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Alfred Klahr (1904–1944)

  • Sonntag, 16. September 2007 @ 06:58
Biografien Alfred Klahr wurde am 16. September 1904 geboren. Sein Vater, Salman Klahr, ein kleiner Angestellter der Israeltischen Kultusgemeinde, war als Kantor des Bethauses in der Taborstraße tätig, seine Mutter rackerte sich mit einer sechsköpfigen Kinderschar ab: Alfred Klahr hatte fünf ältere Schwestern. Klahr wurde Mitglied der Vereinigung Sozialistischer Mittelschüler bei und trat später gemeinsam mit einer Gruppe anderer VSM-Mitglieder zum Kommunistischen Jugendverband (KJV) in Wien-Leopoldstadt über. 1924 wurde er Mitglied der KPÖ.

Nach dem Studium der Staatswissenschaft an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien wurde Klahr am 17.7.1928 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Seine Dissertation verfasste er zum Thema „Das Verhältnis von Parlament und Regierung in parlamentarischen Republiken“ bei Hans Kelsen und Adolf Merkl.

Nach seiner Promotion arbeitete Klahr als Journalist: zuerst als Praktikant bei der Berliner Roten Fahne, dem Zentralorgan der KPD, nach diesem Jahr der journalistischen „Lehrzeit“ als Redakteur der Roten Fahne in Wien. Von 1930 bis 1932 war Klahr in Moskau an der Komintern-Schule, sowie als Vertreter des KJV in der Kommunistischen Jugendinternationale tätig. Nach seiner Rückkehr wurde er stellvertretender Chefredakteur und Leitartikelschreiber der Roten Fahne, die am 22.7.1933 vom Dollfuß-Regime verboten wurde.

Nach den Februarkämpfen wurde Klahr im April 1934 verhaftet und war bis Mitte Dezember 1934 in der Rossauerlände in Haft. Nach seiner Freilassung emigrierte er nach Prag, wo sich die leitenden Mitglieder des Zentralkomitees der KPÖ befanden, und beteiligte sich an der Herausgabe der illegalen Roten Fahne. 1935 bis 1937 war Klahr als Lektor im österreichischen Sektor an der Internationalen Lenin-Schule in Moskau tätig.

In diese Zeit fällt auch seine systematische Beschäftigung mit dem Thema der Herausbildung der österreichischen Nation. Im März- und Aprilheft der theoretischen Zeitschrift der KPÖ Weg und Ziel erschien 1937 seine Artikelserie „Zur nationalen Frage in Österreich“, in der Klahr (unter dem Pseudonym „Rudolf“) den Gedanken einer eigenständigen österreichischen Nation entwickelte und wissenschaftlich fundierte. Klahr wies nach, dass Österreich kein Teil der deutschen Nation sei, sondern vielmehr eine eigenständige nationale Entwicklung aufweisen könne. Damit im Zusammenhang unterstrich er die Bedeutung der nationalen Frage für die Erhaltung der Unabhängigkeit Österreichs, die er als „nationalen Kampf“ sah. Klahrs zweiteiliger Aufsatz wurde nach 1945 zuerst in Auszügen, 1979 in einem Sonderheft der Zeitschrift Weg und Ziel vollständig wiederabgedruckt. 1994 erschien ein von der KPÖ herausgegebener Sammelband mit sämtlichen Arbeiten Klahrs zur Frage der österreichischen Nation.

1937 ging Klahr nach Prag, wo er als Redakteur von „Weg und Ziel“ tätig war. Nach dem Münchner Abkommen und Überfall Hitlers auf die Tschechoslowakei floh er nach Paris und Brüssel, wo er zeitweise die österreichische kommunistische Emigrantengruppe leitete. Unter der Redaktion von Klahr wurde in Belgien die Rote Fahne hergestellt und von dort aus illegal nach Österreich gebracht. Im Mai 1940, als deutsche Truppen in Belgien einmarschierten, wurden JüdInnen und politische Flüchtlinge von den belgischen Behörden als „feindliche Ausländer“ per Bahn nach Südfrankreich transportiert, wo man sie im Lager St. Cyprien internierte. Im August 1940 gelang Klahr die Flucht aus dem Internierungslager. Im Sommer 1941 überschritt er illegal die Schweizer Grenze, worauf er in der Schweiz für die österreichische Widerstandsbewegung tätig war. Anfang September 1941 erfolgte seine Verhaftung durch die Zürcher Kantonspolizei. Er wurde an die französische Vichy-Polizei ausgeliefert, die ihn im Lager Le Vernet internierte. Von dort wurde er Ende August 1942 ins KZ Auschwitz abtransportiert. Das Internationalen Lagerkomitee in Auschwitz ermöglichte Klahr Ende Juni 1944 die Flucht aus dem KZ. Klahr schlug sich nach Warschau durch, wo er von einer SS-Streife aufgegriffen und erschossen wurde.

Klahr hat mit seinen damals umstrittenen und heftig diskutieren wissenschaftlichen Arbeiten Erkenntnisse vorweggenommen, die heute zu den politischen Selbstverständlichkeiten in Österreich zählen. Dennoch hat das Werk von Alfred Klahr nach 1945 nicht die seiner historischen Bedeutung für die weitere Entwicklung Österreichs entsprechende Würdigung gefunden, in der akademischen Wissenschaft wurde es bestenfalls am Rande zur Kenntnis genommen.

Am 12.9.1979 wurde Klahr von der österreichischen Bundesregierung posthum das „Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung der Republik Österreich von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ verliehen. Im November 1953 wurde an seinem Wohnhaus in Wien 2., Novaragasse 17-19, eine Gedenktafel angebracht: „In diesem Haus lebte Dr. Alfred Klahr. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er im Alter von 39 Jahren im Juli 1944 von den SS-Faschisten ermordet. Er kämpfte für ein freies, demokratisches Österreich, für den Frieden und für das Glück der Menschheit. Mögen die Menschen sein Opfer verstehen.“

Sein Name findet sich auf der Gedenktafel für die 12 Zentralkomiteemitglieder, die anlässlich des 14. Parteitages der KPÖ (1948) im Haus des Zentralkomitees (Wien 9., Wasagasse) enthüllt wurde und sich jetzt im Haus der KPÖ Wien 10 (Wielandschule) befindet.

Quelle: Alfred Klahr Gesellschaft (AKG), www.klahrgesellschaft.at


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