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1938: Nazi-Regime errichtet KZ Mauthausen

  • Mittwoch, 8. August 2018 @ 08:00
Geschichte Im März 1938 wurde Österreich vom faschistischen Deutschland okkupiert. Bereits am 8. August 1938 wurde in einem Steinbruch bei Mauthausen mit der Errichtung eines Konzentrationslagers begonnen. Das KZ Mauthausen war ein Vernichtungslager der Stufe III der Nazi-KZs. Nach den verfügbaren Namenslisten wurden hier 197.464 Häftlinge aus 16 Staaten bestialisch ermordet.

Tatsächlich dürften es deutlich mehr gewesen sein, weil viele Kranke und Geschwächte schon vor einer Registrierung umgekommen sind und Totenscheine nur in den ersten Jahren sorgfältig geführt wurden. Schätzungsweise 335.000 Menschen beträgt die Gesamtzahl der in den Karteien des KZs registrierten Häftlinge. Vier wichtige Nebenlager wurden in Gusen, Linz, Ebensee und Wien errichtet. 40 kleinere Nebenlager bestanden in verschiedenen Orten von Ost- und Südösterreich.

Den Nazis ging es nicht nur um die Massenvernichtung von Antifaschist_innen und „nichtarischen” Völkern. KZ-Häftlinge wurden für deutsche Großkonzerne, die eigentlichen Herren des faschistischen Deutschland, deren Ausführungsorgan die Nazi-Partei NSDAP und Hitler als „Führer und Reichskanzler“ waren, eingesetzt. Häftlinge aus dem KZ Mauthausen arbeiteten für die Konzerne Gustloff, Heinkel, Messerschmitt, Mittelwerk und Siemens-Schuckert.

Das NS-Regime betrieb insgesamt 24 KZ-Stammlager mit rund 4.000 Außen- und Nebenstellen. Mauthausen war nach den „Todesfabriken” der Nazis in Auschwitz (1.5 Millionen Ermordete), Treblinka (800.000), Belzec (600.000), Kulmhof (360.000), Sobibor (250.000) und Majdanek (200.000) jenes Konzentrationslager, in dem die meisten Menschen umgebracht wurden. So wurden Exekutionen in einer „Genickschussecke“ ausgeführt. Ab 1942 wurde ein zu einem Gaswagen umgerüsteter LKW zur systematischen Tötung mittels Zyklon-B-Gas benutzt. Ebenfalls gab es ab 1942 eine als Duschbad getarnte Gaskammer, wo ebenfalls mit Zyklon-B-Gas wie am Fließband gemordet wurde.

Als „Mühlviertler Hasenjagd” wurde die Verfolgung im Jänner 1945 ausgebrochener sowjetischer KZ-Häftlinge durch SS, Polizei und aufgehetzte Bevölkerung bekannt. Die gefassten Häftlinge wurden an Ort und Stelle bestialisch ermordet. Dabei beteiligte sich die Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden tatkräftig. Der Pfarrer eines Ortes schrieb verzweifelt sinngemäß in seine Pfarrchronik „Ich kenne meine Kirchenmitglieder nicht mehr wieder“ Nur in wenigen Fällen, wie der Familie Langthaler in Schwertberg siegte die Menschlichkeit und wurden entflohene Häftlinge bei Lebensgefahr versteckt.

In Mauthausen wurden auch viele Oberösterreicher inhaftiert und ermordet. So wurde am 18. April 1945 der bekannte Schutzbundführer Richard Bernaschek (1888-1945) und als einer der 42 zur „Welser Gruppe“ gehörenden noch am 29. April 1945 hingerichteten Antifaschisten der KPÖ-Landesobmann Sepp Teufl (1904-1945) auf ausdrücklichen Befehl des Nazi-Gauleiters Eigruber noch in den letzten Tagen der Nazi-Herrschaft im April 1945 ermordet. Zu einem Zeitpunkt, als Wien bereits von sowjetischen Truppen befreit und am 27. April 1945 die 2. Republik proklamiert worden war.

Das KZ Mauthausen wurde am 5. Mai 1945 durch US-amerikanische Truppen befreit, nachdem die SS-Wachmannschaft das Lager bereits am 3. Mai 1945 verlassen hatte. Die US-Army fand im Lager ein Bild des Grauens vor: Männer, Frauen und Kinder, halb nackt oder mit Lumpen bedeckt, lebende Skelette, viele aus Schwäche auf allen Vieren, die nicht einmal die Kraft hatten ihre Arme den Befreiern entgegenzustrecken.

