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Öffentlicher Raum ist für alle da

  • Mittwoch, 31. Mai 2006 @ 11:37
Wohnen Der Obdachlosenchor der Straßenzeitung Kupfermuckn sang am 31. Mai die Landeshymne beim Stelzhamerdenkmal im Linzer Volksgarten.

Sandler in den Parks, Obdachlose am Bahnhof, Punks am Taubenmarkt, oder Jugendliche auf der Donaulände. Sozial schwache Bevölkerungsgruppen werden immer wieder - auch in den Medien - als Belästigung im öffentlichen Raum hingestellt. Dies erfolgt mitunter auch schleichend durch das Verschwinden oder bewusste Weglassen von Infrastruktur wie z.B. einer öffentlichen Toilette beim neuen Bahnhof. Das neue Musiktheater wird aus dem Schutthaufen des UKH an den Park heranwachsen. Als Vorboten mahnten wir musikalisch beim Denkmal des Dichters der Landeshymne, die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen ein. Wir fordern, dass die Stadtplanung auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft stärker Rücksicht nimmt.

Wir brauchen:
- öffentliche unentgeltliche Toiletten an Orten wo sich viele Menschen aufhalten – am Bahnhof sind es z.B. täglich 30.000.
- Parks, die nicht nur zum anschauen da sind, sondern die von allen Bevölkerungsschichten beleben werden.
- Treffpunkte mit einem Mindestmaß an öffentlicher Infrastruktur ohne Konsumationszwang gerade auch für Jugendliche - etwa auf der Donaulände.
- Zentrale Plätze wie der Taubenmarkt, wo sich der Generaldirektor genauso wohl fühlt, wie Menschen, die sonst am Rande der Gesellschaft stehen.

Die Parks sind „Hoamatland“ für alle!

Ich wohne seit drei Jahren in der Notschlafstelle in der Waldeggstraße. Unter Tags ist dort geschlossen, und irgendwo brauchen wir auch unseren Freiraum. In den Parks kann man sich mit Gleichgesinnten treffen. Dort gibt es immer wieder Probleme mit den Leuten, aber auch mit der Polizei und der Securitas. Doch man darf nicht alle auf einen Haufen werfen. Wenn ich nach der Arbeit ein Bier trinken will, will ich auch meine Ruhe dabei haben. Was so manches Mal ein Problem ist, denn dann kommt die Polizei und vertreibt mich. Denn — »Sandler wollen wir nicht bei uns in den Parks« - heißt es immer wieder. Oder - mit Hunden darf man auch nicht hinein, weil die ja einen Haufen machen, und man den nicht wegräumt. Doch eines muss ich sagen, egal wo ich mit den Hunden hingehe, wir hinterlassen keine Spuren! Ich will ja auch nicht in einen Hundehaufen steigen. Eines möchte ich sagen, lasst den Leuten ihren Freiraum solange sie Ordnung halten, Ruhe geben und sich halbwegs ordentlich verhalten, denn auch wir wollen irgendwo unsere Ruhe haben! Ich finde es richtig, dass man Störenfriede entfernt. Doch jeder Mensch ist nicht gleich, den Unterschied soll man erkennen, und wenn nicht, legt euch Menschenkenntnis zu!
Sonja

Schlimm ist derjenige am Linier Bahnhof dran, der dringend ein Örtchen sucht!

Als ich das erste Mal nach dem Umbau des Bahnhofs nach Linz kam, mit einem Null Komma Josef im Bauch, und das in Verbindung mit einem Kaffee, den ich im Leonardo trank dachte ich: »Da gibt es kein WC.« Ich lief Richtung Auskunftsstelle mitten in der Halle. Die Dame dort deutete wortlos hinter sich, und ich spurte los. Endlich, bei den Busterminals die Offenbarung. WCs in Hülle und Fülle zu je 50 Cent. Toll, die habe ich und plötzlich fängt ein Rad in meinem Kopf an sich zu drehen. »50 Cent« denke ich, »das waren früher einmal sieben Schilling, also fast eine halbe Bier im Gastgarten, oder eine Familienpackung Stellwerk beim Kramer«, und plötzlich machte mir das Pinkeln auch keine rechte Freude mehr. Genauso wenig wie mit dieser Privatarmee da draußen, die Security. Bei diesen Asphaltcowboys, ausgestattet mit den Rechten, der für mich immer noch realen Polizei. Das Einzige, was mich ein wenig aufheitert, ist dieser Bahnhof an sich. Da mein Bruder Architekt ist, brachte er mich auf den Gedanken, mich ein wenig damit zu beschäftigen.
Michael

Donaulände - Sitzrecht und Spaßkonsum im olle!

Die Lände ist für alle da, nicht nur für Sonntagsspaziergänger! Kein Rufmord mehr an alternativen Jugendgruppen! Verpflichtender Putzdienst für alle trinkfreudigen Ländebesetzer!

