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Gusenbauer: Adidas lässt grüßen…

  • Sonntag, 6. August 2006 @ 10:32
Österreich Einen schönen Sommer wünscht SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer via Schaukastenplakat. Wer genauer hinschaut stellt fest, dass sich Gusenbauer dabei ganz sommerlich in einem Markenhemd mit Adidas-Logo präsentiert, was natürlich die Frage aufwirft, ob die SPÖ für dieses Product Placement möglicherweise sogar noch Honorare kassiert.

Politisch ist das freilich noch viel brisanter. Adidas ist eine jener 50 globalen Marken, die „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne“ von Klaus Werner und Hans Weiss (Deuticke 2005) als ein Negativbeispiel im Umgang mit Arbeitskräften, Umwelt, KonsumentInnenschutz etc. auflistet.

Im Firmenporträt der Adidas-Salomon AG (Werbespruch: „Die ´besten´ in sozialen und ökologischen Fragen“) heißt es nämlich wörtlich:

- Produkte, Marken Sportbekleidung und Sportgeräte der Marken Adidas, Arcteryx, Bonfire, Cliche, Erima, Mavic, Maxfli, Salomon und Taylormade
- Homepage http://www.adidas-salomon.com
- Firmendaten: Umsatz (2002): 6,5 Milliarden Euro, Gewinn (2002): 390 Millionen Euro, Beschäftigte: 14.700 Sitz: Herzogenaurach (Deutschland)
- Vorwürfe: Ausbeutung, Kinderarbeit, sexuelle Belästigung und andere Missstände in Zulieferbetrieben

Adidas ist nach Nike mit 15 Prozent Marktanteil die Nummer zwei auf der Weltrangliste der Sportartikelhersteller. Ein großer Teil der Firmenaufwendungen entfällt nach eigenen Angaben auf Werbung, während das deutsche Unternehmen für die Lebensbedingungen von Arbeiterinnen in den Zulieferbetrieben wesentlich weniger ausgibt: Rund 21 Cent machte der Stundenlohn etwa in der Fabrik »Yue Yuen« in China aus. Die Arbeitszeit betrug dort zwischen 60 und 84 Wochenstunden.

Arbeiterinnen aus Adidas-Zulieferbetrieben in El Salvador berichteten im Jahr 2000 über zwölfjährige Kinder, die Überstunden verrichten und bis zum Arbeitsbeginn am nächsten Morgen auf dem Fußboden der Fabrik schlafen mussten. Die Arbeiterinnen seien zu Überstunden und Schwangerschaftstests gezwungen worden, Krankenstände wurden verboten, die gewerkschaftliche Selbstorganisation wurde unterdrückt.

Außerdem wurden immer wieder Fälle von Diskriminierung und sexueller Belästigung bekannt (siehe Seite 215). Auch in indonesischen Zulieferbetrieben wurden die Arbeiter, darunter auch Jugendliche unter 15 Jahren, zu Überstunden gezwungen. Strafmaßnahmen umfassten Entlassungen, Einsperren, Lohnkürzungen, Kloputzen und demütigendes »Strafestehen« vor der Fabrik. Immer wieder sei es zu sexuellen Belästigungen gekommen, berichtet die indonesische Arbeiter-Hilfsorganisation PMK. Der Lohn liege teilweise sogar unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Unabhängige Gewerkschaftsarbeit werde behindert.

Anfang 2002 überschritt die Bakterienbelastung im Trinkwasser eines Zulieferbetriebs in El Salvador den zulässigen Grenzwert um das 650-fache. Erst nach Konsumentenprotesten in Europa sah sich Adidas zu Gegenmaßnahmen gezwungen. Ende 2002 demonstrierten 350 Arbeiterinnen gegen die thailändische Firma »Bed and Bath Prestige Company«, die für Konzerne wie Nike, Levi Strauss, Adidas und Reebok produzierte.

Die Firmeneigner schuldeten den Arbeitnehmerinnen Gehälter und Entschädigungen in der Höhe von insgesamt rund 400.000 Euro. Darüber hinaus berichteten sie von erzwungenen Überstunden. Es sei ihnen sogar Trinkwasser verabreicht worden, das mit Amphetaminen angereichert war, damit sie bis tief in die Nacht hinein arbeiten könnten. Selbst im Fall von Krankheit oder Schwangerschaft haben sie weiterarbeiten müssen. Nach Konsumentenprotesten wurde den Arbeiterinnen eine teilweise Entschädigung durch das thailändische Arbeitsministerium zugestanden.

Im März 2003 erschien der Bericht »We are not machines« (»Wir sind keine Maschinen«) einer internationalen Arbeitsgruppe aus Menschenrechtsorganisationen, in dem Nike und Adidas vorgeworfen wird, dass Näherinnen in Indonesien Löhne von nur 2 Euro am Tag erhalten. Sie seien deshalb sogar gezwungen, ihre Kinder wegzuschicken, weil sie sie nicht mehr ernähren können. Arbeiterinnen, die sich unabhängigen Gewerkschaften anschließen, müssten »Kündigung, Gefängnis oder physische Gewalt befürchten«. Darüber hinaus ist von gefährlichen Arbeitsbedingungen und der sexuellen Diskriminierung von Frauen die Rede, die sich während der Menstruation sogar vor Firmenärztinnen entblößen müssten, um ihre Blutungen zu beweisen.

Konfrontiert mit solchen Vorwürfen antwortet Adidas, man habe bereits Maßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen eingeleitet. Diese müssen jedoch erst nachgewiesen werden. Unabhängige Kontrollen hat Adidas nach wie vor nicht etabliert. Tierschützer hielten Adidas im Mai 2003 vor, als Hauptabnehmer von Känguru-Häuten, aus denen Fußballschuhe gefertigt werden, mitverantwortlich zu sein für den massenhaften Abschuss der Tiere. Adidas wies die Vorwürfe zurück.

Jetzt bleibt nur die Frage, was uns Gusenbauer mit diesem demonstrativen Product Placement eigentlich sagen will und welche Rückschlüsse auf die Politik der SPÖ damit verbunden sind…


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