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Im Land der Berge und am Strome

  • Freitag, 26. Oktober 2007 @ 08:00
Geschichte Lesung „Im Land der Berge und am Strome“, Texte von Karl Kraus über die Treuhänder „echten“ Österreichertums“ von Univ.Prof. Dr. Hans Hautmann, musikalische Begleitung Gust Maly und H.G. Gutternigg beim Stavros am 8. November 2000, veranstaltet vom Verein LIBIB gemeinsam mit dem Kulturverein M8

Die Idee zu der heutigen Lesung entstand bei mir, als im Gefolge der Sanktionen der EU das wahre Gesicht des bodenständigen Österreichertums wieder einmal zum Vorschein kam. Um es im Dunst des Phrasenschwalls, mit dem es sich umgibt, zu erkennen, eignet sich nichts besser als die Lektüre der Schriften von Karl Kraus. Er war einer der wenigen, der es verstand, hinter scheinbar belanglosen Äußerlichkeiten Symptome eines gesellschaftlichen Zustandes zu sehen. Sein Adlerblick befähigte ihn, die Verlogenheit der Bürgerwelt und ihre Doppelmoral, sich manifestierend in ihrer Kultur, Ideologie und Sprache, zu durchschauen.

In seinem riesenhaften, in der Weltliteratur einzig dastehenden Lebenswerk hat er von 1899 bis zu seinem Tod 1936 mit ätzender Schärfe jene Typen aufs Korn genommen, die, sich als Stützen der Gesellschaft aufspielend, damals wie heute unser Dasein bestimmen. Deshalb sind seine Schriften nicht überholt, sondern nach wie vor aktuell. Die Texte, die ich ausgewählt habe, zielen gerade in diese Richtung, nämlich den Bogen vom Gestern ins Heute zu schlagen und zu vermitteln, was gesellschaftskritische Satire vermag, wenn sie es versteht, vom Besonderen, Einzelnen, Zufälligen und Marginalen zum Allgemeinen, Symptomatischen und Typischen hochzusteigen.

Ich beginne mit vier Aphorismen, die Karl Kraus in der Art Lichtenbergs geschrieben hat, ein Sujet, das er ebenso wie dieser meisterhaft handhabte:
Adolf Loos und ich, er wörtlich, ich sprachlich, haben nichts weiter getan als gezeigt, dass zwischen einer Urne und einem Nachttopf ein Unterschied ist und dass in diesem Unterschied erst die Kultur Spielraum hat. Die andern aber, die Positiven, teilen sich in solche, die die Urne als Nachttopf, und die den Nachttopf als Urne gebrauchen.
Das Wort „Familienbande“ hat einen Beigeschmack von Wahrheit.
Am Chauvinismus ist nicht so sehr der Hass gegen die fremden Nationen als die Liebe zur eigenen unsympathisch.
Blind durch den Kosmos verschlagen, wüsste ich doch sogleich, wo ich stehe, wenn man mir die Aufschrift entgegenhielte: Dreißigjähriges Jubiläum des Hühneraugenoperateurs im Dianabad.

Das ist so allgemein bekannt...(1910)

In der Glosse wird auf den Polarforscher Cook und den Historiker Friedjung Bezug genommen, die Dinge behauptet hatten, die sich als Fälschungen herausstellten. 1910 war auch das Jahr, in dem der Halley'sche Komet der Erde wieder einmal nahe kam. Im Besonderen geht es um die damals wie heute gängige Behauptung der bürgerlichen Presse, dass sie „unabhängig“ und „unbeeinflussbar“ sei.

Die Neue Freie Presse hat sich zum ersten Mal in ihrem Leben dazu hinreißen lassen, auf einen Angriff zu reagieren. Der Abgeordnete Viktor Adler hatte von ihr gesagt, sie sei das energischeste und gefährlichste Regierungsblatt. Darauf brachte sie, am 28. April, eine Erklärung, die von so sprudelndem Witz und von so hinreißender Phantasie zeugt, dass sie von der ,Fackel' nicht totgeschwiegen werden darf. Sie lautet:

(Die Neue Freie Presse ist ein vollständig unabhängiges Blatt, das in allen Fragen des öffentlichen Lebens seine gänzlich unbeeinflussbare Überzeugung zum Ausdruck bringt und vertritt. Das ist so allgemein bekannt, dass es überflüssig wäre, ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Es hat noch keine Regierung in Österreich und in der ganzen Monarchie gegeben, die das Recht gehabt hätte, der Neuen Freien Presse ihre Haltung vorzuschreiben. Die Neue Freie Presse ist nach bestem Gewissen bemüht, den öffentlichen Interessen und dem Publikum zu dienen, aber sonst niemandem. Anmerkung der Redaktion.)

Die Neue Freie Presse hat mir mit dieser Erklärung, die sie an meinem Geburtstag erscheinen ließ, eine große Freude bereitet. Es heißt zwar wirklich Pauschalien in die Neue Freie Presse tragen, wollte man heute noch an ihrer Unabhängigkeit zweifeln. Aber so ein offenes Wort nach jahrzehntelangem Schweigen tut wohl. Man wusste es ja schon längst, dass sie vollständig unbeeinflussbar sei, aber niemand hatte es ihr bisher nachweisen können, und jetzt sind die letzten Zweifel geschwunden. Man munkelt nicht mehr, sie sei ein hochanständiges Blatt, der Bann ist gebrochen und über Österreich hat sich nach diesen aufklärenden Worten eine so heitere Stimmung verbreitet, dass die Neue Freie Presse selbst sich über die Ruhe wunderte, mit der man überall dem Kometen entgegensah. Jetzt weiß sie den Grund. Der ganze Humor in der Kometennacht war nur ein Vorwand. Man war seit Wochen so gut aufgelegt, dass man einander in den Bauch stieß und „Schlüpfer!“ sagte, sobald einer im Kaffeehaus nur die Neue Freie Presse verlangte. Und der Satz: „Das ist so allgemein bekannt, dass es überflüssig wäre, ein weiteres Wort darüber zu verlieren“, hat Flügel bekommen und wurde zum Refrain eines Lachkuplets in der Art, wie sie früher beliebt waren. Wenn einer jetzt zum Beispiel sagt: Ja, der Cook hat den Nordpol entdeckt, oder: Die Dokumente im Friedjung-Prozeß sind echt - so antwortet man nur mehr: Das ist so allgemein bekannt usw. Der Satz schlägt jeden Gassenhauer, und als kürzlich in einem Nachtcafe ein Sänger weit das Maul aufriss, um das schlichte Volkslied „Das ist mein Freund, der Löbl“ zu singen, ließ man ihn nicht, denn kaum hatte die Musik eingesetzt und er die Worte: „Das ist -“ herausgebrüllt, da fiel der Chor der Besucher donnerähnlich ein: „Ja das ist so allgemein bekannt, dass es überflüssig wäre, ein weiteres Wort darüber zu verlieren!“

„Entführung eines Autotaxi“ (1911)

(...) Ein eigenartiger Diebstahl ereignete sich heute in der Hegelgasse. Der Chauffeur des Mietautomobils A II 681 wollte in dem an der Ecke der Schwarzenbergstraße und der Hegelgasse befindlichen Kaffeehaus eine Schale Tee trinken. Er stellte den Motor seines Wagens ab, ließ den Wagen ohne Aufsicht stehen und ging in das Lokal. Wenige Minuten später kurbelte ein fremder Mann den Motor an und fuhr, bevor er daran gehindert werden konnte, gegen den Ring zu in raschem Tempo davon. Der Chauffeur machte sofort die polizeiliche Anzeige.

