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1918: Entstanden im Revolutionsjahr

  • Sonntag, 3. November 2013 @ 08:00
Geschichte Die Gründung der Kommunistischen Partei (Deutsch-)Österreichs (KPÖ) erfolgte mitten im Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und dem Ende des 1. Weltkrieges durch eine Gruppe von Linksradikalen, nachdem es nicht gelungen war Friedrich Adler als Exponenten der Linken in der Sozialdemokratie für die Gründung der neuen revolutionären Arbeiterpartei zu gewinnen.

Im Unterschied zu anderen europäischen Ländern wie Italien, Frankreich, Deutschland oder der Tschechoslowakei ging der Gründung der KP in Österreich keine tiefgehende Diskussion und Auseinandersetzung in der Sozialdemokratie voraus und daher gelang es der KPÖ auch nicht wesentliche Teile der Sozialdemokratie zu gewinnen. Der SDAP wiederum gelang es stets, ihre pragmatische Politik und ihre Versöhnung mit dem Kapital mit verbalradikalen Deklarationen zu übertünchen und damit die Mehrheit der ArbeiterInnenbewegung an der Leine zu halten.

In Wien erfolgte die Gründung der KPÖ am 3. November 1918, in den anderen Bundesländern, so auch in Oberösterreich, ist das Jahr 1919 das eigentliche Gründungsjahr der Kommunistischen Partei. Der erste Vorsitzende der KPÖ, Karl Steinhardt, reiste Ende Jänner 1919 von Wien nach Westen und hielt Gründungsversammlungen in Sankt Pölten, Amstetten, Steyr, Linz, Wels, Attnang-Puchheim, Gmunden, Ebensee und Salzburg ab.

Parteigründung in Linz

In Linz gab es zunächst erst einzelne kommunistische Gruppen. An der eigentlichen Gründung der KPÖ hatte Heinrich Reisecker hervorragenden Anteil, der in Wien auch mit dem Gründungsmitglied der KPÖ, Franz Koritschoner, bekannt wurde und mit dem Auftrag nach Linz zurückkam, hier die Parteiorganisation aufzubauen.

Die erste Gründungsversammlung wurde für den 4. Februar 1919 ins Gasthaus ”Zur Taube” in der Museumstraße einberufen. Als Redner war Karl Steinhardt vorgesehen. Da aber in Linz infolge von Unruhen Standrecht herrschte, wurde die Versammlung verboten, Steinhardt und Reisecker vorübergehend in Haft genommen. Die Polizei vermutete in Steinhardts Erscheinen eine Verbindung zu den gerade stattfindenden Hungerkrawallen und Plünderungen. Tatsächlich hatte die KPÖ damit nichts zu tun, sodass er nach wenigen Stunden wieder enthaftet wurde.

Am 19. Februar 1919 fand in Linz eine Konferenz der Arbeiter- und Soldatenräte statt, bei welcher der Soldatenrat Leopold Siharsch bereits als Kommunist auftrat. Unter den 52 Delegierte befanden sich das ZK-Mitglied Eichinger (Wien) und Heinrich Reisecker (Linz). Richard Strasser, der Führer der Rätebewegung, erklärte, dass die Räte ”nicht mehr bloße Vollzugsorgane der Sozialdemokratischen Partei” sein dürften. Diese Tagung brachte der KPÖ erheblichen Auftrieb.

Am 21. Februar 1919 fand dann im Gasthaus ”Zum Elefanten”, die Gründungsversammlung der KPÖ statt. Referenten des Zentralkomitees waren Elfriede Friedländer und Gerhard Eisler. Als führende Funktionäre wurden Leopold Siharsch und Heinrich Reisecker gewählt. Weiters gehörten zur ersten Leitung in Linz Grubmüller, Willinger, Mathies, Eckle, Chepek, Pfeiffer, Winkelmayer, Schossböck, Pschierer und Maria Verosek. Später kamen noch Josef Strasser, Roth, Matschler und Wernbacher dazu.

