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1945: Die KPÖ im Jahr der Befreiung

  • Montag, 27. April 2015 @ 08:00
Geschichte Enttäuschte Hoffnungen bei der Novemberwahl 1945
Die Befreiung Österreichs vom Faschismus erfolgte nicht aus eigener Kraft, sondern durch die Armeen der vier Alliierten. Den größten Anteil an der Befreiung hatte die Sowjetarmee, die auf österreichischen Boden 26.000 Soldaten, davon 18.000 allein bei der Befreiung von Wien verlor.

Für die KPÖ war das Jahr 1945 nicht die „Stunde Null”, sondern das Jahr der Befreiung vom Faschismus. Die KPÖ hatte historische Weitsicht bewiesen, indem sie sich im März 1938 als einzige Partei in einer Erklärung gegen den „Anschluß” ausgesprochen und das Wiedererstehen eines eigenständigen Österreich zum obersten Ziel ihres Kampfes gemacht hatte.

Die KPÖ hat auch den Auftrag der „Moskauer Deklaration” der Alliierten aus dem Jahre 1943 ernst genommen, wonach auch der eigene Beitrag Österreichs zu seiner Befreiung von Bedeutung sei. In Oberösterreich kamen rund 160 KommunistInnen im Kampf gegen den Hitlerfaschismus um, bundesweit über 2.000 Mitglieder der KPÖ, über 4.000 KommunistInnen waren inhaftiert. Zwölf von 23 Mitgliedern des Zentralkomitees waren im Kampf gegen den NS-Faschismus ums Leben gekommen.

Parteien und Gewerkschaften nur halblegal
Die Geburt des neuen Österreich mit der von ÖVP, SPÖ und KPÖ am 27. April 1945 beschlossenen Unabhängigkeitserklärung war eine Freiheit auf Trümmern, wobei auch der Begriff Freiheit nur relativ zu verstehen ist. Für die KPÖ bedeuteten die Opfer im Widerstand einen enormen Aderlaß vor allem auch in Hinblick auf ihre Entwicklung im Zusammenhang mit dem anstehenden Wiederaufbau, zumal sich die Entscheidung stellte, ob es wirklich ein „revolutionäres Österreich“ geben würde wie sogar der spätere Bundeskanzler Figl gemeint hatte oder doch nur eine kapitalistische Restauration wie sie dann tatsächlich stattfand.

Am 7. Mai 1945 wurde Linz von US-Truppen befreit und der Nazi-Oberbürgermeister Franz Langoth durch Ernst Koref (SPÖ) abgelöst, am 15. Mai konstituierte sich ein provisorischer Stadtrat, der sich aus je vier Vertretern von SPÖ und ÖVP sowie zwei der KPÖ zusammensetzte. Am 16. Mai wurde eine provisorische Landesregierung unter Landeshauptmann Adolf Eigl eingesetzt, welche die Gauverwaltung der Nazis ablöste.

Im Unterschied zur sowjetisch besetzten Zone waren in Oberösterreich südlich der Donau sowohl politische Parteien und auch Gewerkschaften weiterhin verboten und daher weiterhin illegal, wenngleich geduldet. Erst mit dem „Allgemeinen Befehl Nr. 3“ der Militärregierung vom 19. September 1945 wurden in Oberösterreich die politischen Parteien zugelassen und am 8./9. Oktober nahm die Parteipresse („Tagblatt“ der SPÖ, „Volksblatt“ der ÖVP“, „Neue Zeit“ der KPÖ) ihr Erscheinen auf.

Die Österreichische Freiheitsfront
In den ersten Monaten nach der Befreiung war die KPÖ bemüht gemeinsam mit den beiden anderen Gründerparteien ÖVP und SPÖ im Rahmen der Österreichischen Freiheitsfront (ÖFF) zu wirken. Bei einer Konferenz der ÖFF in Ried wurde der Wille deutlich, die von den US-Besatzungsbehörden eingesetzte Beamtenregierung in eine demokratische Landesregierung umzuwandeln. Im Juni 1945 nahm KPÖ-Landesobmann Franz Haider an Besprechungen der „Österreichischen Freiheitsbewegung” und der ihr angeschlossenen Widerstandsbewegungen in Ried im Innkreis teil und wurde in deren Landesausschuß gewählt.

Stimmung für einheitliche Arbeiterpartei
Unter dem Eindruck der Ausschaltung der in zwei Strömungen gespaltenen Arbeiterbewegung durch den Faschismus war in der ersten Zeit nach der Befreiung im Jahre 1945 auch eine starke Stimmung für die Bildung einer einheitlichen Arbeiterpartei. Besonders ausgeprägt war diese Einheitsbewegung in Oberösterreich.

Noch im Juni und August 1945 fanden Verhandlungen zwischen der SPÖ und der KPÖ statt, zu einem Zeitpunkt, als in Wien solche Gespräche von der SPÖ-Parteiführung schon längst mit dem Argument, die Einheit sei ohnehin in der Sozialdemokratie verwirklicht, ad acta gelegt waren. Nun wurden aber auch in Oberösterreich die Kontaktgespräche von KPÖ-Landesobmann Franz Haider mit Ludwig Bernaschek von der SPÖ abgebrochen.

Als einheitliche Organisation war auch die am 16. Mai 1945 von Vertretern verschiedener Jugendorganisationen gegründete Freie Österreichische Jugend (FÖJ) konzipiert, wie jedoch deren Sekretär Erwin Steyrer beim 13. Landesparteitag der KPÖ Anfang 1946 konstatierte, wurde sie nur von der KPÖ unterstützt und die anderen Parteien hatten schon frühzeitig eigene Jugendorganisationen gegründet.