Der Dieb, ein Freund des Fortschritts, auf der Stelle bereit, diesen gegen die Ansprüche der sesshaften Wiener Chauffeure zu verteidigen, hat etwas getan, was ihm in diesen langsamen Zeiten hoch angerechnet werden muss. Er fand den typischen Anblick der Automobildroschke mit der vorgesteckten Bestelltafel unerträglich. Er erkannte blitzartig, dass ein Automobil nicht so sehr dazu diene, den Chauffeur ins Beisel, als den Passagier ans Ziel zu bringen. Er für seine Person hätte vielleicht warten können, bis das Schalerl geleert war. Aber er entschied die Angelegenheit rein prinzipiell. Er wartete nicht einmal ab, bis der Wasserer, der Türlaufmacher, der Grüßer und die andern Wiener Funktionäre herbeigeeilt waren... Vielleicht auch fiel ihm ein: Der Kerl wird doch einmal herauskommen, aber dann, wenn´s losgeht, überfährt er mir den Wachmann an der Ecke, der den Straßenbahnverkehr zu regeln hat... Es riss ihn hin, er kurbelte an, schwang sich empor und ward nicht mehr gesehn. Ein Fahrzeug dient zum Fortkommen, sagte er zu seiner Rechtfertigung. Und weil es ein Automobil ist, kann es sich auch ohne Chauffeur weiter bewegen. Und schneller. Eine Sonderauffassung, die meinen Beifall hat. Nur möchte ich finden, dass dem Verkehr noch besser durch die Entführung der Chauffeure gedient wäre. Denn wenn sie ohne Automobil zurückbleiben und auf dem Trottoir herumstehen, haben wir erst recht nichts vom Fortschritt. Das einzige, was sie „sofort“ machen können, ist die polizeiliche Anzeige, und selbst die bringt uns nicht weiter. Wie dem immer sei, nie ist ein Diebstahl organischer aus den bestehenden sozialen Verhältnissen hervorgegangen. Hier ist ein Langfinger auf eine offene Wunde gelegt worden. Mit moralischem Nasenrümpfen wird man dem Mutigen nicht beikommen. Alle Werke des Fortschritts wären ungetan geblieben, wenn die Welt gewartet hätte, bis die Chauffeure ausgetrunken haben.

Gefährlich (1911)

sind hierzulande auch die Osternummern der Tagespresse. Während in anderen Städten ein Zeitungsblatt bloß eine Bedrohung der geistigen Gesundheit bedeutet, wächst es sich in Wien immer mehr auch zu einer Gefahr für die körperliche Sicherheit heraus. Bei einem Streit, den der Taglöhner Vinzenz Ühlein mit dem vazierenden Hilfsarbeiter Jaroslaw Wlk hatte, zog er die ,Zeit' aus der Tasche und verletzte den Gegner nur unerheblich, während dieser, wie der Wachmann Krziz behauptet, im Besitze der Osternummer des , Neuen Wiener Tagblatts' war. Ühlein erlitt mehrere Rißquetschwunden sowie eine Luxation des rechten Schultergelenkes. Wlk wurde deshalb wegen schwerer Körperverletzung und wegen Übertretung des Waffenpatents zu sechs Monaten verurteilt. Die Sachverständigen hatten ausgesagt, dass die Nummer, deren Umfang 216 Seiten betrug, unter Umständen den Tod herbeiführen konnte...

Von der Feuerwehr, die sofort erscheint (1913)

(Brände in Königspalästen.) Aus Potsdam, U.d.M., wird telegraphiert: Heute vormittags brach im Adjutantenflügel des Neuen Palais ein Brand aus. Die Potsdamer Berufsfeuerwehr rückte sofort mit der Dampfspritze und allen verfügbaren Kräften aus. Der Brand nahm keinen größeren Umfang an und wurde bald gelöscht. - Aus München, U.d.M., wird telegraphiert: Heute früh brach im Wittelsbacher-Palais, in dem der Prinz-Regent Ludwig gegenwärtig residiert, in der Garderobe ein Kaminfeuer aus. Die sofort erschienene Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit.

Es ist schön, dass die Feuerwehr allerorten keine Protektion kennt, sondern Königspaläste ebenso schnell bedient wie die Hütten der Armen. Aber es ist zugleich ein Beweis, wie die Presse, die ihre Kunden auch alle gleich schnell bedient, den Schwachsinn bereits verwöhnt hat. Die Feststellung, dass ein Brand gelöscht wurde, genügt nicht mehr. Es ist auch nötig, zu sagen, dass er von der Feuerwehr gelöscht wurde. Und dass die Feuerwehr zur Stelle war, genügt auch nicht mehr. Es ist nötig zu sagen, dass sie sofort zur Stelle war. Feuerwehr ist zwar ohnehin etwas, das sofort ausrückt: das ist unwesentliches Merkmal, und es wäre eigentlich nur bemerkenswert, wenn sie's einmal nicht täte, wenn sie also aufhörte, eine Feuerwehr zu sein. Aber von einer Schnecke zu sagen, dass sie langsam vom Fleck kam, ist Sache des Berichterstatters, der es beobachtet hat. Und bekanntlich weiß sich die Zeit, die keine Zeit hat, die Zeit damit zu vertreiben, dass sie sich in infinitum definiert. Denn so ist das Leben, dass es so ist.

Die Lage der Deutschen in Österreich (1911)

