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1944: Das Rückgrat der Partisanen

  • Dienstag, 1. April 2014 @ 08:00
Geschichte Ab April 1944 hielten sich sechs bis acht politisch Verfolgte im sogenannten „Igel“ im Toten Gebirge verborgen, ihre Zahl wuchs bis zum Frühjahr 1945 auf 35 und mehr Personen an. Sie mußten zum Großteil vom Tal aus mit Lebensmitteln versorgt werden. Insgesamt halfen zwischen 500 und 600 Menschen mit, die Ernährungsgrundlage der Gebirgspartisanen zu sichern.

Ab 1943 hatte sich die Stimmung dermaßen zu ungunsten des Regimes verändert, daß aus allen sozialen Gruppen und politischen Lagern Beispiele für „individuellen Widerstand“ nachzuweisen sind. Diese Bereitschaft verbindet sich mit den Aktivitäten der vor allem von KommunistInnen, Katholiken, „kleinen“ Nationalsozialisten und Parteilosen getragenen Widerstandsgruppe im engeren Sinn.

Die historisch belegten Kontakte zwischen Arbeitern, Jägern, Geschäftsleuten und einer Reihe von Pfarrhöfen des Salzkammergutes wurden vor allem von Frauen hergestellt. In den meisten Fällen nützten sie die gängigen weiblichen Rollenbilder dazu, um, möglichst unscheinbar zu wirken. Lange Zeit blieben die Verdienste der Frauen in der Widerstandsbewegung des Salzkammergutes aus der Geschichtsschreibung ausgespart. Erst Peter Kammerstätter hat die Thematik des weiblichen Widerstandes in dieser Region in seiner „Materialiensammlung“ zu aktualisieren vermocht.

Elisabeth Reichardt macht in ihrer 1983 an der Universität Salzburg approbierten Dissertation auf ein interessantes Detail aufmerksam, indem sie darauf hinweist, daß Sepp Plieseis’ autobiografische Darstellung der Ereignisse (Vom Ebro zum Dachstein, Lebenskampf eines österreichischen Arbeiters, Wien 1946) von den Erzählungen der Frauen abweicht, die sie interviewt hat:

„Die Handlungen der Frauen sind entweder ganz weggelassen ... oder sie werden den Männern zugeschoben: Besorgung der Fluchtutensilien, des Quartiers - und hier beantwortet sich unsere Frage: Deshalb durfte Plieseis auch die Resi Pesendorfer nicht kennen, denn alle konspirativen Handlungen `müssen Männerhandlungen sein.’ Das geht soweit, daß die Frauen zwar das Essen bringen, aber woher sie es bekommen, wie sie es organisieren, das wird wieder den Männern, wenn schon nicht zugeschrieben, so doch in den Mund gelegt: `...wir futtern schon drei Genossen durch...’, `...ich hab dir was zum Essen mitgebracht...’ - die Frauen, die dieses Essen ermöglichten, werden verschwiegen, sie werden ihrer Handlungen enteignet.“

Am Beispiel der Flucht von Sepp Plieseis aus dem Nebenlager Hallein soll gezeigt werden, wie unterschiedlich die Rolle der Frauen im Widerstand dargestellt wird. Die Rückkehr Sepp Plieseis’ ins Salzkammergut im Herbst 1943 stellte in gewisser Weise den Beginn der Widerstandsbewegung in dieser Region dar und rechtfertigt somit die nähere Aufmerksamkeit.

In Hallein hatten Agnes Primocic und Mali Ziegleder Zivilkleider besorgt und Kontakte zu Frauen des Salzkammergutes, besonders zu Resi Pesendorfer, hergestellt. Sie organisierte ein Quartier und die notwendigen Lebensmittel für Plieseis und den als Fluchthelfer fungierenden Karl Gitzoller. Resi Pesendorfer beschreibt ihre Widerstandstätigkeit folgendermaßen: „Die Zeit vom Herbst bis ins Frühjahr (1944/45, die Verf.) war am allerschlimmsten, es hat uns viel Nervenkraft gekostet. Die ganze Zeit bestand meine Aufgabe darin, Kurierdienste zu tun, nach Goisern, Ebensee, Hallein, Bad Aussee.

Nach Aussee zur Feldhammer Marianne kam ich an dem Tag nach der Ermordung des Feldhammer Karl durch die Gestapo im Jänner 1945 hin. Wenn Plieseis etwas benötigte, dann schickte er mich, seine Aufträge durchzuführen.

Die Lebensmittelbeschaffung war eine sehr schwierige Aufgabe. Wir haben bei unseren Bekannten und verläßlichen Menschen in Bad Ischl gesammelt. Es waren auch ehemalige Nationalsozialisten, u.a. Geschäftsleute, dabei, die uns Brotmarken und andere Eßwaren, die sie abzweigen konnten, gaben.“

Wiederholte Male ist auf Karl Feldhammer aus Bad Aussee und die Bedeutung seines Hauses für die Widerstandsbewegung hingewiesen worden. Seine Frau Marianne hat mit ihrem Mut und ihrer Zähigkeit unzählige Male mitgeholfen, die Versorgung der Männer im „Igel“ zu sichern.

Ingrid Moser


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