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1945: Die Widerstandsbewegung im oberen Salzkammergut

  • Montag, 27. April 2015 @ 08:00
Geschichte Der Bericht über die Widerstands- und Partisanenbewegung Willy-Fred, die Freiheitsbewegung im oberen Salzkammergut, die unter der Führung von Sepp Plieseis stand, erhebt auf keinen Fall den Anspruch auf ein abgeschlossenes Bild über diese Bewegung von 1938-1945, vielmehr von 1943-1945. Sie soll nur ein Beitrag, eine Anregung sein zu einer gründlichen Erforschung dieser oben angeführten Bewegung. Diese Bewegung war bereit, mit allen Mitteln und auch mit der Waffe in der Hand gegen die nationalsozialistische Herrschaft in Österreich zu kämpfen.

Dieser vorliegende Bericht soll beitragen zur gründlichen Erforschung dieser Widerstandsorganisation, in der sich Menschen vereint haben mit gegensätzlicher Weltanschauung, um mitzuwirken, die nazistische hitlerische Gewaltherrschaft zu beseitigen, die sich zu einem gefährlichen Wagnis organisierten und zusammenschlössen. Ihr Kampf und die Opfer, die sie brachten, sind ein unschätzbarer Beitrag zur Befreiung Österreichs. Sie setzten sich zusammen aus Kommunisten, Sozialdemokraten, Revolutionären Sozialisten, Katholiken und Angehörigen anderer Konfessionen bis zu Mitgliedern der NSDAP. Sie gingen dem Beruf eines Arbeiters, Bauern, Angestellten, einer Hausfrau und eines Priesters nach. Es wäre einer Untersuchung wert, warum die Intelligenz, ausgenommen die Priester, nicht in diese Bewegung einbezogen wurde oder dieser fernblieb. Welche magische Kraft mag es wohl gewesen sein, die solch gegensätzliche weltanschauliche Auffassungen zu einer Gemeinschaft, einem Kampfbund zusammenschloss. Es ist nur so zu erklären: es war das Wort Österreich. Österreich soll wieder frei sein. Österreich soll wieder erstehen, wie es vor der Ausschaltung der demokratischen Rechte, die sie sich durch das Erstehen der Ersten Republik Österreich erkämpft hatten, war.

Was waren die Beweggründe der einzelnen Beteiligten, für die Wiedererstehung Österreichs einzutreten, zu kämpfen und, wenn es notwendig gewesen wäre, zu sterben, wie Karl Feldhammer und Hans Moser? Denn die Bilder der einzelnen waren ja so verschiedenartig, von der monarchistischen bis zur marxistischen revolutionären Auffassung, die ein Teil von ihnen vertrat.

Für die Kommunisten war Österreich nie ein Bestandteil der deutschen Nation, und sie haben nach dem gewaltsamen Anschluss an Deutschland dies nicht als historisches Ereignis bezeichnet. Die Kommunisten wirkten in diesem Kampf als Bindeglied zu den einzelnen Gruppen und Auffassungen. Sie wurden dazu befähigt durch ihre theoretischen Erkenntnisse um die österreichische Nation, die sie sich darüber erworben haben. Bereits im August 1937 auf der Reichskonferenz der KPÖ wurde für die Tätigkeit der Kommunisten in unserem Lande die Zielrichtung gegeben; sie lautete: „Diese aggressive, imperialistische Politik des Hitler-Faschismus gibt dem Kampf des österreichischen Volkes um die Unabhängigkeit des Landes die Richtung eines fortschrittlichen und nationalen Freiheitskampfes."

Im Aufruf des ZK der Kommunistischen Partei Österreichs zur Annexion heißt es u. a.: „Volk von Österreich! Wehre Dich, leiste Widerstand den fremden Eindringlingen und ihren Agenten. Schließt Euch zusammen, nun erst recht, zur Front aller Österreicher. Alle Unterschiede der Weltanschauung, alle Parteiunterschiede treten zurück vor der heiligen Aufgabe, die heute dem österreichischen Volk gestellt ist! Zusammenstehen gegen Hitler, zusammenstehen, um Hitlers Soldateska aus Österreich wieder hinauszujagen! ... Volk von Österreich! Wehr Dich! Mach die Losung zur Tat: Rotweißrot bis in den Tod!"