Die Donaulände, Platz für die Freizeitgestaltung aller Jugendlichen oder Sperrgebiet für Bunthaarige und anderes trinkfestes Gesocks? Verfolgt man die Berichte diverser Lokalnachrichten, müsste man zweiteres glauben. Wie man weiß, herrschen dort des Öfteren hunde- und menschenfeindliche Sitten. Ich selbst bin ja der Meinung, dass der Donaupark grundsätzlich groß genug wäre für alle, und auch wie jeder andere Park mit der sehr nützlichen Erfindung, dem Mülleimer, ausgestattet ist. Dies dürfte aber zu einigen Menschen, die sich des Öfteren dort aufhalten, noch nicht durchgedrungen sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dort sehr oft Glasflaschen kaputtgeschlagen werden und das nicht selten von Leuten, die es eigentlich als Hundebesitzer besser wissen müssten. Auch ist die Donaulände ein öffentlicher Park und somit für alle da. Dennoch gibt es Leute, die anderen Ländenverbot erteilen wollen, und nicht selten kommt es dabei zu gewalttätigen Übergriffen. Dies passiert nicht selten unter starkem Alkoholeinfluss, weil gewisse dann einfach ein ziemlich hohes Gewalt- und Aggressionspotential haben. Es wäre sicher denkbar, den Alkoholgenuss nicht gänzlich zu unterbinden aber einzuschränken.
Crazy

Beim neuen Bahnhof wurde auf die Menschlichkeit vergessen.

Seit es den neuen Bahnhof gibt, gibt es mehr Probleme für Leute, die sich viel dort aufhalten. Es gibt kein öffentliches Klo mehr, denn nun kostet es 50 Cent. Da braucht man Kleingeld. Es ist kein Wunder, wenn dann immer mehr Leute hinter die Plakatwände und Bäume gehen. In der Eingangshalle gab es bis vor einigen Monaten noch Bänke, die jetzt weg sind. Alles nur, damit sich »unerwünschte Leute« nicht mehr am Bahnhof aufhalten. Ärger gibt es weniger mit der Polizei als mit dem Security Personal. Die ziehen Handschuhe an und schleppen die Leute bis zur nahe gelegenen Bushaltestelle. Vertreiben wollen sie Obdachlose, hauptsächlich von der Notschlafstelle oder die in der Waggonie schlafen und die Punks. Die Punks sind momentan kaum am Bahnhof. Im Bahnhof gibt's Rauchverbot, rauchen geht man zum großen Aschenbecher draußen. Wenn man eine Bierdose in der Hand hält, wird man vertrieben. Die Stadt Linz oder ÖBB sollten ein mobiles Klo aufstellen.
Sonja

Der Taubenmarkt ist der zentrale Treffpunkt von Linz

Eine der neuen Volkssportarten in unserer schönen Stadt scheint das Vertreiben von Menschen zu sein. Schon bald nach der erfolgreichen Vertreibung von der Donaulände zog eine Gruppe von obdachlosen Menschen, darunter erschreckend viele junge Menschen, weiter zum Taubenmarkt. Freilich mehrten sich bald die Beschwerden der Menschen, welche im Umfeld leben oder ihre Geschäfte betreiben. Auf den ersten Blick würde man ja meinen, mit Recht, stellten die Zugezogenen eine doch sehr bunte und laute Gesellschaft dar, doch frage ich euch nun, wie es mit dem Recht auf Wohnen für diese Menschen aussieht. Haben Obdachlose überhaupt Rechte, oder stellen sie bloß Sandsäcke für ein längst frustriertes und geknechtetes Arbeitervolk dar? Manche unserer Zeitgenossen sollten nur eine Woche lang ohne Geld, Arbeit und Wohnung sein, sicher könnten Sie dann besser beurteilen, wie es diesen unseren Kindern wirklich geht. Möglicherweise wären dann auch welche dabei, die unseren Jugendlichen und Obdachlosen anders gegenübertreten und nicht noch weiter diskriminierend auf Randgruppen einwirken würden. Doch wie uns Statistiken deutlich zeigen, werden die Ausgegrenzten immer mehr. Das Menschenleben der Obdachlosen wird jedoch immer weniger wert. Eine kalte und kranke Gesellschaft in der wir leben.
Hannes

Jeder hat ein Platzchen wo er sich gerne aufhalf, und Jos ist glaub ich auch jedem sein gutes Recht!

Wir sangen die Landeshymne laut, falsch, aber mit Begeisterung. Heinz Zauner hat mit seiner Rede, dass unser Hoamatland für alle da ist, sehr vielen unterprivilegierten Leuten ins Herz geschaut und gesprochen. In den Nachrichten, der Krone, im Kurier, im Kirchenblatt und sogar im Radio wurde davon berichtet, und ich hoffe, dass das einigen höher gestellten Personen zu denken gibt, und diesbezüglich auch etwas machen. Denn, wo sollen sich die jungen bzw. auch älteren Leute denn aufhalten, wenn man überall stört und vertrieben wird? Ein Aufruf an die pingelige Gesellschaft - schaut doch auch mal weg, und seid nicht so kritisch!
Lilli

Quelle: Kupfermuckn 07/2006


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Kommunistischer Widerstand im Bezirk Wels. Sie kämpften gegen Faschismus und Krieg.
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