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Peter Kammerstätter (1911-1993)

  • Samstag, 10. Dezember 2011 @ 08:00
Biografien Peter Kammerstätter wurde am 10. Dezember 1911 in Triest als Sohn eines strafversetzten oberösterreichischen Eisenbahners und einer aus der Untersteiermark stammenden Mutter geboren. Im Alter von acht Jahren kam er nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1919 nach Linz, wo er lange als „Zuagroaster”, „Katzelmacher” oder „Italiener” ausgegrenzt wurde, was seine Sensibilität im Umgang mit Minderheiten schärfte.

Nach dem Schulbesuch erlernte Kammerstätter den Beruf eines Elektroschlossers. Schon frühzeitig war er in der Arbeiterbewegung organisiert und kam aus der Sozialistischen Arbeiterjugend über die Sozialdemokratische Partei bereits 1933 in die KPÖ, welcher er bis zu seinem Tode am 3. Oktober 1993 angehörte.

Bei den Februarkämpfen 1934 meldeten sich auch viele Kommunisten bei den Sammelstellen des Schutzbundes, Kammerstätter war zunächst bei der Verteidigung der Eisenbahnbrücke und anschließend beim Petrinum in Urfahr im Einsatz. Schon unter dem Austrofaschismus übte er wichtige Funktionen für die KPÖ aus und wurde mehrmals verhaftet. In einem Polizeibericht vom 16. September 1935 wird er beispielsweise beschuldigt, den Vertreter des Zentralkomitees Anton Alfons zum Zwecke des Aufbaus einer Verbindung in die Tabakfabrik Kontakt mit der Kommunistin Marie Ritter hergestellt zu haben und wurde dafür zu 6 Monaten Arrest verurteilt.

1938 gehörte Kammerstätter der illegalen KPÖ-Landesleitung an und war in den Tagen vor dem „Anschluß” Österreichs an Nazideutschland im März 1938 an Kontaktgesprächen der KPÖ mit dem christlichsozialen Politiker Alfred Maleta, damals Sekretär der Arbeiterkammer und nach 1945 ÖVP-Abgeordneter, mit dem Ziel eine Einheitsfront gegen Hitler herzustellen teil.

Wie ernst die Gestapo Kammerstätters Widerstand gegen das NS-Regime nahm, wird aus dem „Verzeichnis oberösterreichischer Kommunisten” erstellt von der Gestapo Linz vom 16. August 1938 deutlich. Darin wird festgestellt, daß er sich an der Herstellung und Verbreitung großer Mengen Flugschriften” beteiligte und ”mit Kurieren in Verbindung” stand und eine Briefanschriftstelle errichtete und wurde daher von der Polizeidirektion Linz im Jahre 1935 mit 6 Monaten Arrest bestraft. Vor allem aber bezeichnete die Gestapo Kammerstätter als einen „fanatischen Kommunisten, der steter Beobachtung bedarf und mit dessen besonderer Aktivität im Ernstfall zu rechnen ist”. Kammerstätter war allerdings kein Fanatiker, sondern ein „Funktionär mit Überlegung und Umsicht”, wie Franz Kain in seiner Grabrede ausführte.

Nach Beginn des 2. Weltkrieges auf Betreiben Hitlerdeutschlands wurde er im September 1939 verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht, wo er im Auftrag des Lagerkomitees mit dem ebenfalls inhaftierten späteren Landeshauptmann Heinrich Gleißner Verhandlungen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit in einem künftigen freien Österreich führte. 1940 kam er wieder frei und wurde unter strenger Überwachung arbeitsverpflichtet.

Im Jahre 1945 war Kammerstätter aktiv am Wiederaufbau der Gewerkschaften beteiligt und war KPÖ-Bezirksobmann von Linz, ab 1948 Landessekretär und von 1951 bis 1965 Mitglied des Zentralkomitees. Dabei war ihm immer schon die marxistische Bildungsarbeit – etwa durch den Plan einer großen Parteibibliothek – ein besonderes Anliegen. In besonderer Weise engagierte sich Kammerstätter Anfang der 50er Jahre auch für die Neutralität, zu deren Pionieren und Wegbereitern er gehörte. 1964 legte er seine Funktion als Landessekretär zurück und arbeitete bis zur Pensionierung im Jahre 1971 in einem Voest-Konzernbetrieb, wo er auch zum Betriebsrat gewählt wurde.

Ab 1967 begann Kammerstätter unermüdlich Material über die Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich zu sammeln und erwarb sich damit als Historiker der Arbeiterbewegung große Verdienste, er wurde dafür zum Professor und von der Landesregierung zum Konsulenten ernannt und von der Stadt Linz mit der Wissenschaftsmedaille ausgezeichnet. Kammerstätter war auch Präsidiumsmitglied des KZ-Verbandes und jahrelang bei der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung in Linz vertreten.

Er war bis zu seinem Tode im Jahre 1993 rastlos und unermüdlich tätig und vermittelte durch seine Tätigkeit für die Volkshochschule, für Jugendgruppen, die Universitäten Linz und Salzburg, mit unzähligen Vorträgen in Schulen sowie Führungen im KZ Mauthausen und „Politischen Wanderungen” zu Schauplätzen von Widerstand und Verfolgung tausenden jungen Menschen Eindrücke über den Faschismus.

Kammerstätter hinterließ umfangreiche Materialsammlungen über die Arbeiterbewegung und den Widerstand in Oberösterreich, die den Unterbau für die Arbeiten zahlreicher Historiker bilden. Sein ganzes Leben war den Idealen der Arbeiterbewegung verpflichtet. Maßgeblich arbeitete Kammerstätter an den Publikationen von Harry Slapnicka zur oö Landesgeschichte sowie der Dokumentation „Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945” mit.

Im Oktober 1996 wurde auf Initiative der Volkshochschule zur Erinnerung an Kammerstätter eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses Finkstraße 3 in Linz, in welchem Kammerstätter gelebt hatte enthüllt. Mit diesem Akt wurden die Verdienste Kammerstätters für die Aufarbeitung eines wesentlichen Bereiches der Geschichte der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstandes in Oberösterreich und darüber hinaus gewürdigt.

Von bleibendem Wert sind die von Kammerstätter im Eigenverlag herausgegebenen Studien und Materialsammlungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich, die leider nur in kleinen Auflagen erschienen sind: „Der Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich. Eine Sammlung von Materialien, Dokumenten und Aussagen von Beteiligten” (1984), ”Der Aufstand des Republikanischen Schutzbundes in Oberösterreich am 12. Februar 1934 im Spiegel der Literatur und Lyrik” (1986), ”Dem Galgen, dem Fallbeil, der Kugel, der Gaskammer entkommen” (1989), ”Franz Haider – Ein Leben im Dienste der Arbeiterbewegung” (1987), „Der Todesmarsch ungarischer Juden von Mauthausen nach Gunskirchen im April 1945”.

Die KPÖ-Oberösterreich hat bereits 2005 eine Dokumentation über Kammerstätter herausgegeben die als Download unter http://ooe.kpoe.at/images/kammerstaetter.pdf zur Verfügung steht bzw. als Printversion bestellt werden kann.


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