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1916: Der Weg zum Jännerstreik 1918

  • Montag, 1. August 2016 @ 08:00
Geschichte Von Hans Hautmann

Als 1917 die große innenpolitische Wende eintrat, gab es in Österreich nur eine einzige Gruppe, die bestrebt war, die Krise mit dem Ziel eines revolutionären Kampfes der Arbeitermassen zum Sturz der alten Herrschaft auszunützen: die kleine, aber aktive Organisation der Linksradikalen.

Ihr Haupthindernis bestand darin, dass vor 1914 innerhalb des Spektrums der österreichischen sozialdemokratischen Bewegung keine ausgeprägte Linksströmung vorhanden war. Im Gegensatz zu Russland, wo die Bolschewiki als eigenständige Partei seit 1903 bestanden und in jahrelangen, scharfen Auseinandersetzungen mit den verschiedensten antirevolutionären Richtungen, im harten Kampf gegen den Zarismus und im Feuer der Revolution von 1905 so reiche Erfahrungen gesammelt hatten, dass sie schließlich imstande waren, die kapitalistische Ordnung aus den Angeln zu heben, und im Unterschied zu Deutschland, wo sich bereits vor dem ersten Weltkrieg ein marxistischer Flügel herausgebildet hatte, der in Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, Franz Mehring und anderen noch dazu Persönlichkeiten besaß, die den Massen bekannt waren und hohes Ansehen genossen, existierte in Österreich etwas Vergleichbares nicht. Der Weg, den die Linksradikalen in den Jahren des Weltkriegs zurücklegen mussten, war daher mühsam und mit enormen Hindernissen verbunden.

Anfänge

Die einzige lokale Organisation der österreichischen Sozialdemokratie vor 1914, die mit einem gewissen Recht als Vorläuferin der linksradikalen Bewegung bezeichnet werden kann, wirkte in der nordböhmischen Stadt Reichenberg (Li-berec). Der Führer der „Reichenberger Linken“ war Karl Kreibich, später Mitbegründer und langjähriger hoher Funktionär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei. Die „Reichenberger Linke“ hatte, begünstigt durch die geographische Nähe, Beziehungen zum linken Flügel der SPD, zu Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, unterhalten und Ende Juli 1914 in ihrem Organ Vorwärts einen energischen Protest gegen das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien veröffentlicht. Aufgrund dieses Artikels wurde der Vorwärts, in Deutschböhmen das einzige sozialdemokratische Tagblatt, am 28. Juli 1914 behördlich verboten.1 Die „Reichenberger Linke“ war für die Bewegung in Österreich insofern von Bedeutung, als zwei ihrer Anhänger, das Ehepaar Josef und Isa Strasser, während des Krieges nach Wien übersiedelten, dem Verein „Karl Marx“ beitraten und den Linksradikalen nahe standen. Josef Strasser, dessen Schriften zur Nationalitätenfrage von Lenin hoch eingeschätzt wurden2, vollzog allerdings erst Anfang 1919 den Bruch mit der Sozialdemokratie, als er der KPÖ beitrat.3

Der eigentliche Ausgangspunkt der Gruppe der Linksradikalen war die sozialdemokratische Jugendorganisation, insbesondere die Wiener Ortsgruppen Leopoldstadt und Ottakring des Verbandes jugendlicher Arbeiter. Einzelne Mitglieder der beiden Ortsgruppen begannen schon im September 1914 mit illegaler Propaganda. Sie gaben ein hektographiertes Flugblatt in Form eines Gedichts heraus: „Gegen die chauvinistische Hetze der Arbeiter-Zeitung“.4 Auch die Erklärung Karl Liebknechts, der am 2. Dezember 1914 im deutschen Reichstag als einziges Mitglied der SPD-Fraktion gegen die Kriegskredite gestimmt hatte, wurde als Flugblatt verbreitet.5 In geheimen Zirkeln studierten oppositionelle Jugendliche die von der Gruppe Internationale in Deutschland (Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Wilhelm Pieck u.a.) formulierten Leitsätze. Anhänger der linksradikalen Richtung waren in der Ortsgruppe Leopoldstadt Otto Pfeffer und Max Lazarowitsch, in Ottakring die beiden Bildungsbeiräte Anna Strömer und Franz Koritschoner, und in Favoriten Leopold Kulcsar, Berta Pölz, Wilhelm Weigant und Leo Rothziegel.6 Die beiden führenden Persönlichkeiten dieses Kreises waren Franz Koritschoner7 und Leo Rothziegel.8

Die linksradikale Bewegung war 1914/15 noch sehr klein und zur Gänze auf Wien beschränkt. Politisch gesehen repräsentierte sie den äußersten linken Flügel der Sozialdemokratischen Partei, ähnlich wie Karl Liebknecht und seine Kampfgefährten in Deutschland. Sie erfüllte vorerst, ebenso wie die um Friedrich Adler gescharte „Linke“, die Funktion einer innerparteilichen Opposition und kritisierte den Sozialpatriotismus der Parteimehrheit, ohne aber selbst klare Vorstellungen von der einzuschlagenden Strategie und Taktik zur Erreichung ihrer Ziele zu haben. Der Prozess der Differenzierung vom zentristischen Gedankengut der „Linken“ um Friedrich Adler, Robert Danneberg, Max Adler, Therese Schlesin-ger, Gabriele Proft u.a. hatte noch nicht eingesetzt, was der Umstand beweist, dass die Linksradikalen bis zum Sommer 1916 die von der Sozialdemokratie vertretene These der „national-kulturellen Au-tonomie“ für die Völker des Habsburgerreiches teilten und sie erst nach einer scharfen Rüge Lenins fallen ließen.9