Eben dachte ich daran, dass es Worte gibt, die mir den Aufenthalt in diesem landschaftlich begabten Lande so sehr erschweren. Da ist zum Beispiel das Wort, das die äußere Unordnung des hiesigen Lebens so sehr verschärft: das Wort „Pallawatsch“. Da ist ferner das Wort, das es einem fast zur Pein macht, länger „doder“ zu bleiben. Da ist der vollkommen rätselhafte Ausruf, der jeden Stoß oder Fall, den man hierzulande erleidet, zur Katastrophe steigert „Pumpstinazi“. Da ist jene Bezeichnung für einen Nachwuchs, die gebieterisch zur Fruchtabtreibung drängt: „Pamperletsch“. Da ist ein Wort, das allen Sinnengenuss den Garaus macht, indem es das höchste Entzücken des Wieners an den weiblichen Brüsten ausdrückt. Während sie nämlich Schiller - als er noch Kraft hatte - für die „Halbkugeln einer besseren Welt“ ansah, prägt sich die diesbezügliche Weltanschauung des Wieners in dem viehisch tastenden Behagen aus, das zur Schöpfung des Wortes „G'spaßlaberln“ geführt hat. Es ist ein vernichtendes Wort, eines, das unbedingt in Lebenshaß und Askese treibt. Es drückt die Beziehung des Hausmeisters zum Eros aus und hat mir schon üble Stunden bereitet. Und da es mir beim Anblick des Gesichts, das ein Wirtshausgast machte, als ihn die Kellnerin streifte, einfiel und ich darüber nachdachte, wie es denn komme, dass in keinem anderen Idiom der Welt die Welt so hässlich sei - fiel mein Blick auf die Speisekarte. Nicht dass es hier Powidltatschkerln gab, war geeignet, mich dem Hungertod preiszugeben. Ich las ein anderes Wort. Ich erfuhr, dass es die Bezeichnung für ein belegtes Brot sei. Es hieß nicht, wie häufig üblich, nach dem Wirt. Nehmen wir an, der Wirt heiße Stohanzl - ein Name, der mir oft beim Lesen der Wiener Zeitungen aufstieß -, so wäre die Titulatur: Stohanzl-Appetitschnitte eine natürliche Fügung. Wie anders sollte sich denn die Individualität hierorts ausdrücken, als dass man den Wirt nach der Speise oder die Speise nach dem Wirt benennt? Nein, so hieß es nicht, das belegte Brot! Es hieß vielmehr - man wird es nicht erraten - es hieß zu Ehren einer deutschnationalen Tischgesellschaft, auf welche die Kellnerin hinwies, als ich sie nach der Provenienz des Namens fragte. Nun könnte man vielleicht glauben, dass es sich um ein Südmark-Brötchen gehandelt hat Das wäre ja trist. Aber schließlich, die Politik geht sonderbare Wege und die Lage der Deutschen in Österreich ist etwas, woran man nicht oft genug erinnert werden kann. Nein, nein, so hieß es nicht, das belegte Brötchen. Auf der Karte stand vielmehr - auf der Karte stand: „Südmark-G'spaß 70 Heller“. Ich fürchte, dass ich darüber nicht hinwegkommen werde.

MUSIK

Aber natürlich (1911)

„...Darum dürfte die Idee des Kollektivkaufhauses ganz besonders zum Herzen der Wiener reden, die gern dem Zuge der Zeit folgen, aber ihre ursprüngliche persönliche Note bewahren wollen. Denn es lässt sich nun einmal nicht leugnen, dass der Wiener dem eigentlich amerikanischen Geschmack des Warenhauses durchaus kühl gegenübersteht und, seinem harmonischen Charakterzuge folgend, vorzieht, dort zu kaufen, wo er nicht nur Käufer, sondern in erster Linie Persönlichkeit ist...“

Was steht zu Diensten Herr von Flohberger, immer wohlauf bei der Witterung, etwas Apartes für die Gnädige, der Herr Sohn gestern vorübergegangen, uns aber nicht beehrt, mir haben sich noch alle gewundert, no ja momentan keinen Bedarf nicht, ujegerl bei die schlechten Zei - - Kistand, hebdehre, pfehlmich, schamsterdiener, beehren uns bald wieder die Dame!

25 Jahre - Komponist (1913)

Die Glosse hat eine prophetische Aussage. Merken wir uns: geschrieben 1913!

(Bürgertheater.) Charles Weinberger, der fleißige Operettenkomponist, feiert sein 25jähriges Komponistenjubiläum, und da traf es sich gut, dass gerade in diesem Jahr „Der Frechling“, Weinbergers vorläufig letzte Operette, im Bürgertheater en suite aufgeführt wird. So ergab sich der Rahmen für eine solenne Feier von selbst. Sie warf bereits in den ersten zwei Akten der heutigen „Frechling“-Aufführung ihre Schatten voraus. Das Tempo war noch flotter, und die abwechselnden Walzer und Polkas klangen noch vertrauter als sonst. Fritz Werner, der als Frechling mit „gut sitzendem Frack“ und nicht ganz ebensolcher Tenorsumme auf die Damen bezaubernd zu wirken hat, war voll guter Einfälle und placierte geschickt die Namen der Weinbergerschen Operetten im Dialog. Fräulein Petko trug ihren Charme, Frau Pohl-Meiser ihren Humor, Fräulein Myra ihre fabelhaften Toiletten zur Schau; und so war der zweite Akt mit Lachen, tragischen Schauern und Applaus zu Ende gegangen. Und nun begann die eigentliche Ehrung für Charles Weinberger, die in Form einer Konzertakademie vollzogen wurde. Weinberger erschien am lorbeergeschmückten Dirigentenpult, vom Orchester mit einem Tusch empfangen. Er dirigierte die Ouvertüre zu seinem reifsten Werk: „Schlaraffenland“. Diese Oper enthält wirklich schöne, wenn auch von Wagner stark beeinflusste Stellen... Die „Lachenden Erben“ vertraten Frau Marion und Herr Agel glaubhaft. .. Frau Dirkens sah sehr vornehm aus und weckte mit ihrer Art zu tanzen einen Jubel, der sich noch steigerungsfähig erwies, als Frau Pohl-Meiser mit den Herren Brod und Carlo Böhm das enorm parodistische Terzett „Rosa! Rosa!“ aus der Operette „Die romantische Frau“ mit geradezu groteskem Humor zum besten gab. Damit war der künstlerische Teil des Programms erledigt und es trat nun der Komponist in seine Jubiläumsrechte. Der Applaussturm steigerte sich zum Beifallsorkan, als Weinberger inmitten seiner Künstler auf der Bühne erschien. Die Bühne verwandelte sich in einen Blumen- und Lorbeerhain, Fritz Werner überreichte dem Komponisten sein Bild und umarmte ihn, was den Beifall verstärkte. Das Orchester fiel neuerlich mit einem Tusch ein und ungezählte Male hob und senkte sich der Vorhang. Im Namen des also Gefeierten, der zu ergriffen war, um sprechen zu können, dankte Fritz Werner mit einigen improvisierten, witzigen Worten dem Publikum. Nun erst konnte die Operette „Der Frechling“ zu Ende gespielt werden. Die Vorstellung dauerte vier Stunden.

Dass solche Dinge möglich sind, ohne dass Himmelserscheinungen wie Kometen oder mindestens ein flammendes Kreuz, beobachtet werden, ist mysteriös. Man sagt, dass ein Weinberger-Jubiläum mit einer Werner-Umarmung einen Steinregen im Gefolge habe, dem in der Regel eine Auswanderung der Feldmäuse und ein Einbruch von Heuschrecken-Schwaden vorangegangen sei. Eine Weinberger-Feier wirft ihre Schatten voraus. Wenn nichts dergleichen außer ein bißl Beifallsorkan und Schwefelregen eingetreten ist, wenn die Bühne in einen Blumenhain verwandelt wurde, anstatt Blumenhaine in Wüsten, dann ist es Zeit, abergläubisch zu werden, dann verbirgt uns der Himmel seine Absichten und übers Jahr gibt’s Krieg und Pestilenz.

Karl Kraus war Junggeselle und deshalb genötigt, sehr oft in Restaurants seine Speisen einzunehmen. Dort wollte er nur eines: in Ruhe essen und nicht von den Wirten gegrüßt und in Gespräche gezogen werden. Die folgenden zwei Glossen handeln davon.