Aus damaligen Berichten geht hervor, dass sich bei der Gründungsversammlung einige hundert Arbeiter und Soldaten zur Partei gemeldet haben. Große Begeisterung löste die Mitteilung eines Stabsfeldwebels aus, seine ganze Kompanie werde der KPÖ beitreten. Charakteristisch für die Entwicklung ist etwa die Erklärung des 3. Vorsitzenden des Landessoldatenrates Karl E. Baumgärtel, einmal als Leutnant, dann wieder als Oberleutnant Karl Kriechbaum bezeichnet, mit seiner ganzen Kompanie der KPÖ beigetreten zu sein, in Wahrheit handelt es sich um verbalradikales Manöver um ein Abdriften zur KPÖ zu verhindern. Die Gründung der KPÖ in Linz wurde aber auch vom Polizeispitzel Brandl und der bürgerlichen ”Tagespost” beobachtet.

Andererseits hatte die junge Partei auch mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Stadt war noch immer überfüllt von zurückflutenden Truppen der auseinandergefallenen Armee, die Funktionäre der Partei waren meist junge Menschen, denen es an Erfahrung mangelte. Trotzdem nahm die Partei einen großen Aufschwung, sie führte Versammlungen im Volksgarten-Saal durch, an denen rund 3.000 Menschen teilnahmen. In dieser Zeit wirkte auch Heinrich Brodnig in der Stadt, der auch späterhin mit Linz in enger Verbindung blieb.

Bis zum Sommer 1919 erreichte die KPÖ in Linz einen Mitgliederstand von rund 1.000, nach der Niederwerfung der ungarischen Räterepublik im Herbst 1919 ging der Mitgliederstand allerdings wieder stark zurück.

Hochburg Steyr-Werke

In Steyr war beim Jännerstreik 1918 noch keine ”bolschewistische Agitation” wahrgenommen worden, doch bereits im November 1918 wurde in Steyr von Franz Futterer (Betriebsrat der Steyr-Werke), Rinner Josef, Viktor Grasbon, Franz Egger, Thalhammer, Franz Bayer und Heinrich Bruckner eine lokale Organisation der KPÖ gegründet.

Am 23. Februar 1919 fand in Steyr die erste öffentliche Versammlung der KPÖ statt und die Bewegung gewann rasch an Boden, so wurden bei einem ”zum Dienste in einer Zerstreungsstation kommandierten Volkswehrmann 50 ½ Kilogramm kommunistische Schriften vorgefunden”. Zum Druck einer lokalen Zeitung erklärte sich im August 1919 keine Druckerei bereit, später fehlten dazu die finanziellen Mittel.

Der Kern der Gründungsmitglieder war fest im Steyr-Werk verankert wie etwa der kommunistische Arbeiterbetriebsrat Johann Bauernfeind und der Hilfsarbeiter Johann Gruber, später ebenfalls KPÖ-Betriebsrat. Der Großteil der Parteimitglieder wohnte in der Barackensiedlung Ennsleite. Der Einfluß der Kommunisten vor allem im Steyr-Werk nahm rasch zu, bis 1922 dann 27 Aktivisten im Zuge einer großen Entlassungswelle gekündigt wurden.

Zuzug erhielt die KPÖ auch aus der sozialdemokratischen Jugend, etwa durch den KPÖ-Arbeiterrat Josef Riener, und aus ”Subkassierskreisen” der SDAP sowie den Schlosser Franz Scherak von der Ennsleite, der dann 1923 bis 1926 KPÖ-Gemeinderat in Steyr war. Die Leitung wurde durch Karl Burgholzer, Franz Hofmann, Oskar Wiesinger, Rosa Kerbler, Käthe und Josef Urban erweitert und der Mitgliederstand erhöhte sich bis zum 1. Parteitag der KPÖ auf rund 1.000 und zum Zeitpunkt der Räteregierung in Ungarn sogar auf 1.540 im Bezirk Steyr, ging aber wenig später ebenso schnell wieder zurück und 1922 zählte die ”Rote Fahne” in Steyr nur mehr 20 Abonnenten.