In einer anderen Frage waren aber unter dem Einfluss der Zimmerwalder Konferenz (September 1915) bereits Ansätze zu einer Trennung vom Zentrismus zu erkennen. Im Unterschied zu den „Linken“ begannen die Linksradikalen als erste und einzige sozialistische Gruppierung, illegale Formen des politischen Wirkens in die Praxis umzusetzen. Im Winter 1915/16 gründete sich ein geheimes Aktionskomitee der Linksradikalen, dem Franz Koritschoner, Anna Strömer, Max Lazarowitsch, Karl Maurer sowie die beiden russischen Emigranten Leo Pjatigorski und Matthäus Kasarnowski angehörten.10 Als Friedrich Adler im März 1916 den Bildungsverein „Karl Marx“ als Organisationszentrum der Parteilinken reaktivierte, trat ihm das „Aktionskomitee“ bei und verband auf diese Weise legale mit illegaler Arbeit. In kurzer Zeit gelang es, die Zahl linksradikaler Anhänger im Verein „Karl Marx“ von 10 auf 22 Personen zu erhöhen.11

Verbindung zu Lenin

Einen starken Impuls für die Entwicklung der Linksradikalen gab die Konferenz von Kienthal im April 1916. Das Aktionskomitee entsandte Franz Koritschoner als Delegierten in die Schweiz, wo er mit Lenin Kontakt aufnahm. Karl Radek vermittelte in Kienthal Koritschoner die Fühlungnahme zur Gruppe der Bremer Linksradikalen unter Johann Knief. Von dort bekam die Opposition in Österreich in der Folgezeit die Bremer Arbeiterpolitik zugesandt, die Ende 1916 von immerhin schon 220 Abonnenten bezogen wurde.12

Die Verbindung Koritschoners mit Lenin blieb auch nach Kienthal aufrecht. Schon im Jänner 1916 hatte das Organ der Zimmerwalder Linken, der Vorbote, den Artikel Koritschoners „Opportunistische und radikale Tendenzen in der Sozialdemokratie Österreichs“ veröffentlicht.13 Im Sommer 1916 verfasste Koritschoner über Ersuchen Lenins den Artikel „Aus dem Leben der österreichischen Sozialdemokratie“, der in der Zeitschrift Sbornik Sozialdemokrata in Genf erschien und von Lenin als „sehr gut und kurz“ gelobt wurde.14

Am 14. Oktober 1916 schrieb Lenin in einem Brief an Bucharin über Franz Koritschoner: „Sehr gefreut habe ich mich auch über die Bekanntschaft mit Franz: mit ihm ist offensichtlich im Sinne bolschewistischer Propaganda ernsthaft gearbeitet worden; hier haben Sie wahrscheinlich ein großes Verdienst. Dieser Mensch bemüht sich, in die Sache einzudringen, und erweckt große Hoffnungen.“15

Im Verein „Karl Marx“

Das Hauptfeld der Tätigkeit der Linksradikalen im Jahr 1916 war der Bildungsverein „Karl Marx“. Hier suchten sie Friedrich Adler und seine Anhänger, die sich nicht entschließen konnten, über den Rahmen des Vereins hinaus einen ernsthaften, organisierten Kampf gegen die rechte Parteimehrheit zu führen, zu illegalen Formen der Agitation zu bewegen. Im September 1916 brachte Franz Koritschoner Vorschläge über die Plattform einer anzustrebenden Vereinigung aller oppositionellen Sozialdemokraten Wiens und Wiener Neustadts ein.16 Danach sollten legale Zirkel zur Verbreitung theoretischen Wissens unter den Arbeitern geschaffen, erlaubte oppositionelle Literatur verbreitet und eine eigene Zeitschrift gegründet werden; illegal sollten Flugblätter und Broschüren herausgegeben und die Manifeste der Zimmerwalder und Kienthaler Konferenz verbreitet werden; die Mitglieder sollten verpflichtet sein, gegen die Politik des Parteivorstandes in allen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen aufzutreten und an allen Massenbewegungen teilzunehmen, um ihre Ausbreitung zu fördern und sie für einen zielstrebigen Klassenkampf auszunutzen.17

Für die 3. Reichskonferenz der Sozialdemokratie im November 1916 hatten die Linksradikalen einen Vierpunkteantrag mit folgendem Inhalt vorbereitet:
1. Verweigerung der Kriegskredite;
2. Ablehnung jeder Arbeitsgemeinschaft mit den bürgerlichen Parteien und jeglichen „ministeriellen Experiments“;
3. Eintritt in alle Volksbewegungen, um sie für den Kampf des Proletariats nutzbar zu machen, und Benützung des Krieges zur Aufrüttelung der proletarischen Massen zum Sturz des kapitalistischen Systems;
4. Abbruch aller Beziehungen zu den sozialpatriotischen Parteien der ehemaligen II. Internationale und Beitritt zu dem in Zimmerwald gebildeten Internationalen Büro der Linken.18

Diese Pläne und Vorschläge der Linksradikalen wurden durch das Attentat Friedrich Adlers und den Abbruch der Beziehungen, der von den Zentristen ausging, hinfällig.