Aus dem dunkelsten Österreich (1914)

„Hotelier Sukfüll führte aus, ... der Gast bestehe vor allem darauf, dem Personal, das ihn bedient, nach seinem Belieben Trinkgeld zu geben. Auch die Angestellten seien mit dem System der Prozente nicht zufrieden. Der Gast, der in Österreich ein Hotel aufsuche, sei gewohnt, individuell bedient zu werden. In vielen Betrieben Österreichs suchen die Gäste die Kellner durch ein Trinkgeld im Vorhinein für sich zu gewinnen. Der Landesverband für Fremdenverkehr möge die Frage ruhig den Hoteliers überlassen.“

Wie wahr, wie wahr! Wenn der Österreicher von der Mutterbrust wegkommt und ins Leben hinaustritt, setzt er seinen eigenen Kopf auf. Er lässt sich seine Freiheit nicht nehmen. Er besteht darauf, dem Personal Trinkgeld zu geben. Wenn ihm wer in den Arm fallen will, wird er schiech. Auch will er kein Herdentier nicht sein, sondern im Hotel sofort als Individualität, die er ist, durchschaut, anerkannt und darnach behandelt werden bitte. Um vom Kellner richtig bedient zu werden, bedient er zuerst den Kellner. Er lebt, um Kellner für sich zu gewinnen. Er hat überhaupt keinen andern Daseinszweck, wenn es ihm zufällig versagt ist, selber ein Kellner zu werden. Er ist es von Natur, aber er verfehlt zuweilen seinen Beruf und wird Gast. Das erste, was er tut, wenn er ins Hotel kommt, ist: er sucht den Kellner zu beeinflussen. Hat er ihn auf seine Seite gebracht, ist es ihm gelungen, ihn durch ein Trinkgeld zur Annahme eines Trinkgeldes zu bewegen, das er dann aber auch nach Belieben verabreichen will, und hat er es sohin erreicht, als Individualität gewürdigt zu werden - so hat er das Recht, an den Kellner, der ihm die Speisekarte hinhält, die Frage zu richten: „Was können Sie mir empfehlen?“ Sagt der Kellner: „Was auf der Karte steht“, so wird der Gast lebensüberdrüssig, denn er erkennt, dass der Kellner ihn für einen von den vielen hält, für einen, der bloß essen will und weiter nix. Essen, ohne zu hören, was es Neues gibt. Manchmal kommt es dann vor, dass der Gast den Kellner barsch zur Anerkennung seiner Individualität zwingt, indem er ihn anschreit: „Was stehn S' denn da und empfehlen S' nicht?“ Empfiehlt der Kellner und hat der Gast eine Dame neben sich, so hat die Empfehlung zu lauten: „Lasst sich die Dame ein schönes Schnitzerl machen oder ein Ramsteckerl oder vielleicht ein Ganserl die Dame!“ Der Beisatz „die Dame“ ist nichts weiter als eine Zuspeis' der individuellen Behandlung, die sich auch auf die Dame erstreckt. Die Empfehlung hat vor der toten Karte entschieden das eine voraus, dass dischkuriert wird und zwar sowohl vorher wie nachher. Denn was auf der Karte steht, ist nicht mehr da und wird vor den Augen des Gastes einfach gestrichen, während nach der Empfehlung der Kellner in die Küche geht und erst viel später und mit dem ausdrücklichen Bedauern, nicht mehr dienen zu können, zurückkommt. Hat ein Gast es solcher Art in Wien durchgesetzt, als Individualität anerkannt zu werden, so kann er unter Umständen sogar Hotelier werden. Der Hotelier ist der höchste Vorgesetzte des Gastes. Vom Hotelier gegrüßt zu werden, ist eine Annehmlichkeit, der zuliebe der Österreicher überhaupt ins Gasthaus geht. Vom Hotelier gekannt zu werden, ist eine Ehre, die nicht jedermann zuteil wird. Aber vom Hotelier angesprochen zu werden, ist die höchste Entschädigung, die einem für den Ärger über einen Schlangenfraß zuteil werden kann und dafür, dass man einen Kellner, der einen weder individuell noch anders bedienen will, durch kein Trinkgeld für sich gewinnen kann. Wer von uns, die wir einen Namen haben und deshalb im Gasthaus nicht unbeachtet bleiben, hat es nicht schon erlebt: man sitzt da, verlassen und verkauft, verwünscht diese niederträchtige österreichische Romantik der Lebensmittel, sehnt sich zu den Hottentotten oder nach Berlin, also dorthin, wo der Wiener infolge Bequemlichkeit „Abfütterungsanstalten“ vermutet, möchte mit Tellern werfen und mit Messern stechen, kann es aber nicht, weil man gerade im Stadium der Auflösung ist - da beugt sich ein käsweißer Mann über dich, ein Todesengel namens Zeppezauer, und spricht, mählich lebhafter werdend, die Worte: „Das Wetter scheint sich nach der letzten mineralogischen Diagnose zu klären und dürfte auch wieder der Zuspruch ein regerer werden, waren gewiss verreist, schon recht, ja jeder hat heutzutage zu tun, man merkts überall im Gewerbestand, die Einflüsse von der letzten Entspannung, ein Doktor, auch von der Zeitung, was im Ministerium die rechte Hand is, hat selbst gesagt, mirkwirdig, hm, aber mir scheint, heute keinen rechten Appetit, grad heut, schade, das Vordere, alle Herrschaften loben sichs, nun dafür das nächste Mal ein Protektionsportionderl von der Zeppezauerschnitte - Poldl abservieren, schlaft wieder der Mistbub, also djehre djehre - -“

1929

fand in Wien die Kochkunstausstellung im Kursalon statt, über die die Zeitungen begeistert berichteten. In dem Artikel „Im dreißigsten Kriegsjahr“ schrieb Karl Kraus darüber:

Es gibt etwas ganz Neues, nur dem Wiener Gusto Erlangbares, es gibt eine Spezialität. Die Neue Freie Presse - auf dem Punkt angelangt, wo sie nicht weiß, ob sie hineinbeißen oder schwärmen soll, aber von der Kulturmission durchdrungen, dass man heute nicht nur für den Lehar, sondern auch für einen Heurigenwirt mehr Adjektiva bereit halten muss als ehedem für Offenbach - sie nennt es: „lockendes Illustrationsmaterial zu raffiniert zusammengestellten Speisekarten“. Und was ist es?

„Ein Spannagl-Beinfleisch und ein Spannagl-Wiener Schnitzel, bei dessen Herstellung Küchenchef Rudolf Rolly und Fräulein Leopoldine Spannagl ihre Kunst bewährt haben.

Während Rudolf Rolly jedenfalls selbstlos und ohne Anspruch auf Verewigung geschaffen hat, erscheint es nicht aufgeklärt, ob das Spannagl-Beinfleisch, beziehungsweise das Spannagl-Wiener Schnitzel nach Fräulein Leopoldine Spannagl benannt ist, oder vielleicht nach einem Verwandten, welchen ich mir als einen Mann vorstelle, der, dieweil ich zum Beispiel das Spannagl-Beinfleisch esse, sein Auge auf mir ruhen lässt, mich nötigt, seinen Gruß zu erwidern und den Dank der Kreatur dem Schöpfer abzustatten, worauf er zur Tagesordnung schreitet. Ich werde darum kein Spannagl-Beinfleisch essen, sondern lieber in einer andern Stadt eine größere und billigere Portion, die freilich der Zuwag der Persönlichkeit entbehrt...