Als „Ewig schwärende Wunde inmitten Österreichs, dieses Landes der äußersten, unerträglichen Widersprüche zwischen Mozart und Eichmann, Josef Roth und Kaltenbrunner, Wittgenstein und Hitler“ hat der Künstler André Heller in seiner Ansprache bei der Befreiungsfeier 2003 das KZ Mauthausen bezeichnet. Bezeichnend für den Umgang mit der eigenen Geschichte ist nicht nur das jahrzehntelange Verdrängen der Mitwirkung zigtausender Österreicher_innen an den Verbrechen des Nazi-Regimes durch die These von Österreich als erstes Opfer von Nazi-Deutschland und der kurz nach 1945 begonnenen Täter-Opfer-Umkehr, sondern auch der Umgang mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Etwa wenn diese trotz Ausgliederung in eine Bundesanstalt weiterhin dem Innenministerium zugeordnet bleiben soll. Oder wenn entgegen dem starken Interesse von Schulen und Besucher_innengruppen Besichtigungen durch immer mehr Schließtage eingeschränkt und die Weiterentwicklung der Gedenkstätte aus finanziellen Gründen verhindert wird. Laut Mauthausen-Komitee besuchen jährlich rund 200.000 Menschen die Gedenkstätte in Mauthausen und den Nebenlagern.

Im Schatten Mauthausens steht vor allem das Lager Gusen, wo zehntausende Häftlinge für den Flugzeugbau Zwangsarbeit leisten mussten und der NS-Terror und Sadismus noch weitaus stärker ausgelebt wurde als in Mauthausen selbst. Durch die Zentralisierung des Gedenkens auf Mauthausen ab 1947 wurde in den vielen Nebenlagern erst sehr spät mit einer gezielten Gedenkarbeit begonnen, die oftmals wie etwa in Gusen oder Ebensee wo auf dem Areal wo einst die Häftlingsbaracken standen später Wohnsiedlungen errichtet wurden auf Unverständnis der dort ansässigen Bevölkerung stieß.

Auch die traditionelle jährliche Befreiungsfeier zum Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen im Mai 1945 ist zwiespältig. Ist es für tausende der wenigen noch lebenden Zeitzeug_innen und Antifaschist_innen ein Herzensanliegen diese Gedenkstätte aufzusuchen dient die Befreiungsfeier vielen Vertretern der etablierten Parteien zur Behübschung durch einen Sonntags-Antifaschismus, der recht krass ihrer Alltagspolitik gegenübersteht, die sich etwa durch laufende Verschärfung fremdenfeindlicher Gesetze, unsozialer Maßnahmen oder Packeleien mit der FPÖ als Partei der „Ehemaligen“ auszeichnet.

Nach wie vor gilt für das KZ Mauthausen für nicht weniger Österreicher_innen der Grundsatz des kollektiven Schweigens. Deutlich wird das etwa daran, dass laut dem Mauthausener Bürgermeister Punkenhofer auch viele Ortsansässige nie in der KZ-Gedenkstätte waren. Schlimmer ist freilich, wenn alte und neue „Ewiggestrige“ immer wieder durch Leugnung der Gaskammern in Mauthausen auffällig werden, einer Tatsache die 1945 von keinem der SS-Führer die vor Gericht standen geleugnet wurde.

Zudem sind die Gedenkstätten in den letzten Jahren vermehrt Ziel von Nazi-Attacken geworden. So posierte 2006 der rechtsextreme Fußballfanklub „Braunauer Bulldogs“ mit Hitlergruß in Mauthausen und postete dies ungeniert im Internet, was immerhin Schuldsprüche wegen NS-Widerbetätigung zur Folge hatte. Hingegen sind bis heute die 2010 angebrachten Schmierereien „Türk und Jud´, giftig´s Blut“ und „Was unseren Vätern der Jud, ist für uns die Moslembrut, seid auf der Hut, 3. Weltkrieg – 8. Kreuzzug“ und 2014 der ähnliche Spruch „Türkenrass´ ab ins Gas“ und „Sieg Heil“ unaufgeklärt.

2009 störten rechtsextrem beeinflusste Jugendliche in Tarnanzug, mit Sturmhaube und Softguns mit Hitlergruß sogar eine Befreiungsfeier in Ebensee, was aber immerhin drei Verurteilungen zur Folge hatte. Dass Geschmacklosigkeit und politische Dummheit keine Grenzen hat verdeutlichte im März 2015 ein Innviertler Disco-Betreiber, der für sein Etablissement mit dem Slogan „Innviertler Hasenjagd“ – einer ziemlich eindeutigen Anspielung auf die als „Mühlviertler Hasenjagd“ bekannte Mordaktion der SS im Februar 1945 – geworben hatte.


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