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Heinrich Reisecker (1891-1983)

  • Samstag, 1. Dezember 2007 @ 10:30
Biografien Heinrich Reisecker wurde am 2. Juli 1891 in Kirchdorf am Inn geboren, erlernte zwischen 1909 und 1913 das Malerhandwerk und war anschließend Malergeselle in Wien tätig. Dem schlossen sich eine Wanderschaft in Italien (Genua) und Tätigkeit als Kellner in den USA an. Im Sommer 1914 kehrte er nach Europa zurück und nahm eine Arbeit als Maler in Zürich auf und hielt sich während des Krieges als Kriegsdienstverweigerer in der Schweiz auf, wo er auch Lenin persönlich kennenlernte.

Reisecker leistete drei Einberufungsbefehlen in der Schweiz nicht Folge, wurde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und Leitungsmitglied der Organisation der Dedaktäre (Deserteure) in der Schweiz, der rund 400 Österreicher angehörten. Ende des ersten Weltkrieges wurde er beauftragt, über die Rückkehr dieser Gruppe zu verhandeln, unterbrach seine Fahrt in Oberösterreich und verhandelte hier mit Dametz und Gruber, die ihn an Friedrich Adler und Otto Bauer in Wien verwiesen. Diese waren gegen eine geschlossene Rückkehr und wollten, dass diese Österreicher einzeln zurückkehrten.

Bei diesen Besprechungen in Wien kam Reisecker auch in Kontakt mit den Vertretern der KPÖ Koritschoner und Friedländer, die ihn beauftragten die KPÖ in Oberösterreich aufzubauen. Nachdem in Wien bereits am 3. November 1918 die „Kommunistische Partei Deutschösterreichs“ gegründet worden war, setzten auch in Linz die Bemühungen ein, eine kommunistische Partei zu konstituieren. Die erste Gründungsversammlung wurde für den 7. Februar 1919 ins Gasthaus „Zur Taube“ in der Museumstraße einberufen. Als Redner waren Karl Steinhardt (nach 1945 kurzzeitig Vizebürgermeister von Wien) und Heinrich Reisecker vorgesehen. Die Gründungsversammlung konnte jedoch nicht abgewickelt werden, weil nach stürmischen Unruhen in der Stadt Standrecht herrschte. Steinhardt und Reisecker wurden verhaftet und aus Linz „abgeschoben“.

Die zweite und eigentliche Gründungsversammlung fand dann am 21. Februar 1919 im Gasthaus „Zum Elefanten“ in der Bethlehemstraße statt. Aus Wien waren Paul Friedländer und Elfriede Eisler (bekannt als Ruth Fischer) gekommen. Aus damaligen Berichten geht hervor, dass sich bei der Gründungsversammlung einige hundert Arbeiter und Soldaten zur Partei gemeldet hatten. Große Begeisterung löste die Erklärung des 3. Vorsitzenden des Landessoldatenrates Karl E. Baumgärtel – einmal als Leutnant, dann wieder als Oberleutnant Karl Kriechbaum bezeichnet – aus, mit seiner ganzen Kompanie der KPÖ beizutreten. In Wahrheit handelte es sich allerdings um ein verbalradikales Manöver um ein Abdriften zur KPÖ zu verhindern. Die Gründung der KPÖ in Linz wurde aber auch vom Polizeispitzel Brandl und der bürgerlichen „Tagespost” beobachtet.

Die erste Leitung der Linzer Organisation übernahmen Heinrich Reisecker und Wenzel Silharsch. Reisecker wurde Landesobmann und Landessekretär in einer Person. Weiters gehörten zur ersten Leitung in Linz Grubmüller, Willinger, Mathies, Eckle, Chepek, Pfeiffer, Winkelmayer, Schoßböck, Pschierer und Maria Verosek. Später kamen noch Josef Strasser, Roth, Matschler und Wernbacher dazu. Nach der Parteigründung in Linz kam es zur Gründung von Gruppen in Steyr (hier erfolgte eine erste Gründung bereits im November 1918), Stadl-Paura, Schärding, Mauthausen und Wels.

Die Kommunisten Reisecker und Eichinger (Wien) nahmen auch als Gäste an der ersten überregionalen Tagung der Arbeiterräte am 19. Februar 1919 im Kaufmännischen Vereinshaus in Linz mit 52 Delegierte teil, wo Richard Strasser erklärte, dass die Räte „nicht mehr bloße Vollzugsorgane der Sozialdemokratischen Partei“ sein dürften.

Auf Ersuchen von Reisecker, der sich dafür journalistisch zu ungewandt fühlte, verfasste der bekannte linke Sozialdemokrat Richard Strasser mehrere Situationsberichte über die politischen und sozialen Verhältnisse in Oberösterreich, die als anonyme Artikel im KP-Organ „Die Rote Fahne“ veröffentlicht wurden. Als dies bekannt wurde, zwang der Kreis um den rechten Sozialdemokraten Ernst Koref daraufhin Strasser, den Vorsitz im Linzer Arbeiterrat zurückzulegen.

Im Auftrag des Zentralkomitees verlagerte Reisecker seine Tätigkeit nach Schärding – von wo aus er Verbindung zur bayrischen Räterepublik hielt – und 1921 nach Vorarlberg. Hier war Reisecker bis zur Pensionierung 1971 als Malermeister tätig und bis 1971 mit Unterbrechungen Bezirksobmann der KPÖ in Feldkirch. Er gehörte zur Widerstandsgruppe, der auch der von den Nazis zum Tode verurteilte und hingerichtete Johann August Malin angehörte und übernahm die gefährliche „Grenzarbeit“, wobei es ihm gelang, viele Verfolgte des weißen Terrors in Ungarn und Bayern in Sicherheit zu bringen.

Nach der Befreiung vom Faschismus war Reisecker – der in den Jahren 1919, 1934, 1935 und 1942 wegen seiner politischen Aktivitäten wiederholt eingekerkert wurde – eine Zeit lang Stadtrat der KPÖ in Feldkirch. Schon über 90 Jahre alt, schrieb er in einem Brief nach Linz, dass er „der alte geblieben“ sei. Heinrich Reisecker starb im 93. Lebensjahr im Dezember 1983 in Feldkirch.


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