Knappes Leben (1917)

Das Gedicht beschreibt den allgemeinen Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs im Ersten Weltkrieg.

Ich wollt in einem Kaffeehaus Kaffee:
da sagte der Kellner: „Gar ka Idee!“
So bat ich ihn um zwei Zigarren:
da sah er mich an wie einen Narren.
Ich hatte zum Glück noch eine bei mir:
da sah er mich an wie ein Wundertier.
Nun wollt' ich sie rauchen, da brauchte ich Feuer:
da schien ich ihm vollends nicht geheuer,
er sprach: „Ja was fallt Ihnen ein, lieber Herr,
wo nehmen denn mir ein Strafhölzl her?“
Ich hatte noch eines bei mir zum Glück:
ihn fasste das Staunen, er prallte zurück.
Ich rief ihn wieder, da stand er stumm,
mein Wesen ging ihm im Kopf herum.
„Was ist noch zu haben?“ da brachte er bloß
von Zeitungen einen ganzen Stoß.

Ja, an den Hauptmanipulationsinstrumenten für die Volksmassen mangelt es prinzipiell nie.

MUSIK

In der folgenden Glosse kommt der „Reigen“ von Arthur Schnitzler vor, der bei der Uraufführung wegen seines erotischen Inhalts einen Theaterskandal sondergleichen hervorrief und von den rechten Moralhütern wütend attackiert wurde.

Berichtigung eines sinnstörenden Druckfehlers (1921)

„In unsre gestrige Besprechung der Aufführung des „Reigens“ in den Kammerspielen hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. Es soll dort heißen: Und zu diesen Naturgefühlen gehört es, dass der Akt, der den Gipfelpunkt sämtlicher Akte des „Reigen“ bildet, im Geheimen abgetan wird. Es gibt ein einziges Lebewesen, das sich an dieses Naturgebot nicht hält: der der Natur entfremdete, degenerierte, rasselose Straßenköter.

Der Gedanke hat die Berichtigung gelohnt. Denn es ist doch klar, dass die jetzt von der geistvollen Gemeindesteuer betroffenen Rassehunde es im Geheimen abtun und zwar nicht nur, weil das die Herrschaft so veranstaltet, sondern weil sie ein Schamgefühl haben. Keinem Dobermann würde es einfallen, wenn er schon überhaupt so ein widernatürliches Gelüst hat, es vor Leuten zu betätigen. Denn es ist widernatürlich. Tut’s ja doch nur der „der Natur entfremdete“, degenerierte, rasselose Straßenköter. Es ist gut, dass das richtig gestellt ist. Die Setzmaschine hatte sich zuerst geweigert und die Stelle verhoben, aber nun mußte sie klein beigeben. Die besseren Hunde, die das 8 Uhr-Blatt lesen, werden bestätigen können, dass es so ist und dass sie sich nicht von ihren Herren beschämen lassen... Der Text ist rein. Ein Druckfehler hatte sich, um den Sinn zu stören, eingeschlichen, aber nun ist er draußen. Das Naturgebot verlangt nicht die Begattung, sondern deren Diskretion. Das einzige Lebewesen, das sich an dieses Naturgebot nicht hält, ist der Straßenköter, dieser Proletarier der Natur, und für den hat das 8 Uhr-Blatt so wenig übrig wie für die Proletarier aller Länder. Er ist nicht nur der Auswurf unter den Hunden, sondern unter den Tieren überhaupt. Möge er, ob er vergnügt oder missvergnügt ist, auf die Straße gehn. Die andern Lebewesen, alle, haben noch ein Schamgefühl und lassen die Öffentlichkeit nicht in ihr Privatleben hineinsehen. Selbst die Fliegen machen's im Zimmer ab, und die Löwen ziehen sich bekanntlich in die Wüste zurück, um den Schiebern das Ärgernis zu ersparen. Nur mit Überwindung aller Naturgefühle, die sie im Tabarin befestigt haben, wohnen diese den Aufführungen des „Reigen“ bei, von dessen Duldung der Kritiker der Reichspost eine Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten befürchtet und dessen Besprechung Wien von allen Seiten auf einem geistigen Niveau gezeigt hat, dass kein Hund so länger leben möchte.

Wien (1922)

In diesem langen Gedicht, von dem ich nur Ausschnitte bringe, schildert Karl Kraus die grellen Kontraste in der österreichischen Gesellschaft nach dem Weltkrieg.

Nirgends auf der Hemisphäre leben solche Missgeburten
wie im Land der Habedjehre; und jetzt tragen sie noch Gurten.

Aug vom Schwein, Hyänenpranke, doch ein elegantes Tragen,
in den Köpfen kein Gedanke - da muss man schon tulli sagen.

Drahn und obidrahn ihr Leben, es ist eine eigene Sekte,
und mir will’s den Magen heben schon von diesem Dialekte.

(...)

Bot der Himmel was er konnte D' Geigerbuam die bestbekannten,
so erstehn am Horizonte so genannte Resitanten.

Aber zu den Drahdiwaberln zählt die mudlsaubere Nichte
Mädchenbrüste sind G’spaßlaberln aber Mehlspeisen Gedichte.

(...)

Schieber schieben auf dem Striche, Strizzi, Mitzi, Kipper, Wipper.
Aber jener fürchterliche Oberleutnant hat den Tripper.

(...)

Wie sie wackeln mit den Ärschen, eingedenk der Lorbeerreiser,
gerne ließen sie beherrschen wieder sich von einem Kaiser.

(...)

Pest der Straße, Fest der Presse, diese prassen, jene fasten.
Tag und Nacht ist Teufelsmesse zu den grässlichen Kontrasten.

Unbewegt vom Untergange, fühllos wo die Menschheit duldet,
wird dem Bürgersinn nur bange nach den Mächten, die's verschuldet.

Kinder haben keine Windel. Ganz und gar in Seidenwäsche,
trauert dieses Erzgesindel um die Majestät, die fesche.

Frierend lässt um eine Semmel eine für ihr Kind sich hunzen.
Vormittag schon frisst bei Demel eine pelzgefüllte Funzen.

(...)

Welch ein Ratschluss, dass hienieden nur der Schuft gesund spaziere!
Blinde gibt’s und Invaliden, Göttergatten, Gürteltiere.

Welch ein Korso! Jene hungern, jene mühn sich und ermatten.
Und um die Hoteltür lungern, Gürteltiere, Göttergatten.

(...)

Seht wie sie die Luft beglotzen, eh sie sie den Menschen nehmen.
Und sie können Phrasen kotzen, diese blutgenährten Schemen.

Dass von Müttern sie geboren, nimmer möchte ich es glauben,
die, nachdem die Schlacht verloren, unverzagt den Tod berauben.