Die Situation vor dem Einmarsch der Deutschen Truppen in Österreich war gezeichnet u. a. durch die politische Unterdrückung, die Unfreiheit, Arbeitslosigkeit und schließlich durch den Anschlussgedanken, der seit der Gründung der Ersten Republik in den Parteien und deren Programmen einen festen Sitz hatte, das Nicht-Glauben an die Lebensfähigkeit Österreichs. Die Agitation der Nazis und der Druck, den sie mit ihrem Bombenterror auslösten, brachte so manchen Österreicher in Verwirrung und ins Wanken.

Und ein wenig trugen auch die militärischen Organisationen der Nationalsozialisten vor und nach dem Einmarsch bei. Eine bestimmte Vorbereitung zu diesen war ja im österreichischen Volk geleistet worden, denn in der Zeit der Österreichischen Republik bis zum Einmarsch haben ja fast alle Parteien in Österreich militärische Formationen besessen, um bei Paraden und Demonstrationen ihre Stärke zu dokumentieren.

Aber später hat die Organisiertheit der Nationalsozialisten bis ins Schlafzimmer mit ihren Uniformen von SA, SS und anderen Phantasieuniformen und Soldatenuniformen, die vom Parade- bis zum Soldatenschritt verwendet wurden, sehr wohl dem Wesen der Österreicher widersprochen.

Wieso konnte demnach im oberen Salzkammergut unter den schwersten Bedingungen eine solch große, etwa 600 Personen umfassende Widerstandsbewegung entstehen? Diese konnte dadurch entstehen, dass die Bewohner des oberen Salzkammergutes an den alten Traditionen festhielten, die im Widerspruch zu der nationalsozialistischen Ideologie standen. Denn wie ließe es sich sonst erklären, wie man auf Grund zusammengetragenen Materials und vieler Aussprachen ersehen kann, dass die konspirativen Regeln, die bei einer solchen Widerstandsorganisation und unter der nationalsozialistischen Herrschaft auf das strengste beachtet werden mussten und doch an Mangel an Erfahrung oftmals gröblichst verletzt wurden, keine größeren Verhaftungen von Seite der Gestapo und Gendarmerie durchgeführt werden konnten, außer den Verhaftungen von Hans Moser, Karl Feldhammer und einiger anderer im Ausseer Gebiet.

Ein hoher NS-Funktionär, ein „alter Kämpfer" im oberen Salzkammergut, hat in einem Gespräch über die Widerstandsorganisation und Partisanenbewegung und deren Anhänger mitgeteilt: „Mir wurde berichtet, wo sie sich versteckt hielten. Ich habe gewusst, wer da und dort war." Und dies war zu einer Zeit, wo noch kein nahes Ende abzusehen war, wo noch die Wunderwaffe so manches Gehirn im Banne hielt.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite hängt eng mit der Entwicklung und den Traditionen der Arbeiterbewegung im Salzkammergut zusammen, denn schon frühzeitig im vorigen Jahrhundert beginnen sich die Salzberg-, Salinen- und Forstarbeiter in den Arbeiterbildungsvereinen, Konsumgenossenschaften zu organisieren (1868 in Hallstatt und Goisern). Und bald darauf folgen die Gründungen der Fachgewerkschaften, denen folgen kurz darauf die sozialdemokratischen Lokalorganisationen.

Vor und nach der Jahrhundertwende ist das Salzkammergut immer wieder mit Delegierten in den Reichsparteitagen der Sozialdemokratischen Partei Österreichs vertreten. Daraus ist zu entnehmen, dass hier eine vorbildliche Arbeit geleistet wurde. Denn es führen die Berg-, Salinen- oder Forstarbeiter Kämpfe für ein besseres Leben und für den Sturz der österreichischen Monarchie durch. Bis zu dieser Zeit, 1918, haben sie Erfolge in den Betrieben, in der Öffentlichkeit zu verzeichnen, die sie bis 1934 beachtlich ausbauen konnten.

