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Zur Geschichte des Internationalen Frauentages

  • Dienstag, 8. März 2016 @ 08:00
Frauen Der Internationale Frauentag ist ein Tag für die Rechte der Frauen, für den Frieden und eine humane Gesellschaft. „Um die Einführung des politischen Frauenwahlrechts zu beschleunigen“, beschlossen im August 1910 etwa 100 Frauen aus 17 Nationen, „alljährlich einen Frauentag zu veranstalten“, der „internationalen Charakter“ tragen sollte.

Der Beschluss der Sozialistinnen auf ihrer zweiten internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen war eine kleine Revolte mit großer Wirkung. In Frankreich offiziell anerkannt und in den ehemaligen realsozialistischen Ländern ein Feiertag wird der Internationale Frauentag in vielen Ländern am 8. März mit Diskussionen, Veranstaltungen, Demonstrationen, internationalen Treffen, Festen begangen.

Fortschritte und Rückschläge. Erfolge und bittere Niederlagen der Frauenbewegung, der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung, zu deren Geschichte der Tag gehört, haben auch seine Entwicklung geprägt. Zeitweilig vergessen, behindert, verboten - lebendig blieb und wurde immer wieder gemacht das Stück konkrete Utopie, das in diesem Tag steckt: eine von Ausbeutung, Kriegsdrohung und Kriegen freie Gesellschaft, in der Frauen wirtschaftlich und psychisch vom Mann unabhängig, selbstbestimmt leben, die gemeinsamen gesellschaftlichen Angelegenheiten gleichberechtigt mitbestimmend und -entscheidend.

Woher die Anregung zu einem besonderen Frauentag kam, welches seine Vorläufer waren, ist nicht mehr genau auszumachen. Genannt werden die Demonstrationen New Yorker Arbeiterinnen 1857 oder 1858 gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und für gleichen Lohn, die Streiks der Tabak- und Textilarbeiterinnen 1908 in Manhattan, der achtwöchige erfolgreiche Streik von 20.000 Hemdennäherinnen in der gleichen Stadt.

Zweifellos steht der Internationale Frauentag in der Tradition dieser gewerkschaftlichen Frauenkämpfe. Mit der Festlegung auf einen Tag im März (zunächst wechselndes Datum) ist die Verbindung hergestellt zu Befreiungskämpfen in der Vergangenheit, soll daran erinnert werden, dass mit dem Scheitern der bürgerlichen Revolution in Deutschland 1848/49 die Frauen einmal mehr um ihre Menschenrechte betrogen wurden.

Die unmittelbare Anregung, dies belegt ein Grußtelegramm von Amerikanerinnen zum ersten Frauentag 1911, dürfte von dem Beschluss der amerikanischen Sozialisten und Sozialistinnen ausgegangen sein (1909), „am letzten Februarsonntag große Propaganda für das Frauenwahlrecht und die Idee des Sozialismus zu veranstalten...“

In ihrer Partei, der damals großen und international einflussreichen sozialdemokratischen, sind Clara Zetkin, Käthe Duncker und andere Genossinnen mit ihrem Vorschlag zu einem Frauentag auf wenig Gegenliebe gestoßen. „Frauenrechtelei“ und „Extrawürste“ sahen viele Männer nicht gern; Rechte fürchteten Umstürzlerisches, weil der Vorschlag von links kam, und mancher Linke fürchtete mit der Orientierung auf „Frauenwahlrecht“ Reformistisches. Die List: was national schwierig war, setzten die Frauen international durch.

Dass die kleine Revolte große Wirkung zeigte, war das Verdienst vieler Frauen, organisierter und nichtorganisierter, die am 1. Internationalen Frauentag 1911 (damals noch am 19. März) in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA zu Versammlungen, Kundgebungen, Demonstrationen zusammenkamen. 1912 wurde auch in Frankreich, Holland, Schweden, 1913 in Russland und der Tschechoslowakei u. a. für das Wahlrecht, für Arbeiterinnen- und Mutterschutz, für den 8-Stunden-Tag demonstriert. Bis zum Ersten Weltkrieg war der Frauentag zu einem Tag vieler Frauen geworden, war die ganze Tradition als Tag für die Rechte der Frauen und für den Frieden ausgebildet.

Während des Krieges zunächst verboten, konnten in Deutschland und Osterreich 1916 Versammlungen im Saal stattfinden. Am 8. März 1917 – nach dem alten russischen Kalender war das der 23. Februar – machten Petersburger Textilarbeiterinnen mit ihrem Streik den Anfang mit der „Februarrevolution“, die den Sturz des Zaren, das Ende des Krieges sowie die wirtschaftliche und politische Umwälzung in Russland einleiten sollte. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde auf der 2. internationalen Konferenz der Kommunistinnen 1921 der 8. März als einheitliches Datum für den Internationalen Frauentag beschlossen.

Die Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg, das Leiden unter seinen Folgen und das Beispiel einer unter welchen Schwierigkeiten auch immer - geglückten sozialistischen Revolution in Russland führten in europäischen Ländern zur Gründung von sozialistischen und kommunistischen Parteien, in außereuropäischen zur Stärkung nationaler Befreiungsbewegungen und auch zu einer Verbreitung des Internationalen Frauentages. So gab es u. a. in Bulgarien, China, England, Estland, Finnland, Japan, dem Iran, Litauen, Polen und Rumänien Frauentagsveranstaltungen.

Für die Frauen im Widerstand, im KZ, in der Emigration war der Frauentag Erinnerung an eine bessere Vergangenheit und Hoffnung auf die Zukunft - Spaltung sollte es nicht mehr geben. Diese Erfahrungen prägten auch den Aufbruch, ebenso sichtbar und spürbar auf dem internationalen Frauentreffen zum 8. März 1945 in London.

Gegen anfangs erheblichen Widerstand haben Kommunistinnen, Gewerkschafterinnen, dann auch Sozialdemokratinnen und Frauen aus der autonomen Bewegung den 8. März wieder zu einem Tag der Frauen und weithin bekannt gemacht.

Auszug aus: Florence Hervé, Elly Steinmann, Renate Wurms (Hg.), Kleines Weiberlexikon, Weltkreis-Verlag, 1985

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