Der zweite Boden der Linksradikalen war der Verband jugendlicher Arbeiter. Hier wirkte für ihre politische Tätigkeit begünstigend, dass das zu Beginn des Krieges in die Schweiz verlegte Büro der sozialistischen Jugendinternationale unter Leitung Willi Münzenbergs einen überaus aktiven Kampf gegen die rechten Mehrheitsparteien führte. Das internationale Sekretariat in Zürich sandte an die oppositionellen Gruppen aller sozialdemokratischen Parteien eine Flut illegaler Flugblätter, Aufrufe und Broschüren sowie seine Zeitschrift Jugend-Internationale, zu deren Mitarbeitern auch Lenin und Karl Liebknecht gehörten.19

Die Linksradikalen und das Attentat Friedrich Adlers

Der Wendepunkt für die linksradikale Bewegung kam Ende 1916 im Gefolge des Attentats Friedrich Adlers. Franz Koritschoner berichtete später, dass sich die Linksradikalen aus Empörung über die offizielle Stellungnahme des Parteivorstandes mit Friedrich Adlers Aktion anfänglich voll und ganz solidarisier-ten.20 Erst ein Brief, den Lenin am 25. Oktober 1916 an Franz Koritschoner sandte, brachte Klärung. Darin charakterisierte der Führer der russischen Bolschewiki trotz Fehlens näherer Informationen zutreffend Adlers Motive für die Tat und gab den Linksradikalen wichtige Ratschläge für ihre künftige Arbeit. Lenin nannte das Attentat die „Verzweiflungstat eines Kautskyaners“, der „sich nicht mit der Idee der Spaltung versöhnen“ konnte und „die schwere Arbeit der Tätigkeit gegen die Partei“ nicht auf sich nehmen wollte: „Wir aber, die Revolutionäre, wir dürfen nicht verzweifeln. Wir fürchten nicht die Spaltung. Im Gegenteil: wir erkennen die Notwendigkeit der Spaltung, wir erklären den Massen, warum Spaltung kommen muss und soll, wir rufen zur Arbeit gegen die alte Partei: zum revolutionären Massenkampf.“21

Zur Frage des individuellen Terrors aus marxistischer Sicht schrieb Lenin: „Was die politische Beurteilung der Tat betrifft, so bleiben wir natürlich bei unserer alten, durch jahrzehntelange Erfahrungen bestätigten Überzeugung, dass individuelle terroristische Attentate unzweckmäßige Mittel des politischen Kampfes sind.

‚Killing is no murder‘, schrieb unsere alte ‚Iskra‘ über Attentate, wir sind gar nicht gegen politischen Mord22 (es ist einfach niederträchtig, was die Opportunisten, Vorwärts23 und Wiener Arbeiter-Zeitung in diesem Sinne Lakaienhaftes schreiben), aber als revolutionäre Taktik sind individuelle Attentate unzweckmäßig und schädlich. Nur Massenbewegung kann als wirklicher politischer Kampf angesehen werden (...) Es wäre sehr gut, wenn sich irgendeine linke Gruppe findet, die ein Flugblatt in Wien publiziert und darin den Arbeitern ihre Ansicht mitteilt: in schärfster Weise das Lakaientum der Wiener Arbeiter-Zeitung und des Vorwärts geißelt, Adlers Tat moralisch rechtfertigt (‚killing is no murder‘), aber als Lehre für die Arbeiter sagt: kein Terrorismus, aber systematische, aufopfernde Arbeit der revolutionären Propaganda und Agitation, Demonstrationen usw. usw. gegen die lakaienhafte opportunistische Partei, gegen die Imperialisten, gegen die eigenen Regierungen, gegen den Krieg – das ist nötig.“24

Die kaiserliche Regierung nahm das Attentat Friedrich Adlers zum Anlass, den Bildungsverein „Karl Marx“ aufzulösen und Hausdurchsuchungen bei seinen Mitgliedern durchzuführen. Versuche der Linksradikalen, gemeinsam mit den übrig gebliebenen sozialdemokratischen Linken ein neues legales Zentrum zu schaffen, stießen auf Ablehnung. Das beschleunigte den Prozess der Emanzipation von der Strömung des Zentrismus, denn die Linksradikalen mussten nun ihre Politik der Verbindung von legaler mit illegaler Arbeit in eigenen Organisationen fortsetzen.

Zu diesem Zweck reaktivierte man Ende 1916 den ehemaligen Verein sozialistischer Handelsakademiker als legalen wissenschaftlichen Verein Bildung.25 Im Dezember 1916 gründete sich ein „Aktionskomitee der linksradikalen Arbeiterjugend“, das seinen legal getarnten Sitz im Vereinslokal der Freien Vereinigung sozialistischer Studenten in Wien-Neubau hatte.26 Ebenfalls Ende 1916 gelang es den Linksradikalen, ihre erste Demonstration zu initiieren. Favoritner Arbeiterfrauen zogen vor das Wiener Rathaus und forderten Frieden und Brot. Diese Demonstration wurde von der bürgerlichen Presse in eine „Huldigungskundgebung“ für den christlichsozialen Bürgermeister Weiskirchner umgefälscht.27

Die Wende und ihre Folgen

Die innere Krise des Habsburgerreiches, die die Regierung und die Sozialdemokratie zu einer Änderung ihres Kurses zwang, ermutigte die Linksradikalen zu entschiedenerem Auftreten. Erstmals musste die Sozialdemokratische Partei mit einer gewissen Beunruhigung das Vorhandensein revolutionärer Tendenzen unter ihren Mitgliedern registrieren. Am 3. Jänner 1917 kam es bei einer Friedensversammlung in Hernals zu einem Zwischenfall, als Franz Koritschoner mit zwölf jungen Anhängern die Ausführungen des Parteireferenten Karl Volkert durch Zwischenrufe unterbrach und in einer Wortmeldung die Haltung des Parteivorstandes scharf kritisierte. Volkert erregte das so sehr, dass er die Fassung verlor und zu schreien begann; einige seiner Genossen trugen den „unreifen Zimmerwaldern“ Ohrfeigen an.28 Auch die Arbeiter-Zeitung reagierte sichtlich nervös, als sie in ihrem Bericht von der Versammlung Koritschoner als Störenfried namentlich nannte.29 Als die Polizei den Führer der Linksradikalen dem k.k. Militäranwalt anzeigte und gegen ihn die Untersuchung nach § 327 Militärstrafgesetz („Handlung gegen die Kriegsmacht des Staates“) eingeleitet wurde, behaupteten die Kommunisten später, dass dies aufgrund der Denunziation in der „Arbeiter-Zeitung“ erfolgt wäre. Aus den Akten ist jedoch ersichtlich, dass bereits unmittelbar nach Schluss der Versammlung der beobachtende Polizeibeamte den Namen des Zwischenrufers in Erfahrung bringen konnte.30 Koritschoner gelang es beim Verhör, den Vorwurf „aufrührerischen“ Wirkens zu zerstreuen und einer Militärgerichtsverhandlung zu entgehen.31

