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Korea: Der vergessene Krieg

  • Dienstag, 31. Oktober 2006 @ 11:46
Frieden Am 25. Juni 1950 begann der Angriff nordkoreanischer Truppen auf das westlich orientierte Südkorea, ein Krieg den die kommunistischen Machthaber Pjöngjangs binnen weniger Wochen für sich entschieden haben wollten. Das schnelle Eingreifen einer mit UN-Mandat ausgestatteten, vor allem US-amerikanischen Entsatzarmee machte diese Hoffnung zunichte, so wurde aus dem Korea-Krieg eine der blutigsten Auseinandersetzungen seit 1945.

Die Nordkoreaner schlugen mit chinesischer und sowjetischer Unterstützung neuerlich zurück, einige Male standen die USA kurz davor Atomwaffen einzusetzen. Die Welt stand am Abgrund. Erst nach Stalins Tod 1953 konnten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand einigen, der bis heute gültig ist und in etwa der Demarkationslinie von vor dem Krieg entspricht. Etwa 4,5 Millionen Menschen hatten dafür ihr Leben gelassen, darunter in etwa 1 Million Chinesen und 37 000 US-Amerikaner.

Doch der Krieg hatte Veränderungen auf der ganzen Welt bewirkt, und denen widmet sich Autor Rolf Steininger, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck, ausführlich. So ausführlich, dass einem bei der Lektüre mitunter das Gefühl beschleicht: Moment mal, hier wird ja der Krieg in Korea wieder vergessen. Das detaillierte Beschreiben der Entscheidungsfindungsprozesse in den USA oder der UNO nimmt wesentlich mehr Platz ein als das Darstellen der Absichten der eigentlichen Hauptbeteiligten, der beiden Koreas und Chinas.

Der Verlauf der Kampfhandlungen wird mitunter nur stichwortartig wiedergegeben („Eroberung Seouls“ „Rückeroberung Seouls“), während belanglose Details immer wieder erwähnt werden: So kann man nicht weniger als 5 mal lesen, das der spätere populäre Astronaut John Glenn als Kampfpilot 3 MiGs abgeschossen hat. Auch die Pauschalisierung aller chinesischen und nordkoreanischen Soldaten als „Kommunisten“ stößt übel auf, zumal sie ja keineswegs den Tatsachen entspricht, wie Steininger an andrer Stelle selbst darlegt.

Fazit: Trotz mancher Mängel ein interessantes, flüssig geschriebenes Werk, das den Anspruch auf eine umfassende Gesamtdarstellung der Ereignisse aber nicht einlösen kann, zu US- bzw. eurozentristisch ist der Blickwinkel. Lobenswert die Karten, die Bibliographie, Glossar und Personenregister, die das Buch auch zum Nachschlagen geeignet machen. Wer zum Korea-Krieg in deutscher Sprache lesen will, wird an diesem Werk so oder so nicht vorüber können: Es gibt kein andres.

DER VERGESSENE KRIEG
Korea 1950 – 1953
Olzog Verlag, München 2006
248 Seiten, 93 Abb., 6 Faksimiles, 4 Karten
Euro 25,20

Thomas Rammerstorfer


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