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Das Entstehen der Arbeiterbildungsvereine in Oberösterreich

  • Donnerstag, 15. November 2007 @ 08:37
Geschichte Es ist kein Zufall, sondern entspricht einer geschichtlichen Zwangsläufigkeit, daß der erste Arbeiterbildungsverein in Oberösterreich nicht in Linz, Steyr oder Wels, sondern in der Salzkammergutgemeinde Hallstatt gegründet wurde. Hallstatt kann, bedingt durch den historisch überall wichtigen Salzbergbau auf eine jahrhundertealte Arbeitertradition zurückblicken.

Schon 1311 wurde dort von an 16 Häuer erbliche Arbeiterstellen verliehen. Der Kampf der Hallstätter Salzbergarbeiter in den folgenden Jahrhunderten gegen die Obrigkeit war hart und schwer. So gab es schon 1392 in Lauffen und Hallstatt einen Aufstand gegen die zu geringe Entlohnung. Und in den Jahren 1601 und 1602 wütete die katholische Gegenreformation durch die Vertreibung der Protestanten und Hinrichtung der Rädelsführer.

Ein weiterer Höhepunkt erfolgte 1797 mit einer Bittschrift nach Wien, nachdem die Löhne der ärarischen Arbeiter und Handwerker im ganzen Salzkammergut volle achtzig Jahre lang unverändert geblieben waren, wie Gerhard Baron in seinem Werk „Der Beginn” über die Gründung der Arbeiterbildungsvereine schreibt.

Die Vorläufer des Hallstätter Arbeiterbildungsvereins waren die im 18. Jahrhundert gebildeten „Bruderladen”, die jedoch durch ihre heillose Zersplitterung nicht viel bewirken konnten. 1846 und 1847 gab es überall in Österreich eine große Teuerung in deren Folge hungernde und aufgebrachte Arbeiter im Salzkammergut Getreidekästen und Schmalzkeller belagerten. Hallstatt war damals schon ein großer Betrieb, im Salzberg arbeiteten um 1851 rund 300, in der Sudhütte 50 und im Holzwesen weitere 300 Menschen.

Neues Vereins- und Versammlungsgesetz

Der Auslöser für die Gründung der Arbeiterbildungsvereine war das Staatsgrundgesetz von 1867 zu dem am 15. November 1867 ein neues Vereins- und Versammlungsgesetz erlassen wurde. Schon drei Tage später, am 18. November 1867, wurde der Arbeiterbildungsverein Wien gegründet. Und schon am Stefanitag 1867 trafen sich im Hause des Johann Höll in Hallstatt neben der Schießstätte in Lahn rund 15 entschlossene Männer zur Vorbesprechung über die Gründung eines solchen Vereins, der dann am 19. Jänner 1868 formell gegründet wurde.

Anfang März 1868 meldete dann der Bezirksvorsteher Wirl nach Linz, daß am 1. März 1868 bei einer Versammlung des Arbeitervereins Hallstatt eine Petition „an das Hohe Abgeordnetenhaus um Aufbesserung der Lage der ärarischen Arbeiter des Salzkammergutes, insbesondere um Erhöhung der Arbeitslöhne” beschlossen wurde und der Verein bereits 200 Mitglieder zählte, im April waren es schon 360.

Am 26. Juli 1868 wurde ein Zweigverein für Goisern gegründet, der zu Weihnachten 1868 schon 242 Mitglieder hatte. Allerdings wollten sich die Goiserer Arbeiter selbständig machen und gründeten im Herbst 1869 auf Anraten des „Bauernphilosophen” Konrad Deubler - dieser war 1854 gemeinsam mit Franz Gassner und Dionys Heiss als Rädelsführer in einer Anklage wegen Hochverrat und Religionsstörung verurteilt worden - den ABV Goisern.

Die Gründung in Linz

Linz war um 1870 eine Kleinstadt mit 30.500 Einwohnern, aber mit einer Reihe von Industriebetrieben mit teilweise langer Tradition und dementsprechendem Proletariat. Schon 1726 hatte die damalige Wollzeugfabrik - sie beschäftigte zweitweise bis zu 60.000 (!) Spinnerinnen in Heimarbeit - die Stadt geprägt. Später entstanden die K.u.K. Tabakhauptfabrik, 1840 die Schiffswerft, die Schafwollwarenfabrik Franz Honauer, 1841 die Mechanische Spinnerei und Weberei in Kleinmünchen und zahlreiche andere Fabriken, vor allem im Textilsektor.