Mit dem Jahre 1934 beginnt der Stillstand der Tätigkeit der Sozialdemokratischen Partei. Ihre Nachfolgeorganisation, die Revolutionären Sozialisten, können nur geringen Einfluss auf die ehemaligen Mitglieder ausüben, und ihre Tätigkeit wird mit dem Einmarsch der Hitlerarmee wegen der Gefährlichkeit vollkommen eingestellt.

Dafür gewinnen die Kommunisten, die seit den zwanziger Jahren sich langsam entwickelt haben, aber ab 1932 immer mehr und mehr an Einfluss über einen Teil der sozialdemokratischen Mitglieder und Organisationen. Es setzten nach dem 12. Februar 1934 viele ehemalige Mitglieder und Funktionäre ihre politische Tätigkeit in der verbotenen Kommunistischen Partei fort, besonders die jüngere Generation.

Im Ausseer Gebiet waren die Organisatoren der Kommunistischen Partei die Gebrüder Egger, Hans Moser, Karl Feldhammer, Walter Peer, Albrecht Gaiswinkler u. a. In Goisern waren es Martin Langeder, der Jugendorganisator war Alois Straubinger u. s. w. In Bad Ischl und über das obere Salzkammergut hinaus war der Organisator Franz Jaritsch, der Jok, Johann Rettenbacher und andere, dazu stießen Sepp Plieseis, Karl Seidl, die Familien Sams, Pesendorfer u. s. w. Von der illegalen KP-Organisation Bad Ischl nehmen in Spanien im Kampf gegen den Franco-Faschismus Sepp Plieseis, Franz Jaritsch, Karl Seidl, Hans Stadler, Josef Vorkner teil.

Eine ganze Reihe von Kommunisten des oberen Salzkammergutes werden in der Zeit von 1934-1938 wegen illegaler Betätigung in die Kerker geworfen. Nach dem Einmarsch der Hitlertruppen werden einige vorübergehend inhaftiert, aber sofort nach ihrer Entlassung wird die Aufklärungsarbeit gegen den Hitlerfaschismus aufgenommen. Es erfolgen die Verhaftungen der OKA-Arbeiter im Bezirk Gmunden, mit ihnen wird der Goiserer Organisator Martin Langeder verhaftet.

Dann wiederum griff die Gestapo in Bad Ischl zu, es werden Hans Rettenbacher, Fritz Hirnböck, Johann Flachberger und die KJVler Raimund Zimpernik, Josef Filla, Feri Kurzböck, Hans Zeppezauer und von Goisern Alois Straubinger und Franz Kain verhaftet. Trotz dieses Schlages wird die Parteiarbeit in Ischl von Franz Kefer und in Goisern von Hans Laimer wieder weitergeführt. Nach wenigen Monaten trifft auch sie das Los, von der Gestapo verhaftet zu werden, und neue Funktionäre treten an ihre Stelle.

Die Tätigkeit gegen das nationalsozialistische Regime in dem Gebiet von Bad Ischl bis ins Ausseerland ist trotz Verhaftungen und dass eine Reihe von kommunistischen Funktionären und Mitgliedern zum deutschen Heer eingezogen wurden, kaum unterbrochen worden. Den Ausseer Kommunisten ist es gelungen, ohne dass ihre Tätigkeit durch Verhaftungen unterbrochen worden wäre, 1940 eine Widerstandsorganisation zu bilden, vielmehr vorerst eine Leitung, die weit über ihre Reihen hinausging.

Nach der gelungenen Flucht aus Gefängnis und Konzentrationslager von Alois Straubinger, Karl Gitzoller (1942) und Sepp Plieseis (August 1943) kommt im November das erste Zusammentreffen dieser zustande und damit der Beginn des Zusammenschlusses aller Widerstandsgruppen zu einer einheitlichen und geschlossenen Widerstandsorganisation im oberen Salzkammergut, die gemeinsam gegen das nationalsozialistische Regime kämpfte.