Die Linksradikalen konnten also Ende 1916 auf dem Weg der Herausbildung einer politisch eigenständigen Organisation, die den Sozialpatriotismus und Zentrismus gleichermaßen bekämpfte, erste Erfolge erzielen. Der nächste notwendige Schritt, die Aufnahme von Verbindungen zur Arbeiterschaft in den Betrieben, sollte aber erst 1917 gelingen.

Revolutionärer Aufschwung

Die durch den Hungerwinter 1916/17 hervorgerufene Streikwelle der ArbeiterInnen und die Nachricht von der russischen Revolution des März 1917 gaben den Linksradikalen weiteren Auftrieb. Am schnellsten wuchsen die revolutionären Tendenzen in den Wiener Ortsgruppen des Verbandes jugendlicher Arbeiter (VJA), wo es der linksradikalen Richtung im Frühjahr 1917 sogar gelang, vorübergehend die Mehrheit zu erobern. Auf der Wiener Kreiskonferenz des VJA am 22. April 1917 wurde mit fast Zweidrittelmehrheit (76:38) eine von den Linksradikalen eingebrachte Resolution angenommen, in der „denjenigen Genossen, die den Krieg moralisch stützen, die mit den Feindes des Proletariats Burgfrieden geschlossen haben“32, der Kampf angesagt wurde. Auch bei der Neuwahl des Wiener Kreisausschusses des VJA erreichten die Linksradikalen mit acht Vertretern eine knappe Majorität.33

Der parteitreue gesamtösterreichische Verbandsvorstand unter Karl Honay trat sofort gegen diese gefährliche Entwicklung auf und lehnte es ab, die Beschlüsse der Wiener Kreiskonferenz den anderen Organisationen zur Kenntnis zu bringen. Nach einigen administrativen Winkelzügen konnten diese Kräfte am 5. August 1917 bei einer erneuten Wiener Kreiskonferenz für ihre Linie eine Mehrheit von einer Stimme erzielen. Damit war der Wiener VJA wieder in der Hand der Partei; die acht linksradikalen Vertreter der Wiener Leitung mussten zurücktreten, wobei sie ankündigten, dass sie „unter Ablehnung aller Kompromissvorschläge den Kampf gegen den Verbandsvorstand in den Gruppen selbst“ aufnehmen würden.34

Daraufhin erfolgten disziplinarische Sanktionen. Im Oktober 1917 wurde Franz Koritschoner aus seiner Funktion als Bildungsbeirat der Ortsgruppe Ottakring nach einer Kampfabstimmung entfernt; die Ortsgruppe Leopoldstadt unter Otto Pfeffer erklärte Honay für ausgeschlossen; die Ortsgruppe Favoriten trat aus Protest gegen diese Maßnahmen von selbst aus dem VJA aus.35

Die ausgeschlossenen linksradikalen Jugendgruppen setzten ihre Tätigkeit fort und gründeten Anfang Dezember 1917 den Verein der arbeitenden Jugend Wiens, der legal über die Vereine Bildung und die Freie Vereinigung sozialistischer Studenten wirkte.36

Die verstärkte Aktivität der Linksradikalen im Frühjahr 1917 fand auch außerhalb der Parteiorganisationen ihren Niederschlag. Anlässlich des Prozesses gegen Friedrich Adler demonstrierten vor dem Gerichtsgebäude 200 ihrer Anhänger; im Verhandlungssaal riefen nach der Urteilsverkündung linksradikale Jugendliche „Hoch Adler!“ und „Hoch die Revolution!“ Die Polizei nahm vier Personen fest.37 In einem Flugblatt, das nach Beendigung des Prozesses in Wien verbreitet wurde, richteten die Linksradikalen an die ArbeiterInnen den Appell, für die Befreiung Friedrich Adlers einzutreten und „seinen Kampf gegen den Verrat der Parteimehrheit“ fortzusetzen.38

Im Teil 1 dieser Artikelserie wurde bereits geschildert, dass sich die Linksradikalen auch während des großen Wiener Metallarbeiterstreiks Ende Mai 1917 aktiv einschalteten und vor dem Arsenal Flugblätter verteilten. Darin riefen sie die Streikenden auf, den sofortigen Beginn von Friedensverhandlungen zu fordern. An einer Stelle hieß es: „Lernet Russisch, lernet von Petersburg!“