Der „verständnisvolle und umsichtige Geburtshelfer des Arbeiterbildungsvereins Linz” war der aus Graz stammende Lehrer Josef Netwald. Die „Linzer Tagespost” brachte am 15. Jänner 1868 einen Aufruf „An die Arbeiter von Linz!” als dessen Folge dann am 5. Juli 1868 in Poschachers Bierhalle in der Rudolfstraße die Gründungsversammlung stattfand, die von 300 Arbeitern besucht und bei der 134 neue Mitglieder aufgenommen wurden. Daß die Fabrikherren damit keine Freude hatten, wurde daraus deutlich, daß in Fabriken Kleinmünchens die Plakate mit der Ankündigung „auf Befehl der Fabrikdirektoren herabgerissen” wurden. Ein eigener Verein bildete sich am 18. Oktober 1868 für Traun und Kleinmünchen - damals eine selbständige Gemeinde. Zu Jahresende 1868 hatte der Arbeiterbildungsverein Linz und Umgebung schon 522 Mitglieder.

In Wels fand am 18. Juli 1868 die Gründungsversammlung eines Arbeiterbildungsvereins statt, der anfangs 34 Mitglieder zählte. Die Stadt Wels hatte damals nur halb soviel Einwohner wie Steyr, das Welser Proletariat war geprägt durch zahlreiche Papiermühlen, Gießereien, Leder- und Maschinenfabriken.

Lange Tradition in Steyr

Auf eine sehr alte Handwerks- und Arbeitertradition kann hingegen Steyr - im Mittelalter die zweitgrößte Stadt Österreichs - verweisen. Schon 1550 wurde dort die erste Papiermühle errichtet, bis 1864 wurden es sogar vier solche. 1786 gab es in der Eisenstadt sage und schreibe 238 Schmiedewerkstätten. Der industrielle Aufschwung ist vor allem mit dem Namen Josef Werndl verbunden, der 1864 seine Waffenfabrik, den Vorläufer der späteren Steyr-Werke gründete und um 1870 bereits rund 1.500 Arbeiter beschäftigte.

Ende 1868 bildete sich in Steyr ein vorbereitendes Gründungskomitee für einen ABV, die Gründung erfolgte am 2. Februar 1869 im Gasthaus „Zum Schwarzen Adler” in Steyrdorf. „Geburtshelfer” war so wie in Linz auch hier Josef Netwald, der alsbald vom konservativen „Linzer Volksblatt” heftig bekämpft wurde. Ein ABV wurde schließlich auch in Reichraming, einem durch die schon 1625 entstandene Innerberger Hauptgewerkschaft und einem Messingwerk geprägten Industrieort im Ennstal, am 31. Mai 1870 gegründet.

Von der Leinenweberei geprägt ist der alte Markt Haslach an der Mühl, vor allem in der 1830 entstandenen Weberei der Brüder Vonwiller mit zweitweise bis zu 390 Webstühlen bildete sich ein örtliches Proletariat heraus, das im Herbst 1870 einen „Arbeiterbildungs- und Unterstützungsverein für Haslach und Umgebung” gründete.

Ähnlich in Mauthausen, wo die örtliche Arbeiterschaft vor allem mit den Steinbrüchen von Anton Poschacher verbunden war und am 10. August 1872 die Statuten für einen örtlichen Arbeiterbildungsverein vorgelegt wurden. Eng mit Mauthausen verbunden war Perg, wo neben Poschacher einige Mühlen und das Handelshaus Tobias Altzinger die größeren „Arbeitgeber” waren und am 31. März 1873 die Gründung des Arbeitervereins erfolgte.

Ebenfalls 1873, nämlich am 13. August, entstand in der Stadt Enns ein solcher Verein. In der Stadt Ried heftete Anfang Mai 1872 ein Arbeiter einen Aufruf zur Gründung eines Arbeiterbildungsvereins auf eine Bauhütte, es dauerte aber bis zum 15. September 1873, als ein solcher Verein auch tatsächlich gegründet wurde.

Konsumvereine und Gewerkschaften

Eng verbunden mit der Entstehung der Arbeiterbildungsvereine als Beginn der organisierten Arbeiterbewegung war die Bildung von elf Arbeiterkonsumvereinen in den Jahren 1868 bis 1873. Solche wurden 1868 in Hallstatt, Ebensee, Goisern und Ischl, 1869 in Thomasroith, 1870 in Linz, Reichraming und Kleinmünchen, 1871 in Weyer, 1872 in Steyrermühl-Aichberg und 1873 in Oberletten-Steyr gegründet.

Zwischen 1867 und 1876 entstanden auch mit sieben Fachvereinen die ersten Vorläufer der späteren Gewerkschaften: 1867 der Fortbildungsverein der Buchdrucker und Schriftgießer in Linz, der sich 1872 auf ganz Oberösterreich ausdehnte. Fachvereine wurden 1872 für die Schuhmachergehilfen in Linz sowie für die Holzarbeiter in Linz, 1873 für die Schuhmachergehilfen in Wels und die Kleidermachergehilfen in Linz, 1875 für die Kleidermacher in Steyr und 1876 für die Schuhmacher in Steyr gegründet.


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