Willkommen bei KPÖ Oberösterreich 

Wer waren die 999er?

  • Sonntag, 2. April 2006 @ 18:18
Geschichte Die Ausstellung „Wer waren die 999er?“ wurde 1993 von der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger 999er erarbeitet und in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand gestaltet. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Geschichte und das Schicksal der vom faschistischen Deutschland im II. Weltkrieg gebildeten und eingesetzten Strafeinheiten 999.

Durch Wort und Bild, durch persönliche Dokumente sowie biographische und auch künstlerische Darstellungen informiert die Ausstellung insbesondere über die etwa 10.000 von der deutschen Wehrmacht im II. Weltkrieg zwangsrekrutierten Antifaschisten, denen bereits durch Gerichtsurteil und anschließende Haft ihre Gegnerschaft zum Hitlerregime „amtlich“ bestätigt worden war. Abgeurteilte Antifaschisten, die aus Zuchthäusern und Gefängnissen entlassen wurden, hatten einen blauen Ausschließungsschein erhalten, mit dem sie als „wehrunwürdig“ eingestuft wurden.

Als im Sommer 1942 die Aggression Hitlerdeutschlands in Europa ihre größte Ausdehnung erreicht hatte und insbesondere ein Jahr nach dem Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion die Verluste immer verheerender wurden, griffen die Herrschenden Hitlerdeutschlands zu rigorosen Maßnahmen, u.a. zur Mobilisierung von bisher „Wehrunwürdigen“ als Kanonenfutter für die angeschlagene deutsche Wehrmacht. Als wehrunwürdig galten Personen, die wegen staatsfeindlicher Betätigung gerichtlich bestraft wurden.

Am 2. Oktober 1942 verfügte das Oberkommando der Wehrmacht auf der Grundlage eines Hitler-Befehls die „Aufstellung der verstärkten Afrika-Brigade 999 aus ehemaligen Wehrunwürdigen“. Bereits in den folgenden Tagen wurde damit auf dem Truppen-Übungsplatz Heuberg in der Schwäbischen Alb begonnen. Das Kommando wurde speziell ausgewähltem, dem Naziregime blind ergebenem „Stammpersonal“ übertragen.

Die zwangsrekrutierten Angehörigen der Strafeinheiten setzten sich aus ca. 10.000 politisch vorbestraften und als ,wehrunwürdig' erklärten Antifaschisten aus Deutschland und Österreich und weiteren etwa 20.000 Verurteilten, denen kriminelle Delikte angelastet worden waren, zusammen. Unter Letzteren befanden sich jedoch viele, die erst unter den Kriegsbedingungen mit den Gesetzen in Konflikt geraten waren, bzw. auch solche, die gegen die ,Rassegesetze' der Nazis u.a. verstoßen hatten. Der militärische Drill und die Drangsalierung der 999er war vor allem darauf gerichtet, antifaschistischen Widerstand zu brechen und unmöglich zu machen. Antifaschisten Sollten für den faschistischen Krieg missbraucht und gleichzeitig liquidiert werden.

Zu den politischen 999ern gehörten Kommunisten, Sozialdemokraten, Angehörige bürgerlicher Parteien, Christen, Zeugen Jehovas und besonders ehemalige Mitglieder von verbotenen Jugend verbänden. Nicht wenige inhaftierte und verurteilte Antifaschisten wurden noch in Zuchthaus- oder Gefängniskleidung und mit Handschellen zu diesen Einheiten in das berüchtigte Lager auf dem Heuberg transportiert. Die Bildung dieser Strafeinheiten wurde vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen.

Viele Antifaschisten, zweifellos über die Hälfte der in die Einheiten 999 zwangsrekrutierten, kehrten nicht aus dem Krieg zurück. Sie fielen in Kämpfen, in die sie gegen ihren Willen gejagt wurden, sie starben an Krankheiten, sie wurden wegen antifaschistischer Tätigkeit von Exekutionskommandos der Wehrmacht erschossen oder noch in den Kriegsgefangenenlagern von Faschisten erschlagen. Nicht wenige fielen auch als Partisanen an der Seite der gegen den Faschismus kämpfenden Völker.

Während der Ausbildungszeit von Oktober 1942 bis Sommer 1943 wurden 39 Angehörige der Strafeinheiten, oft wegen geringfügiger Übertretungen der Vorschriften bzw. Anweisungen, standrechtlich erschossen.