Die Konferenz von St. Egyden

Eine qualitativ neue Stufe ihrer Entwicklung erreichte die linksradikale Bewegung im Sommer 1917. Es gelang ihr, in Großbetrieben, vor allem in den Rüstungs- und Munitionsfabriken des Wiener Beckens, Fuß zu fassen. Einige Vertrauensmänner der Arbeiter, die mit der Politik der Sozialdemokratie unzufrieden waren, nahmen von sich aus Kontakt zu den Linksradikalen auf (z.B. Eduard Schönfeld). Insbesondere ein Ereignis jener Sommermonate war es, das das Wiener Neustädter Industriegebiet in der Folgezeit zu einem starken Zentrum der Linksradikalen machte: das Explosionsunglück in den Munitionsmagazinen in Großmittel-Blumau im Steinfeld am 17. Juni 1917, bei dem viele Arbeiterinnen und Arbeiter ums Leben kamen und dessen nähere Umstände von den Militärbehörden vertuscht wurden. Als kurz danach in Wöllersdorf ein Streik der Elektriker des Werkes ausbrach, wurde erstmals ein Vertreter der Linksradikalen dem Streikkomitee beigezogen. Der Ausstand endete mit einem vollen Erfolg der Arbeiter.39

Um den geänderten Verhältnissen Rechnung zu tragen und die erfolgversprechenden, aber vorerst noch sporadischen Verbindungen zur Industriearbeiterschaft auf eine feste Grundlage zu stellen, berief das Aktionskomitee der Linksradikalen eine geheime Konferenz ihrer Anhänger ein. Sie fand am 9. September 1917 in St. Egy-den im Föhrenwald statt, einer kleinen Station der Südbahn im Steinfeld zwischen Wiener Neustadt und Neunkirchen.

Es erschienen 35 Delegierte, darunter die Arbeiter Urbanek, Buchleitner und Wandera aus den Daimler-Motorenwerken in Wiener Neustadt, Zehnder, Tschocher und Richter aus den Schoeller-Werken in Ternitz, Wedam als Vertreter der Wöllersdorfer Munitionsfabrik sowie aus Wien Delegierte der Flugzeugfabrik Warchalowski in Ottakring, von Goerz aus Favoriten und von der Glühlampenfabrik Kremenezky aus der Brigittenau.40 Neben Franz Koritschoner, Anna Strömer und anderen waren die linksradikalen Jugendlichen und Studenten ebenfalls durch Delegierte vertreten. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde der Sekretär der Bezirkskrankenkasse von Wiener Neustadt und Umgebung, Eduard Schönfeld, ein energischer, bei den ArbeiterInnen bekannter und angesehener Funktionär, gewählt.

In St. Egyden bildeten sowohl die von Lenin konzipierte Resolution von Kienthal als auch die Plattform der Zimmerwalder Linken die Diskussionsgrundlage. Alle Teilnehmer stellten sich vorbehaltlos auf den Boden dieser Beschlüsse und verpflichteten sich, für sie unter der Arbeiterschaft zu wirken. Neben grundsätzlichen Fragen der allgemeinen Orientierung wurde auch die Lage im Wiener Neustädter Gebiet besprochen und die Notwendigkeit der Verstärkung der Verbindungen mit den Betrieben hervorgehoben. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Erörterung der Möglichkeiten und Erfolgsaussichten eines politischen Generalstreiks. Es wurde beschlossen, dafür eine intensive Vorarbeit zu leisten und mit der systematischen Agitation für außerparlamentarische Massenaktionen einzusetzen. Zu diesem Zweck wurde die Bremer Arbeiterpolitik in den Industriebezirken Wiener Neustadt und Neunkirchen illegal verbreitet. Zuletzt wählte die Konferenz eine siebenköpfige Leitung.41

Die Kräftekonzentration von St. Egyden ermöglichte den Linksradikalen die Anknüpfung von Verbindungen zu einer Reihe weiterer Großbetriebe. Im Herbst 1917 traten Arbeitervertrauensmänner des Traisentals (Eisenwerk St. Aegyd, Feilenfabrik Hohenberg, Stahlgießerei Traisen, Firma Neumann in Marktl) dem Aktionskomitee bei. Auch im Wiener Arsenal und in den Floridsdorfer Fiat-Werken schlossen sich Arbeiter den Linksradikalen an.42

Das Jahr 1917 mit seinem Einsetzen einer revolutionären Krise formte also die Linksradikalen, eine Gruppe, die bis dahin über die Schwelle des internen Organisationsgefüges der Sozialdemokratischen Partei noch nicht hinausgekommen war, zu einer politisch autonomen Organisation um, welche die Sozialdemokratie nun auch schon von außen, als selbstständige Kraft mit einem revolutionären Programm, bekämpfte.

Am Vorabend des Jännerstreiks

Die Nachricht vom Sieg der Oktoberrevolution in Russland gab der linksradikalen Bewegung den bis dahin mächtigsten Ansporn. Im November und Dezember 1917 traf sie Maßnahmen, deren Ziel die Verbreiterung der Anhängerbasis war. In Wien hatten schon seit einiger Zeit kleine linke Splittergruppen existiert, die teilweise von den Linksradikalen unabhängig tätig gewesen waren. Die russische Oktoberrevolution bewirkte, dass die Meinungsverschiedenheiten, die es zwischen den Anhängern Koritscho-ners und den Führern dieser Splittergruppen gab, in den Hintergrund traten und damit der Weg für die Vereinigung in einer einzigen Organisation frei wurde.