Die politische und organisatorische Zielsetzung der Kommunisten unter der Führung von Plieseis und Genossen waren nicht nur, wie schon aufgezeigt, die Beschlüsse der KPÖ Reichskonferenz 1937, der Aufruf der KPÖ zur Annexion Österreichs vom 11. und 12. März 1938, sondern auch der Aufruf zur Bildung der Freiheitsfront (im Sender „Freies Österreich" am 22. und 23. Oktober 1942).

Dort heißt es u. a.: „Der Krieg gegen Hitler ist ein Freiheitskrieg des Volkes, die Sieger werden dem österreichischen Volk keine Lasten auferlegen, sondern es von seiner furchtbaren Last befreien. Die Zeit ist gekommen, vom passiven Widerstand gegen die Nazipreußen zum aktiven Widerstand überzugehen ... jeder kann zur Befreiung Österreichs beitragen, jeder kann auf seine Weise den Krieg sabotieren und dadurch das Ende des Blutvergießens, den Untergang Hitlers beschleunigen ... Die Österreichische Freiheitsfront wird von allen Österreichern gebildet, die sich in Gruppen zu Kampfausschüssen zusammenschließen, um den aktiven Widerstand zu organisieren ... Österreich den Österreichern! Auf zum Volkskampf gegen Hitler und seinen Krieg und für ein freies und unabhängiges Österreich!"

Zu ihren Richtlinien wie den Vorherigen musste noch die Erklärung der Moskauer Konferenz (1. 11. 1943) beachtet werden. In der Erklärung über Österreich wurde die Wiederherstellung eines freien und unabhängigen Österreich angekündigt, aber es wurde unser Land daran erinnert, dass „sein eigener Beitrag zu seiner Befreiung unweigerlich in Betracht gezogen wird."

Dazu Alois Straubinger: „Unsere Linie war im allgemeinen gegeben. Wir haben uns gesagt, wir dürfen nicht den Sozialismus in unserem Kampf direkt anstreben. Das wichtigste war die Beseitigung des Naziregimes, dann die Unabhängigkeit Österreichs erstreben. Also es ging nicht um ein sozialistisches Österreich, sondern es ging vor allem um den Sturz der Nazis. Natürlich richteten sich die Zielsetzungen des Kampfes nicht nur auf die Beseitigung der NS-Herrschaft, sondern auch auf den Wiederaufbau Österreichs, dass zu diesem genügend Kräfte vorhanden sein sollen, die ein Wiedererstehen eines demokratischen Österreich gewährleisten, also nicht eines sozialistischen. Um den Sturz der Hitlerherrschaft herbeizuführen, war notwendig, möglichst viele Kräfte vom Militär wegzuhalten, in der Bevölkerung Fuß zu fassen, um eine Basis zu bekommen. Sabotage der Versorgung der Wehrmacht und Bevölkerung sowie der militärischen Verbindungen. Die eigenen Kräfte in einem Kampf mit dem NS-Regime nicht binden, da die Voraussetzungen nicht vorhanden waren."

Um die Zielstellung realisieren zu können, war der Zusammenschluss der vorhandenen kommunistischen Gruppen, Miteinbeziehung der Sozialdemokraten und Revolutionären Sozialisten und die Ausdehnung auf Katholiken, aber auch in der weiteren Perspektive auf Mitglieder der NSDAP notwendig. Bei den letzteren gab es bereits schon zu dieser Zeit Ansätze.

Die Organisation bekam den Namen Willy, unter diesem Namen vereinte man alle bestehenden Gruppen und Verbindungen von Einzelpersonen im Gebiet von Bad Ischl bis zum Pötschenpaß, und erst nach diesem erfolgte der Anschluss der Bewegung im Ausseergebiet. Später wurde eine Namensänderung der Widerstands- und Partisanenbewegung notwendig. Der Name Willy war so bekannt geworden und mit der Person Sepp Plieseis so eng verbunden, dass es sehr notwendig wurde, den Namen auf Fred zu korrigieren, auch die führenden Mitglieder fanden es notwendig, ihre schon vorhandenen illegalen Namen zu ändern. Am Ende des Krieges wurde der Name nochmals geändert auf Österreichische Freiheitsbewegung. Im Untergrund war es aus konspirativen Gründen notwendig, eben Namen wie Willy, Fred zu verwenden, beim Übertritt in die Legalität war es notwendig, unter der Fahne, für die gekämpft worden ist, aufzutreten.