Die ersten Einheiten der Afrika-Division 999 wurden im März 1943 in Kairouan und anderen Orten Tunesiens eingesetzt. Hier sollten sie den Rückzug der deutsch-italienischen Truppen decken, deren Einkesselung durch USA-Truppen drohte. Zahlreiche Soldaten kamen bereits beim Transport über das Mittelmeer ums Leben. Große Verluste traten während der ersten Kämpfe ein. Die von Antifaschisten illegal vorbereiteten und organisierten Desertionen bis zur Kompaniestärke reduzierten die Einsatzfähigkeit der Einheiten beträchtlich.

Die verbliebenen Truppenteile gerieten Mitte Mai 1943 in alliierte Kriegsgefangenschaft. Das Haupteinsatzgebiet der Strafdivision war das von deutschen und italienischen Truppen besetzte Griechenland. Hier erreichten die antifaschistische Arbeit in der Strafdivision und gemeinsame Aktionen des Widerstandes mit griechischen Antifaschisten ihren Höhepunkt. Dort entfalteten die 999er wirksame antifaschistische Aktionen, viele desertierten zur griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS, der etwa 600 deutsche Antifaschisten angehörten, sowie zu den Partisanen und Volksbefreiungsarmeen Albaniens, Jugoslawiens und Bulgariens.

An der Spitze des in Griechenland 1944 gegründeten antifaschistischen Komitees deutscher Soldaten, „Freies Deutschland“, und des „Verbandes deutscher Antifaschisten“ auf dem Peloponnes standen auch Angehörige der 999er. Ein Aufstandsversuch auf dem Peloponnes scheiterte durch Verrat, sieben Antifaschisten, darunter Werner Illmer aus Berlin, Heinz Steyer (Arbeitersportler aus Dresden) und Hermann Bode (ein junger Stadtverordneter aus Braunschweig) wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Einzelne Bataillone 999 kamen Ende 1943, Anfang 1944 in der Sowjetunion zum Einsatz. Nachdem eine größere Anzahl von Antifaschisten zur Roten Armee desertierte und sich dem „Nationalkomitee Freies Deutschland“ anschloss, wurden alle politisch Vorbestraften aus den Einheiten herausgezogen und entwaffnet.

Während ihres militärischen Einsatzes in Nordafrika, in der Sowjetunion, auf dem Balkan, insbesondere in Griechenland, und zuletzt auch noch in Frankreich nutzten die Antifaschisten, die in diese Einheiten gepresst worden waren, ihre Möglichkeiten, um aktiv am Widerstand innerhalb der deutschen Wehrmacht teilzunehmen.

Die desertierten bzw. gefangen genommenen 999er durchlebten ihre Kriegsgefangenschaft in den USA, in britischem Lagern in Ägypten, in französischen Lagern in Nordafrika, sowie in der Sowjetunion, Jugoslawien, Albanien und Bulgarien. In der Sowjetunion erhielten sie die Möglichkeit, im Rahmen des Nationalkomitees Freies Deutschland an der breiten Aufklärungsarbeit unter den deutschen Kriegsgefangenen und an den Fronten teilzunehmen. In den USA, in englischen und französischen Lagern konnten sie durch die Bildung von „Anti-Nazi-Lagern“, im Rahmen eines „Reeducation-Programms“, antifaschistischer Aktivs und in anderen Formen politische Aufklärungsarbeit unter den deutschen Kriegsgefangenen leisten.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland und Österreich gehörten die überlebenden 999er zu jenen, die sich mit hohem Engagement für den Wiederaufbau und die Schaffung antifaschistisch-demokratischer Verhältnisse einsetzten.

Quelle: „Der neue Mahnruf“, 5-6/2004


Wir ersuchen um Unterstützung!?

Damit KPÖ PLUS am 15. Oktober 2017 bei der Nationalratswahl auf dem Stimmzettel steht brauchen wir in Oberösterreich mindestens 400 amtlich beglaubigte Unterstützungserklärungen. Wir ersuchen daher alle, denen die Kandidatur von KPÖ PLUS ein Anliegen ist, um Unterstützung. Unterstützungserklärungen können ab 25. Juli 2017 (Stichtag) bis spätestens zum 18. August 2017 (Einreichungsschluss) abgegeben werden:

Wohnkampagne der KPÖ?

Aktion der KPÖ Linz?

Publikationen

 
 
Spaniens Himmel breitet seine Sterne. Oberösterreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939
Browse Album

Aktiv werden in der KPÖ …

… oder einfach mehr über die KPÖ erfahren? Schick uns ein E-Mail oder nutze das Kontaktformular oder ruf an: 0732 652156