Es waren drei Gruppen, die sich Ende 1917 den Linksradikalen anschlossen: die Syndikalisten unter Leo Rothziegel, die Gruppe um Arnold Baral, die zum Anarchismus tendiert hatte, und eine radikale Fraktion der jüdischen sozialistischen Arbeiterpartei Poale Zion unter Michael Kohn-Eber.43 Weiteren Zuwachs erhielten die Linksradikalen durch oppositionelle Mitglieder der sozialdemokratischen Mittelschülerorganisation, die in das illegale Kommunikationssystem eingegliedert wurden und aus Tarngründen die Verteilung von Flugblättern sowie Kurierdienste übertragen bekamen. Zu ihnen zählten Richard Schüller, Paul Lazarsfeld, Ernst Papanek, Leopold Grünwald und Ludwig Wagner.44

Die hervorragendste Persönlichkeit dieser Splittergruppen war Leo Rothziegel, ein 1892 in Wien geborener Schriftsetzer. Rothziegel hatte schon seit Kriegsbeginn Kontakt zu den Linksradikalen gehabt und in Versammlungen des Vereins „Karl Marx“ sowie in der Ortsgruppe Favoriten der VJA im Sinne der Bekämpfung des Burgfriedens gewirkt. Im Mai 1917 war es Rothziegel gewesen, der die Flugblätter der Linksradikalen anlässlich des Adler-Prozesses und des Metallarbeiterstreiks hergestellt hatte. Da er in der Hilfsdienstkompanie des Infanterieregiments Nr. 49 in Wien eingerückt war, machte er wegen seiner revolutionären Aktivitäten mehrmals mit dem Garnisonsarrest Bekanntschaft. Im Dezember 1917 freigelassen, beschloss Rothziegel, in den Untergrund zu gehen. Er beschaffte sich falsche Papiere, desertierte von seiner Einheit und widmete sich ganz den Vorbereitungen der Linksradikalen für die geplante große Streikaktion.45

Am 30. Dezember 1917 schließlich bildeten die nun vereinten revolutionären Gruppen ein illegales Komitee, das sich „Arbeiterrat“ nannte und das von Koritschoner und Rothziegel geleitet wurde.46 Rothziegel, der als Soldat Kontakte zu radikal gesinnten Militärangehörigen geknüpft hatte, gelang es, den Zugsführer Johannes Wertheim, den Korporal Haller, den Leutnant Fränkel und den Oberleutnant Egon Erwin Kisch beizuziehen. Das illegale Komitee erweiterte sich so zu einem „Arbeiter- und Soldatenrat“. Egon Erwin Kisch, der seit 1917 zum Kriegspressequartier in Wien abkommandiert war, beschrieb in einem Manuskript aus dem Nachlass, das 1985 veröffentlicht wurde, wie er sich an den Aktivitäten des „Arbeiter- und Soldatenrats“ beteiligte und im Untergrund politische Arbeit leistete.47

Franz Koritschoner äußerte sich über die Tätigkeit des „Arbeiter- und Soldatenrats“: „In allen Werkstätten begann unsere Agitation für den Massenstreik, in allen Kasernen unsere Werbearbeit. Schaffung von Arbeiterräten, Entsendung von Arbeiterräten als Friedenskommission, sofortiger Frieden mit Sowjetrussland, Waffenstillstand an allen Fronten, das waren die Forderungen, welche wir erhoben.“48

Anna Hornik berichtet, dass sich die im „Arbeiter- und Soldatenrat“ vereinten Gruppen entschlossen hatten, Ende Jänner 1918 den großen Streik in ihren Hochburgen Wiener Neustadt, Neunkirchen und Ternitz auszulösen.49 Der vorgesehene Termin wurde aber durch die sich überstürzenden Ereignisse in den ersten Tagen des Jahres 1918 hinfällig. Die dramatische Zuspitzung der Brester Friedensverhandlungen und die umherschwirrenden Gerüchte von einer bevorstehenden Kürzung der Mehlration, die am 10. Jänner 1918 in einer Meldung der Arbeiter-Zeitung ihre helle Empörung auslösende Bestätigung fanden, veranlasste die linksradikalen Arbeitervertrauensmänner von Wiener Neustadt und Ternitz, sich für einen früheren Streikbeginn bereit zu halten.50 Die Leitung des „Arbeiter- und Soldatenrats“ in Wien beschloss, sofort ein Flugblatt herauszugeben, das die Vereinheitlichung des zu erwartenden Streikausbruchs ermöglichen sollte. Es wurde von Franz Koritschoner und Leo Rothziegel verfasst. Rothziegel stellte es selbst in einer kleinen Druckerei in Wien-Leopoldstadt in den Nachtstunden her, wo ihm der ahnungslose Besitzer für ein Entgelt von 150 Kronen seine Maschinen überlassen hatte.51 In der Nacht vom 12. zum 13. Jänner 1918 fand die Polizei den Aufruf „Arbeitendes Volk!“, inhaltlich ein Musterbeispiel eines revolutionären Flugblatts, in mehreren Wiener Bezirken an Hausmauern und Geschäftsläden aufgeklebt.52 In den Tagen danach verbreitete man es auch in den niederösterreichischen Industriegebieten. Sein aufrüttelnder Effekt war groß, und die revolutionäre Massenaktion des Jännerstreiks wurde Wirklichkeit.

Fazit

Die Geschichte der linksradikalen Bewegung in Österreich ist ein Beispiel dafür, dass es auch kleinen Gruppen gelingen kann, eine Massenwirksamkeit zu entfalten. Nicht die Zahl ihrer Anhänger war ausschlaggebend, sondern die Konsequenz, mit der die Linksradikalen schon zu einer Zeit, als das Aufbrechen von Klassenkämpfen noch ein unerreichbar fernes Ziel schien, im Sinne der praktischen Umsetzung der Prinzipien des revolutionären Marxismus wirkten.

