppierungen im Salzkammergut auf wirkliche Sabotageakte verzichteten, so bedeutete das großzügige Verstecken von Deserteuren und politischen Nazigegnern so wie Vorbereitungen zur Machtübernahme in Hinblick auf das nahende Kriegsende, eine Besonderheit in der Geschichte des gesellschaftlichen und politischen Widerstands. Dass die Grundlage der Widerstandsorganisationen, wie so oft, von Frauen erarbeitet wurde, kann in Bezug auf das Salzkammergut, dank der Arbeit Peter Kammerstätters, relativ gut rekonstruiert werden.“

Über die Planung der Sendereihe „Fragmente des Widerstands“ berichtet Redakteur Guttner unter anderem folgendes: „Die Hauptschuld“ an der Entstehung der Sendereihe trägt ein Wanderführer des Gmundners Christian Topf, der den Titel „Auf den Spuren der Partisanen – zeitgeschichtliche Wanderungen im Salzkammergut“ trägt. Topf geht darin an Hand von zwölf klassischen Wanderrouten, die immer im Kontext mit geschichtlichen Ereignissen stehen, dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Salzkammergut nach. Das Ziel bei der Gestaltung des Projekts Guttners war es, sich an den Wanderführer von Christian Topf, so werkgetreu, wie möglich zu halten.

Der Redakteur führt weiter aus: „Die konkrete Arbeit bedeutete 1. relevante historische Quellen zu erschließen, 2. Menschen und Zeitzeugen ausfindig zu machen, die mit den jeweiligen Themen vertraut, bzw. bereit sind, sich der Interviewsituation zu stellen und über Erlebnisse zu berichten, die über 60 Jahre zurückliegen und 3. alles in eine hörzeig- und nachvollziehbare Form zu bringen, die jeweils mit einer Stunde das Auslangen finden muss. Für Fragmente des Widerstands hieß das ca. 3.000 Seiten historisches Quellenmaterial, 45 InterviewpartnerInnen und an die 2000 Tonaufnahmen auf 540 Sendeminuten zu verteilen. Trotz dieses erheblichen Arbeitsaufwandes ist dieses Projekt ein möglicher Versuch mit dem Freien Radio in Österreich, gerade in Zeiten eines schwindenden Bildungsauftrages des öffentlich- rechtlichen Rundfunks, ein Stück mehr an Legitimation und Bedeutung erreichen zu können. Die Ergebnisse dieses Versuchs lassen sich hören:

Im Rahmen des KUPF-Innovationstopf 2005 – Lebendige Archive wurde „Fragmente des Widerstands von FRS eingereicht und unter 44 Projekten von einer fünfköpfigen Jury an die erste Stelle gereiht.“ Die neun Ausstrahlungen der Hörspielreihe können auf Wunsch, vom Freien Radio Salzkammergut auf CD gebrannt werden, und sind dort bestellbar. Es ist von immenser Bedeutung, dass solche Dokumentationen für die Nachwelt, besonders für unsere jungen Menschen erhalten bleiben.

63 Jahre nach Kriegsende gibt es kaum noch Zeitzeugen. Es gibt bald keine Widerstandskämpfer mehr, die es uns sagen können, wie es ihnen in dieser schrecklichen Zeit ergangen ist. Auch eine Agnes Primocic, die noch im hohen Alter, in den vielen Schulen, die sie aufsuchte, den gebannt lauschenden Jugendlichen „ihre ureigenste Geschichte“ erzählte, ist nicht mehr unter uns. Gerade den jungen Leuten, die sich heute kaum noch für Politik interessieren, kann nicht oft genug über dieses dunkle Kapitel zwischen 1938 und 1945 berichtet werden.

Vor allem dürfen die mutigen Männer und Frauen niemals in Vergessenheit geraten, die alles andere hintanstellten, und um den schrecklichen Preis, ihr eigenes und das Leben ihrer Familien aufs Spiel zu setzen, den Kampf für ein freies Österreich aufgenommen haben. Viele von ihnen, wurden dafür von den Schergen Hitlers hingerichtet. Unsere Widerstandskämpfer haben wesentlich dazu beigetragen, das Salzkammergut vor der Zerstörung zu bewahren. Dafür gebührt ihnen für alle Zeiten Dank und höchste Anerkennung. Wehret den Anfängen!


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