Die Aufgabenverteilung und die Durchführung war nichts Starres, es veränderte sich ständig je nach Situation und Entwicklung der Dinge und natürlich auch nach der Verfolgung durch das NS-Regime.

Die gesamte Bewegung, die Beteiligten muss man in mehrere Gruppen mit verschiedenen Aufgaben einteilen. Eine davon waren jene Menschen, die aus dem Gefängnis und KZ geflüchtet sind, es waren jene, die nicht mehr von ihrem Heimat- oder Fronturlaub eingerückt sind, und solche, die den Einrückungsbefehlen oder der Aufforderung nicht nachgekommen sind, die im Untergrund lebten. Hoch oben im Gebirge oder im Tal im Verborgenen, je nach Situation und Jahreszeit, die jederzeit bereit waren mit der Waffe in der Hand den Kampf mit dem Gegner aufzunehmen.

Die zweite Gruppe der Beteiligten waren in den Betrieben Beschäftigte oder sind anderen Tätigkeiten nachgegangen, die unermüdliche Aufklärungsarbeit, bis zur Sabotage leiteten. Dazu gehörten auch jene, die alles taten, bis zur Selbstverstümmelung, um nicht einrücken zu müssen. Die nach ihrer Genesung in den Betrieben, in denen sie beschäftigt waren, weiter für die Bewegung tätig waren. Das war die große Masse der Gesamtbewegung.

Und der dritten Gruppe oblag es, Verbindungen herzustellen, illegale Quartiere zu besorgen, die Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten und andere Dinge für die im Untergrund Lebenden zu beschaffen. Natürlich konnten sie dies nicht alleine tun, sie wurden von der zweiten Gruppe unterstützt. Bei dieser Gruppe nehmen die Frauen einen ganz hervorragenden Anteil ein.

Die Tätigkeit der Frauen erstreckte sich von der Organisierung der Flucht, von Überbringung von Nachrichten bis zur Versorgung. Manche wurden auch eingesetzt für Waffen-, Munitions- und Sprengstofftransporte. Ohne Frauen wäre diese ganze Bewegung unmöglich gewesen. Alle Beteiligten und Sympathisierenden haben auch große materielle Opfer auf sich genommen. Die Größe ist nicht abzuschätzen.

Die vierte Gruppe waren die Ausländer. Wenn sie in der ganzen Widerstandsbewegung nicht so zum Tragen gekommen sind, hatte das seinen Grund, denn die Organisatoren der Bewegung sahen zwar große Möglichkeiten, mit ihnen zusammenzuarbeiten, aber sie versuchten nur einzelne in die Bewegung Hereinzuziehen, denn bei einer größeren Anzahl wäre die Unterbringung und auch die Versorgung auf Schwierigkeiten gestoßen. Sie gehörten u. a. zum Bestandteil der Bewegung und zur Betreuung. Es galt, diesen Leuten ihr schweres Los, das sie in der Fremde tragen mussten, zu erleichtern und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie unter österreichischen Freunden leben, nicht aber Feinden.

Die letzte, eine kleine Gruppe, die unter der Führung von Albrecht Gaiswinkler stand, war von den Alliierten für andere Aufgaben im oberen Salzkammergut mit dem Fallschirm abgesetzt worden. Die ihr gestellte Aufgabe nach dem Absprung konnte sie nicht mehr durchführen, aber sie konnte doch noch in den letzten Tagen des NS-Regimes Wertvolles für die Befreiung unseres Landes beitragen.

Die Gesamtbewegung, die unter der Führung von Sepp Plieseis stand, versuchte mit den Alliierten Verbindung aufzunehmen, um von ihnen Waffen und anderes Kriegsgerät zu bekommen. Es ist ihnen nicht gelungen, diese Verbindung herzustellen. Es wirft sich die Frage auf, wo und wie muss man diese Bewegung einreihen, einstufen. Ist sie eine Widerstands- oder eine Partisanenbewegung?

