Wir haben uns heute hier versammelt, weil wir die Stimme der Vernunft gegen den Wahnsinn des Krieges erheben. Nichts und niemand wird uns ├╝berzeugen k├Ânnen, da├č ein neues gro├čes V├Âlkermorden der Demokratie und dem Humanismus dienen sollte.

Es wird uns vorgeworfen, antiamerikanisch zu sein. Aber wir sind nicht antiamerikanisch, wenn wir gegen den Krieg demonstrieren, denn dann m├╝├čten auch Millionen Amerikaner antiamerikanisch sein, wenn sie gegen die Politik der Bush-Administration und der dahinter stehenden Konzerne protestieren. Es wird uns vorgeworfen, mit unserem Protest den irakischen Diktator Saddam Hussein zu unterst├╝tzen. Aber wir st├╝tzen mit unserem Nein zum Krieg nicht Saddam Hussein, gest├╝tzt und hochger├╝stet haben ihn vielmehr jahrelang die USA und anderen Gro├čm├Ąchten, von ihnen wurde zum Krieg gegen den Iran ermuntert, mit ihrer Billigung konnte sein Regime Kurden und Kommunisten abschlachten, religi├Âse Minderheiten und oppositionelle Demokraten verfolgen. Und einige Fragen dr├Ąngen sich dabei auf:

Wenn es den USA um Demokratie ginge, warum haben sie Saddam Hussein dann nicht schon 1991 beseitigt?

Wenn es um die Menschen im Irak ginge, warum wurde mit einem Embargo das Regime gest├Ąrkt, w├Ąhrend gleichzeitig hunderttausende an Hunger und medizinischer Unterversorgung sterben mu├čten?

Wenn es wirklich um Demokratie ginge, warum sind dann ausgerechnet die despotische Regime in Saudi-Arabien und den Golfstaaten Verb├╝ndete der USA?

Wenn die USA den Irak auf die Einhaltung von UNO-Resolutionen dr├Ąngen, warum fordern sie nicht auch als Schutzmacht Israels die Einhaltung zahlreicher UNO-Resolutionen zum Schutze der Pal├Ąstinenser?

Seit dem Anschlag vom 11. September werden Kriege wie schon in Afghanistan als Feldzug gegen den Terror und eine damit verbundene ÔÇ×Achse des B├ÂsenÔÇť legitimiert. Aber wir sagen dazu: Krieg ist Terror, n├Ąmlich staatlich legitimierter Terror, Bush und Bin Laden, Bush und Saddam, sind immer nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille. Die Leidtragenden ihrer verfehlten Politik hingegen sind die einfachen Menschen.

Niemand kann ernsthaft Sympathie f├╝r das despotische Regime im Irak empfinden. Wir lehnen die fatale Logik ÔÇ×Der Feind meines Feindes ist mein FreundÔÇť entschieden ab. Aber es gibt keinerlei Rechtfertigung hunderttausende oder gar Millionen Menschen durch einen Krieg zu opfern, um im Irak einen US-Kolonialverwalter oder ein anderes autorit├Ąres Regime zu setzen.

Wir sagen nein zum Krieg, weil es dabei nicht um Menschenrechte geht, sondern um ├ľl. Denn niemand kann das un├╝bersehbare Interesse der USA leugnen, die einst enteigneten ├ľlreserven des Irak wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Wir sagen nein zum Krieg, weil damit die ├╝bervollen R├╝stungsarsenale geleert werden sollen, weil man ein Testgel├Ąnde f├╝r die vorhandenen Waffen braucht, damit anschlie├čend durch neue R├╝stungsgesch├Ąfte auf Kosten sozialer Anspr├╝che die Profite der R├╝stungskonzerne weiter steigen.

Wir sagen nein zum Krieg, weil damit die USA der Welt diktieren wollen, wer die Nummer eins ist. Die politischen Konflikte mit Frankreich, Deutschland, Ru├čland usw. zeigen deutlich zunehmende imperialistische Rivalit├Ąten, wie auch der Aufbau der Euro-Armee seitens der EU beweist.

Wir sagen nein zum Mi├čbrauch der UNO f├╝r imperialistische Interessen, der seinen Beginn schon beim Golfkrieg 1991 hatte. Es ist offensichtlich, da├č die USA das V├Âlkerrecht durch das Faustrecht ersetzen wollen. Dies w├╝rde un├╝bersehbare Folgen haben und die Welt zunehmend in die Barbarei st├╝rzen.

Der Kampf beginnt immer im eigenen Land. Daher ist f├╝r uns die erste Adresse auch die ├Âsterreichische Regierung, von der wir verlangen, nicht hinter den USA oder der EU nachzutraben und einen Krieg durch eine UNO-Resolution zu billigen. Wir verlangen vielmehr im Sinne einer aktiven Neutralit├Ąt, da├č ├ľsterreich selber auf politischer und diplomatischer Ebene daf├╝r initiativ wird, da├č dieser Krieg nicht stattfindet.

Am 15. Februar haben gleichzeitig an die 20 Millionen Menschen in ├╝ber 600 St├Ądten weltweit gegen den Krieg demonstriert. Dies war eine bislang einmalige Manifestation in der Menschheitsgeschichte. Sie hat gezeigt: Die USA k├Ânnen zwar einen Krieg f├╝hren, aber sie haben die Welt├Âffentlichkeit gegen sich. Unsere heutige Demonstration ist ein Beitrag daf├╝r, da├č sich dieser Druck der ├ľffentlichkeit verst├Ąrkt. Daher: Krieg ist Terror! Nein zum Krieg! Kein Blut f├╝r ├ľl!

Rede von KP├ľ-Landesvorsitzenden Leo Mikesch bei der Kundgebung der o├ Plattform Nein zum Krieg am 14. M├Ąrz 2003 in Linz