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Breiter Widerstand gegen Burschenschafter-Treffen in Linz

  • Dienstag, 11. September 2007 @ 19:42
Antifa Zahlreiche Prominente aus Kultur und Wissenschaft sowie KZ-Überlebende und Widerstandskämpfer appellieren an die politischen Verantwortungsträger der Stadt Linz, aber auch des Landes Oberösterreich, sich von einem für Anfang Oktober in Linz geplanten Treffen deutschnationaler Burschenschafter zu distanzieren. Die Politiker sollen dem Aufruf zufolge alle demokratischen Möglichkeiten ausschöpfen, um das "ewiggestrige Spektakel" zu verhindern.

Die Unterzeichner des Appells verweisen auf massive rechtsextreme Tendenzen in den Burschenschaften. So stellte das Innenministerium in seinem Jahreslagebericht 1999 fest: „Die Agitation dieser Studentenverbindungen lässt auch den Versuch erkennen, auf Umwegen eine gewisse Akzeptanz für nationalsozialistisches Gedankengut zu schaffen.“

Das "Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes" belegt die braune Ideologie der "Schlagenden" mit vielen Fakten: Beispielsweise hat der Dachverband "Deutsche Burschenschaft in Österreich" den NS-Kriegsverbrecher und Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Der britische Holocaust-Leugner David Irving war trotz eines Haftbefehls gegen ihn gerngesehener Gast von Burschenschaften. Vollstreckt wurde der Haftbefehl 2005 am Vorabend einer Veranstaltung der Wiener Burschenschaft "Olympia", auf der der Holocaust-Leugner als Festredner auftreten sollte.

Den Linzer „Anschlussturm“, den das "Kommers" genannte Treffen würdigen will, bewertet das „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ als „steinerne Anschlusspropaganda“ und damit als „permanenten Verstoß gegen den Staatsvertrag“. Denn Artikel 4 des Staatsvertrages verpflichtet Österreich, „großdeutsche Propaganda“ zu verhindern. Entgegen den Behauptungen der Burschenschaften ist „Anschlussturm“ keineswegs eine harmlose geographische Bezeichnung. Schon 1928 erklärte die „Deutsche Burschenschaft“, dass „der Turm in Linz (...) zu einem Anschlussdenkmal ausgebaut werde“. Vor der „Weihe“ am 15. und 16. Oktober 1932 wurde deshalb am Turm die Inschrift „Ein Volk, ein Reich“ angebracht. Und noch heute nennt die „Deutsche Burschenschaft“ den „Anschlussturm“ auf ihrer Homepage eine „Erinnerungsstätte daran, dass es über die Grenzen und die Einzelstaatlichkeit hinaus ein geistiges Band gibt, welches den gesamten deutschen Volks- und Kulturraum umfasst.“ Nicht zufällig weht über dem Turm noch immer eine Fahne in den deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold.

Die Liste der Persönlichkeiten, die vom Burschenschafter-Treffen auch nachhaltigen Schaden für den Ruf von Linz als "Europäische Kulturhauptstadt 2009" befürchten, ist mehr als hochkarätig. So finden sich zwei Nobelpreisträger darauf: Der Naturwissenschafter Walter Kohn, der als 15-Jähriger aus Wien flüchten musste und dessen Eltern in Auschwitz ermordet wurden, und die Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Unterzeichnet haben neben vielen anderen die Schauspieler Elisabeth Orth, Erwin Steinhauer und Harald Krassnitzer, die Schriftsteller Peter Turrini, Barbara Frischmuth, Gerhard Roth, Robert Menasse, Josef Haslinger, Franzobel, Eva Rossmann, Robert Schindel und Michael Köhlmeier, der Musiker Willi Resetarits, der Regisseur Kurt Palm, die Kabarettisten Alfred Dorfer und Thomas Maurer, der Zeichner Gerhard Haderer, der Politikwissenschafter Anton Pelinka sowie die Historiker Wolfgang Neugebauer und Oliver Rathkolb.

Für die jüdischen Gemeinden hat sich der Generalsekretär des Bundesverbandes, Raimund Fastenbauer, dem Appell angeschlossen. Nicht zuletzt scheinen KZ-Überlebende und Widerstandskämpfer auf: etwa der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer, Alfred Ströer, der Ehrenvorsitzende des oö. KZ-Verbandes, Rudolf Haunschmid, die Auschwitz-Überlebende Ceija Stojka sowie Hans Landauer und Ferdinand Hackl, die im Spanischen Bürgerkrieg gegen den Faschismus gekämpft haben.

Die prominenten Unterzeichner ersuchen auch die Verantwortlichen jener Einrichtungen, in denen Kommers-Veranstaltungen stattfinden sollen (laut veröffentlichtem Programm die Johannes-Kepler-Universität Linz, das Palais Kaufmännischer Verein und das Traditionsgasthaus "Klosterhof"), den Burschenschaften "keine Bühne für ihre rechtsextremen Inhalte zu bieten".

Gesammelt haben die Unterschriften die Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen (ÖLM), das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) und das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

"Wenn die zuständigen Politiker ihre jährlichen Gedenkreden ernst nehmen, müssen sie alles tun, um das demokratiefeindliche Treffen der Burschenschafter zu verhindern", sagt der Obmann der Lagergemeinschaft Mauthausen, der 93-jährige KZ-Überlebende Hans Marsalek. "Aber auch die Entscheidungsträger der Kepler-Universität, des Palais Kaufmännischer Verein und des "Klosterhofs" sollen verantwortungsbewußt handeln und auf solche Gäste verzichten!"

"Der geplante Kommers rund um den "Anschlussturm" ist kaum getarnte großdeutsche Propaganda und damit eindeutig staatsvertragswidrig", betont Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees. "Wir erwarten, dass sich der Verfassungsschutz um diese Umtriebe kümmert. Immerhin haben Landeshauptmann Pühringer und Sicherheitsdirektor Lißl erst kürzlich erklärt, in Oberösterreich gebe es null Toleranz für Rechtsextremismus."

"Linz und seine Bevölkerung verdienen das ewiggestrige Spektakel nicht", stellt Netzwerk-Sprecher Robert Eiter fest. "Die 47 politischen, kirchlichen, kulturellen und humanitären Organisationen, die unserem Netzwerk angehören, werden konsequent dagegen auftreten!"


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