Gewiss waren für die Radikalisierung der österreichischen Arbeiterklasse seit Frühjahr 1917 in erster Linie ökonomische und soziale Ursachen verantwortlich. Politische und emotionelle Motive wie Enttäuschung über die Haltung der Partei- und Gewerkschaftsführung sowie Begeisterung für das revolutionäre Russland waren unter der Masse der IndustriearbeiterInnen ebenfalls tief verwurzelt, sie fanden aber in Form zielklarer revolutionärer Schlussfolgerungen nur bei einer Minderheit, nur im klassenbewusstesten Teil des österreichischen Proletariats, Eingang. Das ermöglicht zu haben, war allerdings ausschließlich das Verdienst der Linksradikalen und Ergebnis ihres Loslösungsprozesses vom reformistischen und zentristischen Ideengut. Ohne ihre unermüdliche Propaganda wäre es sicherlich nicht zur Umwandlung des am 14. Jänner 1918 in Wiener Neustadt ausgebrochenen Ausstandes in einen so lawinenartig anschwellenden Massenstreik mit ausgeprägt politischem Charakter gekommen.

Zugleich zeigte aber die große Aktion des Jänner 1918, dass die Linksradikalen zwar stark genug waren, um über ihre Verbindungsleute in den Betrieben bei der Auslösung des Streiks eine entscheidende Rolle zu spielen, sie aber zahlenmäßig zu schwach und politisch zu wenig geschult und erfahren waren, um den Jännerausstand zu leiten und zum Sieg – der in der damaligen konkreten Situation nur durch den Sturz der Regierung, durch die Überzeugung der Masse der Arbeiterklasse von der Notwendigkeit einer revolutionären Umwälzung zu erreichen war – führen zu können.

Einerlei, eines steht nach den Erfahrungen des Wirkens der Linksradikalen fest: Die kommunistische Bewegung ist eine, die sich mit den arbeitenden Menschen verbindet und deren Interessen verficht, oder sie ist nichts.