Wenn man im Lexikon nachliest, wird man dort Partisanenbewegung als bewaffnete Widerstandskämpfer, die in einer Kampfgruppe auf dem Heimatboden im Rücken des Feindes gegen den Aggressor kämpfen, bezeichnet sehen. Die Widerstandsorganisation wird bezeichnet als eine Organisation, die die Beeinträchtigung der Tätigkeit der Organe des Staates durch gewaltsamen Widerstand gegen die Durchführung einer staatlichen Maßnahme oder den tödlichen Angriff auf einen Staatsfunktionär während der Ausübung seines Amtes zum Ziel hat.

Somit kann man aus der obigen Erklärung ableiten, dass die Bewegung im oberen Salzkammergut einschließlich des Ausseerlandes, in der etwa 600 Menschen vereint waren, von denen man eine Reihe als Angehörige einer Elite bezeichnen kann, die ständig mit Pistolen, Maschinenpistolen, Handgranaten bewaffnet waren, die jederzeit bereit waren, von diesen Schusswaffen Gebrauch zu machen, um sich zu verteidigen oder in Angriff überzugehen, als eine Widerstands- und Partisanenbewegung zu bezeichnen ist, trotzdem sie kein NSDAP-Parteilokal oder einen Gendarmerieposten überfallen und auch keine Funktionäre der NSDAP beseitigt hat.

Sie hat in diesem Gebiet durch ihre Anwesenheit und ihr Verhalten erreicht, dass viele gegnerische Kräfte gebunden wurden, dass die Sympathie für ihre Bewegung im ständigen Steigen begriffen war und dass ihre Agitation und die Auseinandersetzung mit der Ideologie des Nazismus fruchtbringend war. Sie hat durch ihr Vorhandensein, durch Verschwinden und Wiederauftauchen die Gestapo und SS, Gendarmerie ständig in Unruhe versetzt und Aktionen ausgelöst. Eine solche wurde im September 1944 mit über 50 Mann Gestapo, SS und Gendarmerie in dem Gebiet der Schoberwiesenalm, Appel-Haus, Wildenseealm durchgeführt, um die Partisanen zu stellen. Die Partisanen wussten von dieser Aktion, sie haben sich nicht gestellt. Ein beteiligter Gendarm berichtete über diese Aktion: „5/e hätten uns jederzeit abschießen können, ohne dass wir in ihre Nähe gekommen wären." Sie hätten dies können, aber sie sind ihnen aus dem Wege gegangen. Dadurch ist es ihnen gelungen, ihre Verfolger über ihre Größe und Kampfkraft im unklaren zu lassen.

Die Gestapo versuchte, die Widerstandsund Partisanenbewegung und ihre Anhänger mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, sei es durch Provokation, durch Spitzel, Erpresser, Herausfordern zu bekämpfen. Es gelang ihnen nur in Einzelfällen, ansonsten gingen die Aktionen in die Leere. Von ganz großen Aktionen mussten sie absehen, sie wollten zwar dieses Gebiet von den Feinden des Nationalsozialismus säubern - wegen der Alpenfestung, der Luftschutzkeller für die NS-Prominenz, Sammelbecken für die geflüchteten Satellitenregierungen des NS-Regimes und der vielen Lazarette, die sich im Salzkammergut befanden.

Zur selben Zeit, als die Gestapo die Schoberwiesenalm-Wildenseealm-Aktion durchführte (September 1944) wurde von der Gestapo die von ihnen als „Welser-Gruppe" bezeichnete Landesleitung der KPÖ Oberösterreich ausgehoben. Von etwa 100 verhafteten Frauen und Männern (aus Wels, Stadl-Paura, Steyrermühl, Gmunden, Ebensee, Steyr, Linz und Wien) wurden 69 Männer und Frauen im KZ Mauthausen und Schörgenhub ermordet.