Nach der Niederschlagung der Räterepublik in Ungarn im August 1919 setzte die Verfolgung der Kommunisten in Steyr ein. Alle KPÖ-Betriebsräte samt dem Fraktionsführer Franz Futterer wurden entlassen. Insgesamt wurden 350 Kommunisten, die im Steyr-Werk damals beschäftigt waren, gekündigt. Die Leitung der Steyrer KPÖ agierte in einem von Franz Bayer gemieteten Raum auf der Ennsleite, Viktor Adlerstraße 9 (Baracke), in dem auch die Schulung der Funktionäre und Aktivisten erfolgte.

Daneben rekrutierte sich ein Teil der Mitglieder aus der nach dem Ersten Weltkrieg als Vorstufe des späteren Bundesheeres aufgestellten Volkswehr, wo sie eine nicht unwesentliche Rolle bei einer großangelegten Waffenbeschaffungsaktion (”Waffendiebstahl”) für den späteren Republikanischen Schutzbund spielten. Eine führende Rolle bei dieser Aktion spielte der damalige KP-Soldatenrat Ludwig Grubelnigg, der 1922 wieder zur SDAP wechselte und dort Obmann der Militärsektion wurde.

Noch im Jahr 1919 kam es zu ersten Ansätzen einer Gründung der KPÖ im Barackenviertel Letten, getragen von früheren Fabriksarbeiterfunktionären der Sozialdemokratie wie Josef Gihammer und Franz Walcher. Die Gründung der Partei erfolgte im Lauf des Jahres 1921, die Bildung einer Jugendgruppe 1923. Ab 1931 gab es auch in Reichraming und Weyer dauerhafte Organisationen der KPÖ.

In Wels und Stadl-Paura

Die im Frühjahr 1919 gegründete Welser KPÖ-Organisation führte am 21. Juni 1919 im stark überfüllten Volksgartensaal ihre erste öffentliche Versammlung mit den Referenten Berthold Arwingrad aus Wien und dem Linzer Lokführer Ladsteiner durch, wie der ”Welser Anzeiger” am 25. Juni 1919 berichtete. Damals trat bereits Karl Ammer der KPÖ bei, der später Obmann der Organisation wurde.

Eine der ersten Parteiorganisationen der KPÖ bildete sich in Stadl-Paura – in der Zeit der 1. Republik neben Steyr eine der ”Hochburgen” der KPÖ in Oberösterreich – getragen vor allem von revolutionären TextilarbeiterInnen der örtlichen Lambacher Flachsspinnerei und durch Zuzug aus der Sozialdemokratie. Die führenden Vertreter der KPÖ in der Industriegemeinde im Bezirk Wels-Land waren Karl Schwarzlmüller, Alois Welischek und Franz Lexl. Ab 1924 war die KPÖ in Stadl-Paura bis zur Annullierung der Mandate im Jahre 1933 mit zwei Mandaten im Gemeinderat vertreten.

Die KPÖ im Salzkammergut

Im Salzkammergut konstituierte sich die KPÖ zunächst in der schon vor dem ersten Weltkrieg als ”rote Hochburg” bekannten Gemeinde Ebensee, wo der SDAP-Abgeordnete Laimer als besonders radikal galt und damit zunächst ein Erstarken der KPÖ verhinderte. Einige Heimkehrer aus der russischen Kriegsgefangenschaft waren Agitatoren für die junge Partei, einer von ihnen brachte aus Sowjetrussland sogar eine Fahne der Roten Armee mit, die in weiterer Folge von der örtlichen Parteiorganisation sorgsam verwahrt wurde. Die KPÖ in Ebensee, zu deren wichtigsten Aktivisten Josef Kasberger, Karl Leitner und Anton Ritzinger gehörten, verbreitete die ”Rote Fahne” und erhielt Auftrieb durch den Streik der Solvay-Arbeiter 1923 und den dabei erfolgten Aussperrungen und hatte Verbindungen vor allem mit Steyrermühl und Stadl-Paura.