Anmerkungen:
1/ Joachim Böhm, Die österreichische Sozialdemokratie (SDAPÖ) im 1. Weltkrieg, ungedruckte Dissertation, Halle-Wittenberg 1964, S. 101.
2/ Josef Strasser, Der Arbeiter und die Nation, 2. vermehrte Auflage, Reichenberg 1912. Lenin schrieb im Februar 1913 an Maxim Gorki: „Es gibt zwei gute sozialdemokratische Broschüren zur nationalen Frage: von Strasser und von Pannekoek.“ Siehe: W.I. Lenin, Briefe, Band III, November 1910–Juli 1914, Berlin 1967, S. 166.
3/ Isa Strasser, Land ohne Schlaf, Wien–Frankfurt/M.–Zürich 1970, S. 8f.
4/ Herbert Steiner, Die arbeitende Jugend und ihre Organisation. Aus den Anfängen bis zur Gründung der 1. Republik, ungedrucktes Manuskript, S. 79 (im Besitz des Verfassers).
5/ Richard Schüller, Geschichte der kommunistischen Jugendinternationale, Band 1: Von den Anfängen der proletarischen Jugendbewegung bis zur Gründung der kommunistischen Jugendinternationale, Berlin 1931, S. 165.
6/ Wolfgang Neugebauer, Bauvolk der kommenden Welt. Geschichte der sozialistischen Jugendbewegung in Österreich, Wien 1975, S. 97.
7/ Über ihn siehe: Herbert Steiner, Franz Koritschoner, in: G. Botz/H. Hautmann/H. Konrad/J. Weidenholzer (Hrsg.), Bewegung und Klasse. Studien zur österreichischen Arbeitergeschichte, Wien–München–Zürich 1978, S. 159ff. Franz Koritschoner, geboren 1892 in wohlhabenden Verhältnissen in Wien (sein Großvater gehörte zu den Mitbegründern der Länderbank), war ein Neffe des bekannten Austromarxisten Rudolf Hilferding. Von Beruf Bankbeamter, leitete er vor 1914 die Länderbankfiliale am Nepomuk-Berger-Platz in Wien-Ottakring. Er kündigte nach dem Kriegsausbruch diese Stelle und wurde Berufsrevolutionär. Ab 1919 gehörte Koritschoner zu den führenden Funktionären der KPÖ. Von 1929 an war er im Apparat der Roten Gewerkschaftsinternationale (Profintern) in Moskau tätig. 1936 wurde er verhaftet und bis 1941 in verschiedenen Lagern gefangen gehalten. Am 7. April 1941 schoben die Behörden der UdSSR am Grenzübergang Brest-Litowsk Koritschoner gemeinsam mit 14 anderen Personen nach Deutschland ab. Die Gestapo brachte ihn als Sonderhäftling nach Wien in ihre Zentrale auf dem Morzinplatz, dann in das Polizeigefangenenhaus, später ins Landesgericht und zeitweise, aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes, in das Inquisitenspital. Am 3. Juni 1941 erfolgte seine Überstellung in das Konzentrationslager Auschwitz, wo man ihn am 9. Juni 1941 ermordete. Koritschoner wurde nach dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 politisch rehabilitiert, juristisch durch Erkenntnis der Staatsanwaltschaft der UdSSR im Mai 1991. Siehe dazu: Barry McLoughlin/Hans Schafranek/Walter Szevera, Aufbruch – Hoffnung – Endstation. Österreicherinnen und Österreicher in der Sowjetunion 1925-1945, Wien 1997, S. 471–490.
8/ Über ihn siehe: Hans Hautmann, Leo Rothziegel (1892–1919). Das Leben eines österreichischen Revolutionärs, in: Weg und Ziel, Jg. 1978, Nr. 7/8, 9 und 10, Wien 1978.
9/ Franz Koritschoner, Lenin und Österreich, in: Die Rote Fahne, Wien, 21. Jänner 1925.
10/ Hans Hautmann, Die Anfänge der linksradikalen Bewegung und der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs 1916–1919 = Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte der Arbeiterbewegung in Österreich 7, Wien 1970, S. 5.
11/ J. Böhm, a.a.O., S. 119.
12/ H. Steiner, Franz Koritschoner, a.a.O., S. 166.
13/ Ebenda, S. 159.
14/ W.I. Lenin, Briefe, Band IV, August 1914-Oktober 1917, Berlin 1967, S. 288.
15/ Ebenda, S. 306f.
16/ Leopold Hornik, Die Zimmerwalder Linke und die Linksradikalen in Österreich, in: Weg und Ziel, Jg. 1955, Heft 9, S. 660.
17/ Hans Hautmann, Die verlorene Räterepublik. Am Beispiel der Kommunistischen Partei Deutschösterreichs, Wien–Frankfurt/M.–Zürich 1971, S. 228f.
18/ Hans Sündermann, Lebenserinnerungen, ungedrucktes Manuskript, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes Wien, Nr. 4351, S. 113.
19/ W. Neugebauer, a.a.O., S. 109f.
20/ Franz Koritschoner, Zur Geschichte der KPÖ, in: Die Rote Fahne, 4. November 1928.
21/ W. I. Lenin, Briefe, Band IV, a.a.O., S. 310f.
22/ Wer über diese Worte Lenins entsetzt ist, der sei an das Attentat auf Reinhard Heydrich erinnert. Wem würde es einfallen, ein solches „Killing“ prinzipiell zu verwerfen und sich darüber moralisch zu entrüsten? Die These von der Berechtigung des Tyrannenmordes gibt es seit zweitausendfünfhundert Jahren.
23/ Der Vorwärts war seit 1891das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und im Ersten Weltkrieg Sprachrohr der sozialchauvinistischen Durchhalte- und Burgfriedenspolitik des Parteivorstandes unter Friedrich Ebert.
24/ W. I. Lenin, Briefe, Band IV, a.a.O., S. 309f. Hervorhebungen im Original. Siehe dazu auch: Leopold Hornik, Lenin und das Attentat Friedrich Adlers, in: Weg und Ziel, Jg. 1970, Sondernummer zum 100. Geburtstag Lenins, S. 22ff.
25/ L. Hornik, Die Zimmerwalder Linke, a.a.O., S. 662.
26/ H. Steiner, Die arbeitende Jugend, a.a.O., S. 79f.
27/ L. Hornik, Die Zimmerwalder Linke, a.a.O., S. 660.
28/ Rudolf Neck (Hrsg.), Arbeiterschaft und Staat im Ersten Weltkrieg 1914–1918, A. Quellen, I. Der Staat, Band 1 (1914–1917), Wien 1964, S. 201.
29/ Arbeiter-Zeitung, 6. Jänner 1917, S. 8.
30/ R. Neck, a.a.O., Band 1, S. 201.
31/ Rudolf Neck (Hrsg.), Arbeiterschaft und Staat im Ersten Weltkrieg 1914–1918. A. Quellen, I. Der Staat, Band 2 (1917–1918), Wien 1968,S. 73f. Bei politischen Delikten unterstanden seit Kriegsausbruch 1914 auch alle Zivilpersonen im Hinterland der österreichischen Reichshälfte der Militärgerichtsbarkeit.
32/ Karl Heinz, Kampf und Aufstieg. Die Geschichte der sozialistischen Jugendbewegung Österreichs, Wien 1932, S. 116.
33/ W. Neugebauer, a.a.O., S. 100.
34/ Arbeiterjugend und Klassenkampf. Von einem linksradikalen Jugendgenossen, in: Der Kampf, Wien, Jg. 1918, Nr. 8, S. 587. Hervorhebung H.H.
35/ W. Neugebauer, a.a.O., S. 102.
36/ L. Hornik, Die Zimmerwalder Linke, a.a.O., S. 665.
37/ R. Neck, a.a.O., Band 1, S. 316.
38/ Hans Hautmann, Geschichte der Rätebewegung in Österreich 1918–1924, Wien–Zürich 1987, S. 145.
39/ L. Hornik, Die Zimmerwalder Linke, a.a.O., S. 664.
40/ Ebenda. Dazu auch: Anna Hornik, 40 Jahre Jännerstreik, in: Weg und Ziel, Jg. 1958, Nr. 1, S. 46. Anna Hornik, die Ehefrau von Leopold Hornik, ist die hier schon mehrfach genannte Anna Strömer.
41/ A. Hornik, a.a.O.
42/ L. Hornik, Die Zimmerwalder Linke, a.a.O., S. 665.
43/ H. Hautmann, Die verlorene Räterepublik, a.a.O., S. 39f.
44/ Ebenda, S. 65.
45/ H. Hautmann, Leo Rothziegel, a.a.O., S. 289.
46/ Der Jännerstreik 1918, in: Die Rote Fahne, 15. Jänner 1928, S. 5.
47/ Egon Erwin Kisch, Kriegspropaganda und ihr Widerspiel, in: Läuse auf dem Markt. Vermischte Prosa = Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band X, Berlin und Weimar 1985, S. 38–60.
48/ Franz Koritschoner, Der Jännerstreik und seine Vorgeschichte, in: Theorie und Praxis (Zeitschrift des VSStÖ), Nr. 2/3, Wien 1970, S. 10 (Nachdruck).
49/ A. Hornik, a.a.O., S. 46.
50/ Der Januaraufstand der österreichischen Arbeiterschaft und der Verrat der sozialpatriotischen Führer, Zürich 1918, S. 8.
51/ Niederösterreichisches Landesarchiv, Präsidialakten, P.–VII, Nr. 1498/1918; Rothziegel Leo, Pöck Max und Mathilde, Hochverrat.
52/ R. Neck, a.a.O., Band 2, S. 192f.

Quelle: Die Revolutionäre: Der Formierungsprozess der Linksradikalen (Österreich im Epochenjahr 1917, Teil 4), Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft (AKG), Nummer 4/2007


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