Nein, dem Teufel, ich will wetten, sind sie als ein Furz entsprungen
oder gar aus Operetten in das Leben eingedrungen.

(...)

Moderluft erfüllt die Gasse, denn es leben nur Gespenster.
Um zu atmen, rat ich, lasse schleunig schließen alle Fenster!

MUSIK

Die folgenden drei Texte geben ein Bild vom grassierenden Antisemitismus, der schon damals mörderisch war und nur darauf wartete, von oben entfesselt zu werden.

Die sich nicht zu erziehen haben lassen (1924)

Ein deutschnationaler Professor ist - bitteres Los - genötigt, sich gegen den Verdacht der Bevorzugung der Ostjuden wie folgt zu wehren:

Aus Liebedienerei gegen die Studenten habe ich Einseitigkeiten nie begangen und werde sie auch nicht begehen, denn ich bin heute immer noch der Meinung, dass die Professoren die Studenten zu erziehen haben, sich aber nicht von den Studenten erst zu erziehen haben lassen... Ich stelle fest, dass während meines Dekanates keine schrankenlose Aufnahme von Ostjuden erfolgt ist und im Gegenteil die Aufnahme der Ostjuden in weitgehendster Weise und nach klar umrissenen Normen herabgedrückt wurde.

Das war insofern ein Fehler, als ich überzeugt bin, dass sich unter den Ostjuden manche finden, die mehr Gefühl für die deutsche Sprache haben als sämtliche Ostdeutschen. Dass die Aufnahme in weitgehendster Weise herabgedrückt wurde - was auch anstrengend sein muss - ist sehr bedauerlich. Aber was sollten die ostjüdischen Studenten schließlich ausrichten? Die deutschnationalen Professoren wissen ganz gut, dass sie sich nicht von ihnen zu erziehen haben lassen. Und wenn man sie fragte, ob sie sich nicht vielleicht, nämlich in der deutschen Sprache, haben erziehen zu lassen (oder erziehen zu lassen haben), so würden sie vermuten, dass man sie mit echt talmudischer Spitzfindigkeit hineinlegen will.

Warumvadient der Jude schneller und mehr Jeld als der Christ (1924)

In der Glosse ist vom § 144 die Rede. Das war der Abtreibungsparagraph im alten Strafgesetzbuch. Er stand im Mittelpunkt der Sorge der katholischen Fundamentalisten, aber auch der Alldeutschen und Nazis.

Die Wiener Hakenkreuzlerzeitung ist meine Sonntagsfreude, ich schau' immer nach, wie's mit den Schweißfüßen geht, bin aber auch schon zufrieden, wenn ich nur sehe, wie den analogen Versfüßen geholfen wird. Etwa in einem Trutzgesang unter dem Titel „§ 144“:

Einhundertvierundvierzig heißt
der Paragraph der Mutter,
an dem Begierde zerrt und reißt
und wütend, doch vergeblich, beißt...
Der Paragraph bleibt stehen,
mag Juda noch so krähen!

Die letzten Schranken möchten sie
dem Arier entreißen.
Doch nur gemach! D i e Zeit kommt nie!
Trotz allem Schmutz- und Schweinevieh!
Eh' wird die Welt vergehen!
Der Paragraph bleibt stehen!

Für Leute, die in geiler Lust
den Zweck des Lebens sehen,
sollt' unser deutsches Volk sich stumm
entwickeln hin zum Dirnentum?
Im Sumpf zugrunde gehen?
Der Paragraph bleibt stehen!

Heran, herbei, was deutscher Art!
Sie greifen nach der M u t t e r!
Gewehr bei Fuß! Wir halten Wacht!
Wir dulden diese P u r i m snacht niemals!
Ihr sollt es sehen!
Der Paragraph bleibt stehen!

Spationiert sind im Original nur „Purim“, „Mutter“ und „Die“, aber Vollklang hat alles. Jede Zeile ein Ramsauer. Dass der § 144, der die deutsche Frau eine „Frauensperson“ nennt, die letzte Schranke des Ariers vorstellt, ist der neue Gedanke. Offenbar ist gemeint, dass die Juden, die gar nicht daran denken, im Schöße der eigenen Familie Abtreibungen zu begehen, sondern fruchtbar sein und sich vermehren wollen, bloß nach der arischen Mutter greifen und den § 144 ausschließlich zur Verhinderung des bodenständigen Nachwuchses abschaffen möchten. Wenn er durch jüdische List fiele, so würden die Germaninnen offenbar gezwungen sein, keine Kinder zur Welt zu bringen, was Wotan verhüten möge... Wenn sie Gewehr bei Fuß halten, wird ja alles gut ausgehen, bis dahin mag getrost manch ein Trutzgesang mit einem mehr gemütlichen Liedchen abwechseln, wie etwa diesem:

„Mostschädl.“ (Oberösterreichisch.)
Der mih „Mostschädl“ hoaßt, Der beleidigt not mi. Weil i wirklön, wias wißts, A Mostschädl bi(n).
Wann a Most drinnat is, Isadenanötlahr... I tauschat mit koan' Wo a Stroh drinnat war'. Was aber würde der Dichter... für ein Gedicht machen, wenn ihn einer zufällig nicht Mostschädl, sondern Strohschädl genannt hätte? Ist dies nur die oberösterreichische. Tonart, so scheint die folgende Annonce:

!Arier heraus! Zur Gründung eines neuen Unternehmens, neuzeitlich, gewinnbringend, leichte Arbeit, Kapital zirka 100 Millionen, eventuell Gründung einer Genossenschaft. Rascher Entschluss, ehe Jude vorgreift. Unter „Massenartikel 1822“ an die Verw. d. Bl.

mehr Steirers letzten Versuch darzustellen. In den Rassenbelangen charakteristisch ist wohl die Furcht, dass Jude vorgreifen könnte. Es wird ja mit jedem Tag, den Odin die Sonne scheinen lässt, klarer, dass das germanische Ideal (wie auch das christlich-germanische) eine Verdrängung der jüdischen Schmutzkonkurrenz bedeutet. Bei meinem letzten Berliner Aufenthalt genoss ich in der Friedrichstraße eine Viertelstunde lang, ich konnte mich nicht satt hören, die Melodie, mit der ein unverfälscht germanisches Zeitungsweib den ,Fridericus' anbot: „Die neieste Nummaa - warumvadient der Jude schneller und mehr Jeld als der Christ“ „Die neieste Nummaa - warumvadient der Jude schneller und mehr Jeld als der Christ“. Nicht einen Groschen hat sie verdient..., und als ich nach zwei Stunden wiederkam, bewegte sich noch immer ein Neidmaul, das zum Symbol ungestillter arischer Sehnsucht erstarrt war: „Warumvadient der Jude schneller und mehr Jeld als der Christ“. Niemand begehrte es zu wissen, jeder nahm die Tatsache als gegeben hin und manche erkannten mitfühlend den Drang, der sich rasch entschließen möchte, ehe Jude vorgreift, nichts anderes will, als was dieser will, nämlich Geld verdienen, aber von der Natur durch jene Schranke gehindert ist, die die Juden dem Arier um alles in der Welt nicht entreißen möchten, durch den Stolz, der in den Worten des Dichters zum Ausdruck kommt:

Weil i wirklön, wias wißts, A Mostschädl bi(n).

