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Kurt Palm im „Kurier“-Interview

  • Dienstag, 18. Juli 2006 @ 20:14
Wahlen „Arbeitslosigkeit ist unnatürlich“

Regisseur Kurt Palm über gierige Egoisten und die absurde Reise der Marillen

Die Wirtschaftskammer wirbt mit dem Spruch: Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut. Stimmt das?

Das ist die größte Lüge! Es muss richtig heißen: Geht's der Wirtschaft gut, geht's den Kapitalisten gut. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Ich habe das Gefühl, dass es in der Wirtschaft keine ethischen Werte mehr gibt. Es geht nur noch um den Profit. Einem anderen zu helfen, dem es schlecht geht, ist völlig weg aus der Gesellschaft. Es geht nur darum, der Schönste, Beste, Reichste zu sein. Wir leben im Zeitalter der Gier und des Entertainments.

Was würden Sie als Erstes ändern, wenn Sie Wirtschaftsminister wären?

Ich würde 1000 Euro Grundeinkommen plus die Miete für alle einführen. Sicher müsste man über die Finanzierung reden, aber das Geld ist zweifellos vorhanden, wir sind eines der reichsten Länder der Welt.

Würden Sie die Privatisierungen von Ex-Staatsbetrieben wie Post oder Telekom zurücknehmen?

Natürlich – zu 100 Prozent, wenn das überhaupt noch geht. Nehmen Sie nur die Post her, die Postämter am Land sperrens' zu, dafür sind die Wartezeiten vorm Schalter seit dem Börsegang nur noch länger geworden. Sie haben einfach zu wenig Personal.

Wie kann die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden?

In der Natur gibt es keine Arbeitslosigkeit, weil jeder was zu tun hat. Ich verstehe nicht, warum Personal-Einsparungen immer als Erfolg gewertet werden. Es ist falsch, wenn Dinge, die vorher fünf Leute getan haben, jetzt nur noch zwei machen. Ich würde den Spieß umdrehen und es bei hoher Arbeitslosigkeit sieben Leute machen lassen. Also die Arbeit auf mehr Köpfe aufteilen, etwa durch Arbeitszeitverkürzung.

Ihre Partei, die KPÖ, will eine Millionärs-Steuer einführen. Wie soll das gehen?

Also ich bin da jetzt nicht der Wirtschaftsexperte, aber das kann doch nicht so schwer sein. Die Idee ist vernünftig und die Umsetzung sollte möglich sein. Eine Gesellschaft, die ein Minimum an Solidarität hat, müsste es doch schaffen, dass die Reichen fünf Prozent Vermögenssteuer zahlen. In Deutschland gab es doch auch die DDR-Steuer.

Wie haben Sie Ihr Geld angelegt, besitzen Sie Aktien?

Nein. Ich hatte einmal welche, aber das mit dem Kurse Beobachten war mir dann zu anstrengend und ich hab wieder aufgehört damit. Mich machte das einfach zu nervös. Ich habe zwei Lebensversicherungen und ein stinknormales Sparbüchl. Aber ich weiß gar nicht, wie hoch dort meine Zinsen sind, so zwei bis drei Prozent denke ich. Wenn ich mehr Geld haben will, mache ich lieber mehr Auftritte.

Sie kritisieren die Gier. Kaufen Sie nie Aktionswaren ein?

Also die Ananas um 5 Euro kauf ich nicht, natürlich schau ich auf Angebote. Es geht beim Einkaufen aber viel mehr um Bewusstseinsbildung. Damit alle davon leben können, muss für bestimmte Produkte eben ein fairer Preis bezahlt werden. Aber wir müssen so absurde Sachen abstellen, dass Marillen aus der Türkei in der Wachau viel billiger sind als jene, die dort vor dem Supermarkt wachsen.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen Werbespot für die Bawag produzieren.

(Lacht) Der Slogan ist ja fast aufgelegt: Auch wenn Sie nie in die Karibik kommen, Ihr Geld ist schon dort . . . oder so ähnlich.

Hat der ÖGB noch Zukunft?

Die ÖGB-Reformen sind bis jetzt absolut lächerlich, aber gewerkschaftliche Bewegungen sind nötiger denn je.

Interview: Anita Staudacher
Quelle: Kurier, 18. Juli 2006
Die KURIER-Wirtschaftsredaktion veröffentlicht über den Sommer in loser Folge Interviews mit Persönlichkeiten, die nicht zum „etablierten“ Wirtschaftsleben gehören. Und deren Blickwinkel auf ökonomische Vorgänge daher ein wenig anders ist

Zur Person: Kurt Palm (51), gebürtiger Oberösterreicher, ist Regisseur, Dramaturg, Autor und - wie er sich selbst nennt - Volksbildner. Einem breiterem Publikum wurde er durch die TV-Show „Phettbergs nette Leit-Show“ bekannt. Am 30. Juli ist im ORF Palms etwas anderer Film über Mozart zu sehen, ein Buch über Bert Brecht wurde gerade fertig. Der HAK- und Uni-Absolvent kandidiert bei den Nationalratswahlen für die Kommunistische Partei (KPÖ) an dritter Stelle. Politiker will er aber auf gar keinen Fall werden, „denn reden mag ich nicht“. Palm verschmäht McDonald's ebenso wie Handys, fährt am liebsten mit dem Rad und angelt leidenschaftlich gerne.


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