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Stellungnahme Prekarisierung

  • Montag, 4. April 2005 @ 12:18
Arbeit Was ist Prekarisierung?
Unter Prekarisierung fallen alle Arbeitsverhältnisse die nicht dem so genannten „Normalarbeitsverhältnis“ entsprechen, das durch unbefristete Vollzeitbeschäftigung mit voller sozialer Absicherung (Krankheit, Pension, Arbeitslosigkeit) und relativ sicheren Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist.

Schon bisher existierte dieses „Normalarbeitsverhältnis“ nur in Europa, Nordamerika und Japan, der Rest der Welt war praktisch ausgeschlossen. Und es traf auch hier schon bisher für Frauen, MigrantInnen etc. nicht zu und löst sich zunehmend zugunsten atypischer, prekärer Arbeitsverhältnisse auf. Prekarisierung bezieht sich aber nicht nur auf befristete, ungesicherte, nicht existenzsichernde, risikoreiche Arbeit, sondern auf die daraus resultierendengesamten Lebensumstände.

Prekarisierung hat eine materielle Seite, weil sie nicht existenzsichernd ist. Sie hat eine rechtliche Seite, weil der Anspruch auf Lohnersatzleistung (Arbeitslosengeld, Krankengeld…) verloren geht. Und sie hat eine institutionelle Seite, weil die Vertretung durch Betriebsrat, Arbeiterkammer etc. hinfällig wird.

Wer ist betroffen?
Unter den Begriff Prekarisierung fallen alle atypischen Beschäftigungsverhältnisse, Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigungen, Leiharbeit, Telearbeit, Heimarbeit, freie DienstnehmerInnen, Scheinselbständige, befristete Beschäftigung, Arbeitslose und solche in ABM-Maßnahmen (Kurse, Stiftungen…), Schwarzarbeit. Mittlerweile sind mehr als eine Millionen Menschen davon betroffen, Tendenz stark steigend.

Von Prekarisierung betroffen sind so unterschiedliche Gruppen wie Leiharbeiter in der Industrie, als Reinigungspersonal oder Taxifahrer arbeitende MigrantInnen mit Hochschulabschluss, Wissenschaftler die sich von einem Projekt zum nächsten hanteln müssen, Verkäuferinnen in Teilzeit oder auf Abruf oder Subunternehmer in der Bauwirtschaft.

Aber auch Beschäftigte in „Normalarbeitsverhältnissen“ sind zunehmend von Prekarisierung bedroht: Senkung der Löhne und sinkende Lohnquote, Ausdehnung der Arbeitszeit durch Wegfall von Überstundenzuschlägen, steigende Arbeitslosigkeit und unsichere Arbeitsplätze sind klare Tendenzen in Richtung Prekarisierung.

Was steckt dahinter?
Die Grundanforderung des neoliberalen Kapitalismus ist immer größere Flexibilität und Risikobereitschaft gerade in Bezug auf die Arbeit. Dazu kommt das Dogma, wonach soziale Sicherheit nicht mehr finanzierbar sei und daher alle selbst vorsorgen müssten. Wer keine Arbeit hat, dem wird eingetrichtert, dass jede Arbeit besser sei als auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

Dem steht der Fakt gegenüber, dass unsere Gesellschaft so produktiv und so reich wie noch nie ist. Allerdings nimmt die Ungleichheit in der Verteilung dieses Reichtums ständig zu. Die Reichen werden immer reicher wie wachsende Gewinne und Millionenvermögen beweisen, gleichzeitig sind immer mehr Menschen von Armut bedroht.

Es ist genug für alle da!
Worum es also letztlich geht, ist die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Die Forderung nach einem Verbot aller prekären Arbeitsverhältnisse ist ebenso ein leeres Schlagwort wie die Abschaffung des Kapitalismus. Worum es geht ist ein neues Verständnis von Arbeit in einer hochproduktiven Gesellschaft zu finden.

Eine Antwort auf die wachsende Prekarisierung ist der Kampf um eine Grundsicherung für alle, egal in welchem Arbeitsverhältnis oder arbeitslos, auch im Krankheitsfall und als Altersvorsorge. Das Geld zur Finanzierung einer solchen Grundsicherung ist vorhanden und kann etwa durch eine Wertschöpfungsabgabe und Abschöpfung der Spekulationsgewinne eingehoben und vom Staat verteilt werden.

Stellungnahme des KPÖ-Bezirksvorstandes vom 4. April 2005


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