Troglodytisches (1925)

Troglodyten ist die Bezeichnung für die höhlenbewohnenden Menschen der Urzeit.

In einem Flugblatt „Rassenverschlechterung durch Juda“ (1. Auflage für Deutschösterreich, 128. bis 178. Tausend), mit dem Vermerk „Weitergeben!“, wird aus dem Buche „Entdeckung der Seele“ von Professor Dr. Gustav Jäger, offenbar dem Manne, der durch die Erfindung der Jäger-Wäsche der deutschen Nation etwas Praktisches geschenkt und infolgedessen viel über Ausdünstung nachgedacht hat, der folgende Brief eines Fachkollegen an ihn zitiert:

Von Jugend auf hatte jeder Jude für mich einen absonderlichen, wenn auch nicht immer unangenehmen Duft und als Junge bekam ich manches Kopfstück, wenn ich ganz ungeniert Besucher unseres Hauses frug, ob sie auch Juden seien?

Diese Erfahrung, die die erwachsenen Rassenforschler leider nicht machen, hielt ihn jedoch nicht ab, seinen Geruchssinn auszubauen und zu vertiefen:

Später erkannte ich durch den Geruchssinn auch solche Personen, welche entweder durch Kreuzung oder durch Spiel der Natur nichts weniger als Juden gleichsahen, die auch niemand im entferntesten dafür hielt, ja, die es vielleicht kaum selbst mehr wussten, dass sie jüdischer Abstammung seien, oder doch nichts davon wissen wollten. 1847, als ich Pio nono in Rom den Pantoffel küsste, war ich der erste, der des Papstes hebräische Abstammung behauptete - die er 1861 selbst den Gebrüdern Cohn aus Lyon gegenüber zugestand - , und ohne dass ich es wusste, dass Kardinal Consalvi schon längst gesagt: .Eunebreo!'

Das Flugblatt von der „Nationalsozialistischen deutschen Arbeiter-Partei“ I. Elisabethstraße 9, also in einem österreichischen Regierungsgebäude verfasst, enthüllt noch den Plan der im Auftrag des internationalen Judentums handelnden Franzosen, durch die Verwendung farbiger Truppen im Rheinland und im Ruhrgebiet eine Schändung, Schwächung und Bastardisierung der deutschen heldischen germanischen Rasse herbeizuführen, und schließt mit der Aufforderung:

Die geschändeten Mädchen sollten sich durch freiwilligen Tod für das deutsche Volk opfern.

Gewünschter Opfertod ist der Germanin erspart geblieben, deren Abenteuer gelegentlich des Zionistenkongresses in der „Deutschösterreichischen Tageszeitung“ (auch „Dötz“ genannt) packend geschildert wird. Also das Dötz-Zitat:

Männer, hütet eure Frauen!
Man schreibt uns: Sie veröffentlichten vor einigen Tagen unter dem Titel „Mütter, hütet eure Kinder“, eine Mahnung, man solle auf seine Mädchen achten, damit sie nicht den grauslichen Wüstensöhnen, welche der Osten in diesen Tagen über unser Vaterland ausspeit, zum Opfer fallen.
Aber auch auf die Frauen müssen wir acht geben! Ich beobachtete in der Badener Elektrischen eine lehrreiche Begebenheit: War da ein weißbärtiger Ostjude in Begleitung eines zweiten, der eine krummnasig, der andere stumpfnasig. Wovon sprachen die beiden Hebräer - von e Prozess. Und als sie hierüber genug gemauschelt hatten, setzte sich der Stumpfnasige ins Nichtraucherabteil und der Krummnasige ins Raucherabteil.
Dort saß eine Frau in der Blüte ihrer Jahre, zwischen 30 und 35, mit einer Gestalt, wie man sie jetzt wenig findet, üppig, groß, mit einem Wort, der Typ einer Arierin. Der geile, weißbärtige Jude fixierte sie und setzte sich dann in ihre Nähe. Ich beobachtete gespannt, was nun kommen wird. Es vergingen keine vier Minuten, hatte er sie schon angesprochen. Die Frau wurde purpurrot, und hatte so viel Ehrgefühl, auf die Ansprache dieses Halbmenschen nicht zu reagieren. Als er sah, dass ich gespannt hinblickte, da zog er es vor, sich zu seinem Stammesgenossen ins andere Abteil zu begeben.
Daher Männer, hütet Eure Frauen! Auf dass sie nicht eine Beute dieser geilen Judenherde werden.

Aber was nützt alle Vorsicht, entweder hat eine Ehrgefühl im Leib: dann kann ihr ein ganzer Kongress von Zionisten nichts anhaben, oder ein anderes Gefühl: dann könnte die Obhut doch nur mechanisch verhindern, dass die Arierin, mit einer Gestalt, wie man sie jetzt wenig findet (folgt Gebärde in Richtung des so genannten Busams), den Wüstensohn als Oase empfindet und den Halbmenschen dem Vollgermanen vorzieht. Was tut Wodan, ist sie imstand, einen Zionistenkongreß interessanter zu finden als die Vereinssitzung der Cherusker in Krems, und Homolatsch, der Ehrenfeste, säße belämmert da, nachdem er sein Haussprüchlein vorgebracht:

Mein deitsches Weip - mein Heim - mein Kind - mir das Liebste - auf Erden - sind.

Wodan seidank ist die Gefahr vorüber.

MUSIK

Ein teuflischer Plan (1925)

„40 Jahre Fiakerlied. Die .Reichspost' wird um Aufnahme des folgenden Aufrufes ersucht: Am 24. d. jährt sich zum 40. Mal der Tag, an dem Alexander Girardi anlässlich eines großen von Fürstin Metternich zur Jahrhundertfeier der Wiener Fiaker für die Rettungsgesellschaft veranstalteten Wiener Volksfestes in der Rotunde zum ersten Mal das „Fiakerlied“ sang. Die „Gesellschaft zur Hebung und Förderung der Wiener Volkskunst“ begeht den Vorabend dieses Wiener Gedenktages durch eine große Veranstaltung in Weigls Dreherpark und bittet alle Wiener, den Etablissementsbesitzerverband, den Verband der Lichtspieltheater, den Musikerverband, die Internationale Artistenorganisation, die Kapellmeisterverbände, den „Zwölferbund“, den Bund der Berufssänger, die Schrammelmusiker- und -Sängerorganisation, alle sonstigen Musiker und Sänger, am 23. d. um 9 Uhr zur Feier des Tages in allen Wiener Familien, in allen Etablissements und Kinos das „Fiakerlied“ zu spielen und zu singen.“

