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Gustl Moser (1896 - 1986)

  • Freitag, 7. Oktober 2011 @ 08:00
Biografien Gustl Moser war Februarkämpfer, antifaschistischer Widerstandskämpfer, nach 1945 kommunistischer Politiker, Mitbegründer der oö. Arbeiterkammer und langjähriger Stadtrat in Steyr.

August Moser wurde am 22. April 1896 als Sohn eines Hilfsarbeiters und einer Gastwirttochter in Lichtenegg bei Wels geboren. Nach dem Schulbesuch begann er eine Lehre als Kunstschlosser, welche er im Jänner 1914 mit Auszeichnung abschloss.

Im August fand er schließlich Arbeit in der „Österreichischen Waffenfabriks – Gesellschaft“ in Steyr. Als einer der wichtigsten Rüstungsbetriebe der Österreichisch – Ungarischen Monarchie hatte diese nun, wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, volle Auftragsbücher und benötigte qualifizierte Fachkräfte. Im selben Jahr trat er auch der Gewerkschaft der Metallarbeiter, dem Österreichischen Metallarbeiterverband (MAV), 1917 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ) bei.

Bereits in den folgenden Jahren ist seine Teilnahme zahlreichen Arbeitskämpfen sowie seine Wahl zum Vertrauensmann verbürgt. Diese Tätigkeit brachte es schließlich mit sich, dass er von der Militärbehörde am 31. Jänner 1918 „einrückend gemacht“ wurde. Mit viel Glück blieb ihm jedoch ein Fronteinsatz erspart und er konnte bereits im September 1918 seine Arbeit in der Waffenfabrik wieder aufnehmen. Im „Roten Steyr“ der Zwischenkriegszeit blieb Mosers Haupttätigkeitsgebiet die Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, obwohl er auch noch Gemeinderat in St. Ulrich bei Steyr war und noch zahlreiche weitere Funktionen im Schutzbund, bei den Freidenkern und im Arbeiterturnverein bekleidete. 1923 wurde er erstmals zum Betriebsrat in den Steyr-Werken gewählt und es gelang ihm sein Mandat bis zur letzten Betriebsratswahl im Jahre 1933 erfolgreich zu verteidigen. 1926 wurde er Obmann des Arbeiterbetriebsrates.

Die Betriebspolitik zahlreicher österreichischer Unternehmen der Zwischenkriegszeit war davon gekennzeichnet, die Errungenschaften der Arbeiterbewegung aus der „Österreichischen Revolution“ von 1918 ( Wahl von Betriebsräten, Kollektivverträge, 8-Stunden-Tag, etc.), soweit wie möglich in ihrer Ausübung zu behindern und letztlich überhaupt zu entfernen. In den Steyr – Werken war dies nicht anders. Dort kam dazu, dass der Betriebsrat über das Sonderrecht verfügte, bei der Aufnahme und Entlassung von Arbeitern seine Zustimmung geben zu müssen. Dies war der Geschäftsleitung wiederum ein Dorn im Auge. Doch trotz einer hohen regionalen Arbeitslosigkeit, einer zweimonatigen Aussperrung der Arbeiter sowie einer kurzfristigen Stilllegung der Produktion konnte der Betriebsrat seine Rechte erfolgreich verteidigen.

Moser gehörte ab den 30er Jahren auch zu führenden Köpfen der innerparteilichen Opposition in der SDAPÖ. Er kritisierte heftig deren Nachgiebigkeit bei der Verteidigung wichtiger Errungenschaften wie etwa der Verfassungsreform von 1929, dem „Antiterrorgesetz“ und dem Mieterschutz. Doch die parteiinterne Opposition erwies sich schließlich als zu schwach, um einen Kurswechsel zu erzwingen.

Bei den Kämpfen des 12. und 13. Februars 1934 in Steyr spielte Moser eine politische und militärische Schlüsselrolle. Nach der Niederlage floh er deshalb in die Tschechoslowakei. Dort trat er im Juni 1934 der Kommunistischen Partei bei und betätigte sich in ihrem Namen an der illegalen Gewerkschaftsarbeit im ständestaatlichen Österreich. Dabei entging er einmal nur knapp seiner Verhaftung. Im Herbst 1938 emigrierte er über Frankreich nach Schweden und kehrte im Dezember 1945 von dort wieder nach Steyr zurück.