Bereits 1918 gab es in Steyrermühl Arbeiter in der Papierindustrie die sich der KPÖ zugehörig erklärten, auch hier spielten Heimkehrer aus der russischen Kriegsgefangenschaft die teilweise auch in der Roten Armee gedient hatten, eine wichtige agitatorische und organisatorische Rolle. Die wichtigsten Aktivisten der KPÖ in den ersten Jahren waren der Lokführer Kretscharek, Franz Schanda, Hans Baumgartner, Wilhelm Feichtlbauer, August Indra und die Brüder Franz und Richard Brandner. Die Kommunisten traten vor allem bei den Betriebsversammlungen auf, hatten doch die Arbeiter schwer um ihre Rechte gegen die sich als wahre Diktatoren aufführenden Direktoren der Papierfabrik zu kämpfen.

Auch im Almtal wurde die KPÖ schon in den ersten Jahren der Republik gegründet, wobei der Essenmeister Scherabon vom örtlichen Sensenwerk in Scharnstein die Initiative ergriff, der um sich eine Reihe von Mitgliedern aus Viechtwang und Grünau scharte und eine rege Tätigkeit entfaltete. Erst später entstanden die Organisationen der KPÖ in Bad Ischl (1926), Gmunden (1930) und Goisern (1930).

Gründung in Attnang

Im Bezirk Vöcklabruck entstand die KPÖ zuerst in Attnang. Über die Gründungsversammlung in Attnang, datierbar auf Jänner oder die erste Februarwoche berichtete Karl Steinhardt, dass diese zwar durch einen Vertrauensmann der KPÖ vorbereitet worden war, dieser selbst aber nicht erschien. Die Versammlung war gut besucht, besonders von Eisenbahnern, von denen einer den Vorsitz übernahm und seine Ehre darin suchte, die Versammlung objektiv zu leiten. Zum Schluss wurde das Versprechen gegeben, ”sich für die Bildung einer Ortsgruppe der Partei einzusetzen”.

Die Lokalorganisation der KPÖ in Attnang-Puchheim wurde dann im Frühjahr 1919 unter Anleitung von Karl Schwarzlmüller aus Stadl-Paura gegründet und ihr Obmann war der Oberschaffner Ludwig Gföller (1885-1943), der 1920 von der SDAP zur KPÖ übergetreten war und sich unter großen persönlichen Entbehrungen mit aller Energie der Parteitätigkeit widmete und einen guten Kontakt zum sozialdemokratischen Vize- und späteren Bürgermeister Karl Jakubetz hatte.

...und im Kohlenrevier

Bereits 1918 gab es auch in Kohlgrube einige Bergarbeiter, die sich als Kommunisten auffassten und die sozialdemokratische ”Wahrheit” berichtete über eine ”zweite kommunistische Versammlung” am 26. Februar 1920. Den Kontakt zu den kommunistischen Bergarbeiter unterhielt Karl Schwarzlmüller von der äußerst rührigen Lokalorganisation Stadl-Paura.

Die eigentliche Gründung der KPÖ im Kohlenrevier fand erst im September 1923, wobei dafür die Orientierung der Partei gegen die Auswirkungen der ”Genfer Sanierung” auf Kosten der Arbeiter maßgeblich war.

Literatur:
- Slapnicka Harry, Oberösterreich von der Monarchie zur Republik 1918-1927, OÖ Landesverlag Linz, 3. Auflage, Linz 1979
- Steiner Herbert, Die Kommunistische Partei Österreichs von 1918-1933, Bibliografische Bemerkungen, Europa-Verlag Wien und Verlag Anton Hain Meisenheim am Glan, 1968
- Stockinger Josef, Zeit die prägt, Arbeiterbewegung in Steyr, Z&K-Verlag, Linz 1988


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