Franz Haider Landesobmann
Schon im Mai 1945 wurde Franz Haider mit der Funktion des Landesobmannes betraut, nachdem Sepp Teufl noch in den letzten Kriegstagen im KZ Mauthausen ermordet wurde. Bereits Anfang Juni fand eine Betriebsarbeiterkonferenz mit 80 Teilnehmern aus allen wichtigen Linzer Betrieben statt.

Mit der Herausgabe der „Österreichischen Nachrichten” schuf die KPÖ ein erstes Informationsmittel, einfach und hektographiert, aber ein wichtiges Mittel beim Wiederaufbau. Ab Juni 1945 fungierte Franz Haider als Herausgeber und Mitarbeiter der „Österreichischen Nachrichten”, immer noch illegal, weil in der US-Besatzungszone erst ab 19. September 1945 Parteien und Parteizeitungen erlaubt waren. Diese Zeitung erreichte etwa, daß einige Direktoren der von den US-Behörden beschlagnahmten Eisenwerke in Linz ins Nazi-Lager nach Glasenbach kamen.

Ab September wurde auch die Herausgabe von Parteizeitungen legalisiert, zwar wurde die Auflage der „Neuen Zeit” mit 18.000 Exemplaren limitiert, an andere Druckereien verwiesen, ihr Format verkleinert und sie konnte bedingt durch die Zuteilung der Papierkontingente nur jeden zweiten Tag erscheinen, doch wurde die kommunistische Tageszeitung rasch zu einen gewichtigen politischen Faktor.

KPÖ in der Landesregierung
Im September und Oktober 1945 nahm Landesobmann Haider an der ersten und zweiten Länderkonferenz in Wien teil. Im Oktober 1945 wurden auch in der US-Besatzungszone endlich die politischen Parteien legalisiert, die KPÖ stellte bei einer großen Landeskonferenz im Rathaussaal in Linz ihre Ziele vor.

Endlich wurde auch die Landesregierung demokratisiert und für die KPÖ war Franz Haider vom 29. Oktober bis 13. Dezember 1945 auf Grund eines Dreiparteien-Abkommens zwischen ÖVP, SPÖ und KPÖ kurzfristig Landeshauptmannstellvertreter in der provisorischen Landesregierung.

Enttäuschung bei der November-Wahl
Zu einer großen Enttäuschung wurde für die KPÖ das Ergebnis der Nationalratswahl vom 25. November 1945, die auf Drängen der Westmächte sowie von SPÖ und ÖVP so frühzeitig stattfanden, daß von einer wirklichen Befreiung von den Folgen des Faschismus kaum gesprochen werden konnte. Im Zusammenhang mit der Teilung Österreichs in vier Besatzungszonen wurde schon bald nach dem Sieg über den Hitlerfaschismus der von diesem in die Bevölkerung eingeimpfte Antikommunismus und Antisowjetismus gezielt instrumentalisiert und zur Blockade fortschrittlicher Veränderungen benutzt und die Diffamierung der KPÖ als „Russenpartei” begonnen.

Die hohen Erwartungen führender Kommunisten – so erwartete Ernst Fischer einen Stimmenanteil von 20 Prozent und mehr – wurden bei weitem verfehlt. Im Unterschied zur 1. Republik zog die KPÖ zwar in den Nationalrat ein, blieb mit nur 5 Prozent der Stimmen aber trotz ihres großen organisatorischen Aufschwunges eine kleine Partei. In Oberösterreich erreichte die KPÖ 12.376 Stimmen bzw. 2,6 Prozent, bei der gleichzeitig stattgefundenen Landtagswahl 12.418 Stimmen und ebenfalls 2,6 Prozent, bedingt durch die undemokratische Wahlordnung war die KPÖ damit anders als in allen anderen Bundesländern in Oberösterreich nicht im Landtag vertreten.

Das Ergebnis wurde auch auf die Gemeinderäte umgelegt, demnach war die KPÖ mit 12.418 Stimmen bzw. 2,6 Prozent mit insgesamt 49 Mandaten vertreten. Auf der lokalen Ebene waren die KommunistInnen damit zwar regional unterschiedlich aber auch in Oberösterreich vor allem in den Industrieregionen eine starke Kraft. Die „Hochburgen“ der KPÖ waren in Goisern (14,5 Prozent), Steyr (11,6 Prozent), Ebensee (10,2 Prozent) und Wolfsegg (10,2 Prozent).

Bilanz beim 1. Landesparteitag
Der 1. Landesparteitag im Februar 1946 wählte Franz Haider als 1. Obmann, August Moser als 2. Obmann und Oktavian Baumgartner als 3. Obmann sowie Sepp Bloderer als Landesparteisekretär. Obwohl im südlichen Teil Oberösterreichs erst ab Oktober 1945 legal wirkend nahm die KPÖ im Jahr 1945 einen enormen organisatorischen Aufschwung: In der Zeit des Austrofaschismus und des folgenden Hitlerfaschismus war die Zahl der Parteimitglieder von 2.200 (1935) auf 515 (Mai 1945) geschrumpft. Laut Bericht von Landesparteisekretär Josef Bloderer beim 1. (auch als 13. bezeichneten) Landesparteitag am 23./24. Februar 1946 in Linz stieg die Mitgliederzahl rasch auf 3.110 (September 1945), 5.088 (November 1945), 5.813 (Dezember 1945) und 6.278 (Jänner 1946).


Publikationen

 
 
Ein bescheidenes Leuterl, Zur Erinnerung an Resi Pesendorfer (1902-1989).
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