Der Gottesfrevel ist auch in der Reichspost im Druck hervorgehoben, wird also von ihr offenbar begünstigt. Man hat keine zuverlässigen Berichte darüber, ob er vollbracht ward. Aber es ist anzunehmen, dass doch in manchen Wiener Familien damals Schlag 9 das Fiakerlied nicht gesungen wurde... Schließlich ist ja auch zu vermuten, dass etliche Wiener Familien durch Verluste im Weltkrieg noch heute so berührt sind, dass sie der Stolz auf zwa harbe Rappen nicht hinreichend entschädigen könnte, und andere wieder schon so weit saniert, dass ein am Graben stehendes Zeugl ihre Phantasie vergebens anregen würde. Eigentlich war aber die faktische Durchführung schon darum nicht nötig, weil der Eindruck, in einer Idiotenstadt zu leben, auch an solchen Tagen hinreichend stark ist, wo kein Jubiläum des Fiakerliedes gefeiert wird. Der Ausländer versuche sich jedoch vorzustellen, dass ich in einer Stadt wirke, in der auch nur der Plan gefasst wurde, dass zu einer bestimmten Minute sämtliche Eingeborenen das Fiakerlied anstimmen. Nicht wahr, da staunt der Fachmann und es verwundert sich der Leiermann! Wäre es geschehen, in solcher Nacht hätte sich kein Stern am Himmel gezeigt und ich hätte mich, durch die Straßen irrend, mit einem stillen Kusch zu den Fenstern empor begnügt... Aber dass es Krieg und Revolution geben würde, damit die Metropole des Verderbens das Fiakerlied anstimmt, das hatte einer doch nicht reiflich erwogen. Und bedenkt man dazu, dass Text und Musik dieses bodenständigen Liedes von einem Juden stammen, dann mag man erst ermessen, was da die Reichspost einer Bevölkerung angesonnen hat...

Die Cherusker in Krems (1924)

Die „Cherusker in Krems“ waren für Karl Kraus ein Synonym für das alldeutsch orientierte Kleinbürgertum.

„Zufolge vertraulicher Angaben hatte der Polizeibezirksleiter von Döbling Erhebungen über Vorgänge im Cafe“ Rudolfshof gepflogen. Die Anzeige besagte, dass sich im Jagdstüberl des Cafes unsittliche Vorgänge abspielen, dass sich dort eine unmoralische Stammtischgesellschaft zusammenfinde, der Geschäftsführer Anton W. einen unsittlichen Gummi gegen stand herumzeige, dass sich Frauen nackt produzieren und anderes. Infolgedessen war W. vor dem Bezirksgericht Döbling wegen Übertretung gegen die Sittlichkeit angeklagt.

Als Zeuge wurde auch der christlichsoziale Bezirksrat Seh. vernommen. Er wurde gefragt, ob er es für möglich halte, dass W. den weiblichen Gästen „laszive Figuren“ gezeigt habe. - Zeuge: Nein, er war wohl in seinen Ausdrücken etwas derb, aber so etwas habe er nie bei ihm gesehen.

Dann marschierten die Stammgäste des Jagdstüberls auf. Sie erzählten von lustigen Unterhaltungen und Zechereien, stellten jedoch unmoralische Begebenheiten in Abrede. Der Stammgast Leopold W. teilte mit, dass sich unter den Stammgästen Abgeordneter..., Landeshauptmann..., Landeshauptmannstellvertreter... und andere Politiker befanden.

Die Friseurin Antonie B. gab aber an, dass ihr W. einmal eine laszive Figur aus Gips gezeigt habe. Sonst wisse sie nichts. Sie habe das für einen harmlosen Scherz angesehen. - Zeugin Kathi K. erzählte: Einmal ist von W. etwas gezeigt worden, was in einer Lade aufbewahrt war. Er machte damals die Lade auf und legte den Gegenstand wieder hinein. Wir haben ihm gesagt, er solle es uns auch zeigen, und da hat er es uns auch gezeigt. -Richter Landesgerichtsrat Dr. R.: Eine Frau soll in die Lade gegriffen und dann zu ihrem Mann gesagt haben: „So, jetzt brauch' ich dich nicht!“ - Angeld: Ich habe damals sofort gesagt: „Das ist eine Gemeinheit, über meine Lade zu gehen!“ Das Ding hatte ein Gast einmal vergessen und ich hatte es aufbewahrt. - - Zeugin: Es war in der Lade in Papier eingewickelt - - Verteidiger Dr. Z.: Erinnern Sie sich, dass eine Frau dann zu ihrem Mann sagte: „Jetzt brauche ich Dich nicht mehr!“ - Zeugin: „Ja.“ - Dieser Vorfall wird noch von zwei Zeuginnen, Mutter und Tochter, bestätigt. Die Tochter gibt an: Es war damals eine Gesellschaft von der Wieden beisammen. Sie waren in angeheiterter Stimmung. Es waren sehr feine Leute beisammen. Es hat sich niemand entrüstet. --

Denn nur urtanäre Leute entrüsten sich. Und darüber werden in Wien - bis zum Freispruch -“Erhebungen“ gepflogen. Und es sind ganz dieselben Sumper und Biamten, die George Grosz anzeigen und konfiszieren. „Wir haben ihm gesagt, er solle es uns auch zeigen, und da hat er es uns auch gezeigt“, spricht die Wiener Sittlichkeit. Fürs Leben gern sich einmal anstoßen lassen, um hinterdrein Anstoß nehmen zu können. Täter und Kläger aus einem Holz. Eine Zeugen- und Zeuginnenreihe, aus der sich jene grässlichen Gesellschaften zusammenstellen lassen, die nach einem Hügelhomsolovereinsabend unvermutet ein Kaffeehaus überfluten und zwölf im Nu zusammengerückte Tische besetzen. Von dem Anblick abgesehen, machen Quietschen und Grölen jedes fernere Verweilen unmöglich. Die Weiber, vom Humor durchdrungen, gehen zu zweit auf die Toilette, was abermals ein Gaudium bewirkt. Alles ist feuchtfröhlich. Draußen schüttet's natürlich, man ist deshalb gezwungen, das weiter mitzumachen, was aber auch unmöglich ist, denn soeben ist einem das Wort entfahren „Ah, sie regnet!“ Immer weitere Cherusker aus Krems ziehen ein. Zwei Weiber kehren von der Toilette zurück, biegen sich vor Lachen, haben gewiss etwas Gspaßiges draußen gelesen. Die andern sagen, sie sollen es ihnen auch zeigen, und da haben sie es ihnen auch gezeigt. Ein begabter jüngerer Herr hat soeben „Tischlampe - der Schlampen“ dekliniert. Die Weiber bekommen Schnackerl, die Männer stoßen auf. Man hat nicht die Empfindung, in einer Epoche zu leben, in der man schon nach Amerika fliegen kann; wiewohl man es möchte. Die dort kenne ich, es muss jene sein, welche beim Anblick des chauffierenden Negers ausgerufen hat: „Hirst, is dr der am ganzen Kirper Schwoaz?“ Es sind sehr feine Leute beisammen. Es hat sich niemand entrüstet. Es ist der Menschenschlag, der durch seine Politiker, Beamten, Minister unsere öffentlichen Angelegenheiten, unsere Justiz, unsere Kultur besorgt. Und es ist ein Wunder, wenn sich junge Menschen, die in das so beschaffene Leben hinaustreten sollen, nicht umbringen, ohne dass ihnen in der Schule ein Leid geschah.


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