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Keine lästige Pflicht, sondern aufrichtige Verpflichtung

  • Sonntag, 6. Mai 2007 @ 18:10
Antifa Rede von Stefan Krenn, Gemeinderat in Attnang-Puchheim, bei der Kundgebung bei der Gedenktafel von KZ-Verband OÖ und KPÖ-Oberösterreich an der Klagemauer im ehemaligen KZ Mauthausen für die kurz vor Kriegsende ermordeten Widerstandskämpfer im Rahmen der Befreiungsfeier am 6. Mai 2007

Wir haben uns heute hier versammelt, um der Opfer der Nazidiktatur zu gedenken. Diese Kundgebung ist uns nicht lästige Pflicht, sondern aufrichtige Verpflichtung gegenüber jenen Menschen, die sich, wenn auch vergeblich, wehrten gegen Unterdrückung, Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit und Krieg, gegen die offene Diktatur des Kapitals. Sie wurden ermordet, weil sie die Demokratie verteidigten und sich zur Wehr setzten gegen Inhumanität, Gewalt und Barbarei.

Unser Gedenken soll aber nicht nur Erinnerung sein an vergangene Zeiten, erstarrt als jährlich wiederkehrendes Ritual, sondern auch die besorgniserregenden politischen Entwicklungen der letzten Jahre und der Gegenwart mit einschließen. Seit dem Zusammenbruch der sozialistischen Länder ist eine dramatische Verschärfung der internationalen Lage eingetreten, verursacht durch die Weltherrschaftsgelüste der US-Regierung und ihre Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak.

Sie halten die reaktionären arabischen Königshäuser am Leben und finanzieren den Krieg Israels gegen die Palästinenser und halten ganze Weltregionen im Würgegriff, obwohl eine deutliche Mehrheit der englischen Bevölkerung diese Politik ablehnt, unterstützt die britische Regierung den Kurs der Amerikaner , die Bundeswehr verteidigt die Freiheit des Kapitals am Hindukusch und im Kongo und die Rüstungsspirale dreht sich weltweit immer schneller. Das lässt nur den einen Schluss zu, dass die herrschenden kreise einen umfassenden krieg gegen die Menschheit um Rohstoffe und strategische Kontrollen vorbereiten.

Aber auch Innen- und wirtschaftspolitisch geht eine Verschärfung mit Riesenschritten vor sich. Der Überwachungsstaat ist längst Realität und nimmt immer mehr totalitärere Formen an. Europa und die USA haben die Einwanderungsbestimmungen deutlich verschärft. Sozialleistungen werden demontiert. Tages- und Lebensarbeitszeit werden verlängert. Ungeschützte und atypische Arbeitsverhältnisse werden zur Regel und in vielen Ländern ist Rassismus und Fremdenfeindlichkeit längst wieder salonfähig.

Bei der letzten Nationalratswahl konnten FPÖ und BZÖ rund 15 Prozent der Stimmen für sich verbuchen, wobei die Propaganda dieser beiden Parteien ganz offen rassistisch und fremdenfeindlich ausgerichtet war. Und vor einer Woche heizte Strache im Bierzelt die Stimmung mit markigen Sprüchen weiter an.

Unsere heutige Kundgebung ist eine Antwort auf all diese Versuche, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Wir demonstrieren, dass wir nicht gewillt sind, diese Entwicklung ohne Gegenwehr hinzunehmen. Eine Entwicklung, die ins Verderben führt und den Untergang der Menschheit zur Folge haben könnte.

Heute gedenken wir all der Menschen, die während der Zeit der braunen Barbarei Widerstand geleistet haben. Wir gedenken an dieser Stelle der Mitglieder der „Welser Gruppe“, die meisten davon waren Kommunisten, die währen der allerletzten Tage im April 1945 ermordet wurden, um keine aufbauwilligen Kräfte am leben zu lassen. Wir kämpfen in ihrem Sinne um zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. Dazu werden wir einen langen Atem brauchen doch wir haben keine andere Möglichkeit. Schließen möchte ich mit einem Auszug aus dem Gedicht „An die nachgeborenen“ von Bertolt Brecht:

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende
hat die furchtbare Nachricht
nur noch nicht empfangen.

Man sagt mir: Iß und trink du, sei froh, dass du hast!
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
ich den Hungernden entreiße, was ich esse, und
mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt.
Und doch esse und trinke ich.

Ich wäre gerne auch weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
Sich aus dem Streit der Welt halten und die kurze Zeit
ohne Furcht verbringen
auch ohne Gewalt auskommen
Böses mit Gutem vergelten
seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen
gilt für weise.
Allein das kann ich nicht:
wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten.

In die Städte kam ich zur Zeit der Unordnung
als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zur Zeit des Aufruhrs
und ich empörte mich mit ihnen.
So verging meine Zeit,
die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel
lag in großer Ferne.
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
kaum zu erreichen.
So verging meine Zeit
die auf Erden mir gegeben war.

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut
in der wir untergegangen sind
gedenkt
wenn ihr von unseren Schwächen sprecht
auch der finsteren Zeit
der ihr entronnen seid.

Dabei wissen wir doch:
auch der Hass gegen die Niedrigkeit
verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
macht die Stimme heiser. Ach, wir
die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es so weit sein wird
dass der Mensch den Menschen ein Helfer ist
gedenkt unserer
Mit Nachsicht.


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Franz Haider (1907-1968). Magistratsbediensteter, Sportler, Parteifunktionär, Widerstandskämpfer, Arbeiterpolitiker, Journalist: Das vielseitige Leben des Kommunisten Franz Haider.
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