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Aktenzeichen Aufwiegler

  • Montag, 27. August 2007 @ 06:00
Geschichte Franz Kain über kommunistischen Journalismus.

Im Jahre 1946 erhielten wir von einer literarischen Agentur Gredler aus Westendorf in Tirol einen Roman zur Veröffentlichung angeboten. Das Manuskript bestand aus Zeitungsausschnitten. Die hintere Seite dieser Ausschnitte war stets gespickt mit bunten Nachrichten und Kommentaren, die uns alle geradezu anheimelnd klangen.

Da war von Hausherrenwillkür die Rede, von Zinsgeiern, von Ausbeutern und von allerlei Reaktionären. Erfrischend klang stets die Frage: "Was wird hier gespielt? Heraus mit der Sprache!" Als wir nach langem Suchen endlich ein kleines Impressum entdeckten, stellte sich heraus, daß es sich bei den Ausschnitten um solche aus der kommunistischen Presse Luxemburgs handelte, daher also die vertrauten Töne.

Ähnlich ergeht es einem, wenn man Beiträge von Kurt Benedikt durch die Jahrzehnte verfolgt. Noch bevor er als Redakteur angestellt wurde, war er schon längere Zeit freier Mitarbeiter, und er hat vom ersten Tag an eine ganz eigene Handschrift eingebracht. Man kennt seine Artikel und Berichte noch nach Jahrzehnten, auch wenn kein Name dabeisteht. Sie tragen eben einen ganz persönlichen Charakter, oft weit ausgeprägter als Beiträge, die namentlich gezeichnet sind. Man spürt beim Nachlesen dieser Beiträge, daß hier einer am Werk ist, der gegen die Ungerechtigkeit kämpft, gegen opportunistische Charakterlosigkeit und gegen Korruption jeglicher Art.

Aber man entdeckt noch mehr in diesen Beiträgen, nämlich die persönliche Lust der Auseinandersetzung, die den Schreiber ganz offenkundig stets gepackt und getrieben hat. Hier ist nicht nur ein eifriger Wühler an der Arbeit, sondern auch ein hochbegabter Husser.

Ein jung verstorbener Kollege hat Kurt Benedikt einmal mit grimmiger Hochachtung einen "brutalen Frager" genannt. Der junge Kollege war bewundernd davon angetan, wie Benedikt meisterhaft die Methode beherrschte, durch "brutales" Fragen den Befragten zu verleiten, in der Aufregung oder im Zorn mehr zu sagen, als er ursprünglich sagen wollte. So hat er’s gehalten, bei Fragestunden mit Landeshauptleuten, Bundeskanzlern, Bischöfen und Ministern, und stets hat er etwas Mitteilsames in die Redaktion heimgebracht.

Mit Schmunzeln erinnert man sich seiner Berichte über den unzugänglichen Friedhof in Mondsee, in welchem die Leichen nicht verfaulen konnten und noch nach zehn Jahren bei einer Exhumierung angeblich das "frische" Auge des Toten aus der vermorschten Truhe geschaut hat. Benedikt hat auch die Traun bei Steyrermühl schon zu seiner Zeit eine Giftbrühe genannt, als sich spätere Grüne noch in der Illusion wiegten, die Welt sei bei uns ohnehin noch heil. Ebenso schmunzelnd liest man nach, wie Benedikt manchen schulmeisterlichen Politiker kräftig und genußvoll in das Wadel gebissen hat. Das ist es dann schon wert, daß man von erzürnten Landes- oder Stadtfürsten gelegentlich einen "Verweis" bekommt.

Gewiß hat Kurt Benedikt auch manchmal über das Ziel hinausgeschossen und sozusagen über die Stränge geschlagen. Aber der Journalist der kommunistischen Presse steht hier immer vor einem bestimmten Dilemma. Würde er so schreiben, daß weder ein Dogmatiker noch ein Revisionist, weder ein Radikaler noch eine Gemäßigter etwas an seinen Produkt auszusetzen hätte, dann müßte er einen saftlosen Brei zusammenrühren oder Beiträge liefern, die zäh und ungenießbar wie Leder sind.

Wenn Artikel und Berichte interessant zu lesen sein sollen, dann kann und darf man von ihnen nicht erwarten, daß sie zuvorderst brav zu sein hätten. Daß nämlich ein kommunistischer Journalist recht brav schreiben soll, das erwartet kein Leser von ihm. Wo es eine gediegene Zurückhaltung und einen Biß gibt, wird er sich stets für den Biß entscheiden, denn schließlich ist ein guter kommunistischer Journalist immer auch ein geborener Aufwiegler. Wenn einmal aus zwingenden Gründen ein Biß nicht ausgeführt werden kann, dann darf der kommunistische Zeitungsschreiber einige Tage lang grantig und verdrossen sein.

Kurt Benedikt war aber nicht nur stets ein schreibender Journalist, sondern auch einer, der mit ständigen Interventionen für jene beschäftigt war, die da mühselig und beladen sind. Natürlich wußte er auch, daß zahlreiche Beschwerdeführer, Benachteiligte, Rat- und Hilfesuchende jeder Art oft erst dann zu uns kommen, wenn sie schon bei allen anderen Parteien und Institutionen angeklopft haben. Er hat es sich trotzdem nicht verdrießen lassen, sich stets auch um solche hartnäckigen Fälle zu kümmern, die auf den ersten Blick hoffnungslos verloren und ein für allemal erledigt schienen. Oft ist es ihm dann doch gelungen, eine bösartige Bürokratie, die ja überall ihr Unwesen treibt, aufzubrechen und dem schwachen Pflänzchen Gerechtigkeit, wenn schon nicht zum Durchbruch zu verhelfen, so doch etwas Luft zu verschaffen.

Manche Funktionäre meinen, es bringe nichts, sich "für alle möglichen Leute" einzusetzen. Ein kommunistischer Zeitungsmann denkt da anders. Er betrachtet es durchaus nicht als Schande, auch in der "Szene" der Gedemütigten. Niedergedrückten, Verhutzelten und Kuriosen, der Gestrauchelten und auch der kleinen Strawanzer als einer zu gelten, mit dem man reden kann, und der bereit ist, zuzuhören und zu helfen. Musterknaben und Mustermädchen bedürfen seiner nicht und er nicht ihrer Ratschläge. Der kommunistische Zeitungsschreiber hält zu seinen "Klienten" wie eine Mutter zu ihren Kindern, auch wenn diese Kinder recht schwierige Kinder sind. Er kniet sich in jeden Fall hinein, denn er hat ein Herz, das sich empört über das Unrecht in unserer Zeit.

Quelle: "Volksstimme", 6.11.1987


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