Die Widerstands- und Partisanenbewegung, Freiheitsbewegung, war eine Gemeinschaft von Personen und Gruppen, die verschiedenen politischen Richtungen und Konfessionen angehört haben, die durch keine Leitung angeleitet wurden oder auch unterstanden.

Vier Grundprinzipien waren für jeden, der dieser Bewegung angehörte, grundsätzlich zu befolgen: Die Eigeninitiative zum baldigen Erreichen des gestellten Zieles; die freiwillige Disziplin bei der Durchführung von Anweisungen; Konspirativität in seiner Tätigkeit zum Schutz der gesamten Bewegung; Verschwiegenheit gegenüber dem Feind, in welche Lage er auch kommen mag.

Die Bewegung wurde angeleitet von einzelnen Personen durch persönliche Kontakte in der Zeit von 1938-1945, in der ersten Zeit auch durch Vertreter des ZK der KPÖ. In der Zeit von 1943/44 beginnt die Anleitung vorwiegend durch Sepp Plieseis und seine nächste Umgebung. Sie entsprach den Anweisungen des ZK der KPÖ (Die Rote Fahne, Februar 1939 „Die Partei lebt": Die neue Lage erfordert eine neue Organisationspraxis . . . Gerade heute ist es die Aufgabe und Pflicht eines jeden Kommunisten, selbständig und initiativ zu arbeiten, um sich einen Kreis von Antifaschisten zu sammeln) . . . Dazu kamen die politischen Richtlinien und Hinweise von Radio Moskau und andere Auslandsender.

Eine Leitung für das ganze Gebiet zu schaffen, war mit großen Gefahren verbunden und stand vollkommen im Gegensatz zu den Erfahrungen aus der vergangenen illegalen Tätigkeit und der Konspirativität. Darum wurde keine Leitung geschaffen.

Nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches wurde weiterhin, soweit es überhaupt noch möglich war, soweit die einzelnen Gruppen und Personen sich nicht selbständig gemacht haben auf Grund der örtlichen Verhältnisse, die Zusammenarbeit durch die persönlichen Kontakte von Sepp Plieseis aufrechterhalten. Diese Arbeitsform und die Beibehaltung der Kontakte war gut, widersprach jetzt vollkommen der neuen Situation, der Halblegalität, die die amerikanische Besatzungsmacht zuließ.

Zwar war die Freiheitsbewegung anerkannt, d. h. Teile von ihnen übernahmen mit der Zustimmung der amerikanischen Besatzung in den Gemeinden und Betrieben verschiedene Aufgaben. Aber ein Teil der Anhänger der Bewegung sahen mit dem Zusammenbruch des Hitlerregimes ihre Aufgabe als erfüllt und gingen ihrem Beruf oder sonstigen Tätigkeit wieder nach.

Diese Personen überließen wegen des Berufes oder ihrer Bescheidenheit oder wegen anderer repräsentativer Personen oder für jene, die schon früher in der Öffentlichkeit gewirkt hatten, die aber oftmals mit der Widerstands- und Partisanenbewegung fast in keinerlei Verbindung standen, aber das Vertrauen der Besatzungsmacht erworben hatten, ihren Platz.

So wurden durch das Nichtvorhandensein einer Organisation und Leitung der Freiheitsbewegung vielfach diese Freiheitskämpfer zur Seite geschoben, nicht beachtet, oftmals sogar verleumdet. Und so wurde der Wiederaufbau Kräften, Menschen in die Hand gelegt, die sich oftmals von der Freiheitsbewegung abgrenzten oder gar ablehnend gegenüberstanden.

So muss festgestellt werden, dass ein großer Teil jener Kräfte, die ihr Leben, ihre Gesundheit für die Beseitigung der Hitlerherrschaft eingesetzt haben, nicht beachtet oder sogar als Verräter bezeichnet werden und fast von allen seit 1945 bestehenden österreichischen Regierungen nicht sehr große Anerkennung fanden.

Peter Kammerstätter
Quelle: „Antifa-Info“ Herbst 1994, In Erinnerung an Peter Kammerstätter 10.12.1911-3.10.1993



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