Nach der Rückkehr aus dem Exil übernahm er den vakanten Posten eines Bezirkssekretärs der Gewerkschaft der Metall- und Bergarbeiter in Steyr und ging daran eine grundlegende Reorganisation der gewerkschaftlichen Strukturen im Bezirk durchzuführen. Daneben galt Mosers Augenmerk auch der kleingewerblichen Sensenindustrie des Enns- und Steyrtales, wo aufgrund der geringen Produktivität und schlechten Organisierung der Arbeiter die Löhne sehr gering waren. Deshalb ging er daran, eine Verbesserung dieser, teilweise archaischen, Arbeitsverhältnisse zu versuchen. Neben diesen Aufgaben hatte Moser auch die Lohnverhandlungen auf Betriebsebene zu führen und es gelang ihm mehrmals, trotz des damals verfügten Lohnstopps, Erhöhungen für die Belegschaften durchzusetzen. Die Richtschnur für diese Verhandlungen waren für ihn die Ergebnisse der, zwischen der ÖGB – Spitze und der Wirtschaftskammer abgeschlossenen, Lohnpreis - Abkommen. Sie sollten ursprünglich die Gefahr einer galoppierenden Inflation durch den aufgestauten Konsumbedarf der Bevölkerung nach Kriegsende verhindern, doch bescherte diese Vereinbarung der breiten Bevölkerung tatsächlich einen beträchtlichen Reallohnverlust. Deshalb verwundert es nicht, dass bereits das 2. und 3. Lohnpreis – Abkommen von massiven Protesten seitens der Arbeiterschaft begleitet war.

Als nun im September 1950 Details über ein viertes derartiges Abkommen bekannt wurden, war die Geduld der Betroffenen endgültig zu Ende und der aufgestaute Unmut machte sich in einer zehntägige Arbeitsniederlegung Luft, welche als Oktoberstreik in die österreichische Zeitgeschichte eingegangen ist.

Moser hatte keine Vorgaben seitens der Gewerkschaftsleitung erhalten, wie er sich in diesem Falle verhalten sollte. Er versuchte deshalb nach eigenem Ermessen den Ausstand in den Steyrer Betrieben in geordneten Bahnen zu halten. Tatsächlich kam es hier nicht zu solchen Zwischenfällen, wie dies z. B. in Linz oder Wien der Fall gewesen war. Dennoch wurde er wenige Tage nach dem Ende des Oktoberstreiks fristlos entlassen und sogar aus der Gewerkschaft ausgeschlossen wurde.

Neben seiner Gewerkschaftstätigkeit übte Moser auch in der oberösterreichischen Arbeiterkammer verantwortliche Positionen aus. Er gehörte dieser vom (Neu-)anfang im Jahre 1946 an und war Mitglied in der Vollversammlung sowie in verschiedenen Ausschüssen. Als Fraktionsobmann der Gewerkschaftlichen Einheit gehörte er zu den wichtigsten Debattenredner der kommunistischen Kammerräten. Aus seinen zahlreichen Wortmeldungen lässt sich die Nachkriegsentwicklung auf innenpolitischem und wirtschaftlichem Gebiet gut nachvollziehen.

Darüber hinaus hatte Moser von 1952 bis 1961 auch noch das Amt eines Stadtrats für wirtschaftliche Entwicklung in Steyr inne und war danach bis 1971 als Gemeinderat tätig. Er gehörte außerdem dem Politischen Büro sowie dem Zentralkomitee der KPÖ an und war lange Zeit stellvertretender oberösterreichischer KPÖ – Obmann sowie Mitglied des KZ – Verbandes.

Für seine Widerstandstätigkeit im Ständestaat und im schwedischen Exil wurde er mehrfach ausgezeichnet. So wurde ihm z. B. 1979 das Ehrenzeichen für die Verdienste um die Befreiung Österreichs verliehen, 1983 das goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.

Am 7. Oktober 1986 verstarb Moser im Alter von 91 Jahren. An ihn erinnert eine Straße im Steyrer Stadtteil Taschlried.

Quelle: Website KZ-Verband OÖ, Autor: Alexander Dinböck


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