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Das Findelkind Sidonie

  • Donnerstag, 16. Juni 2005 @ 22:11
Geschichte Die 1933 geborene Sidonie Adlersburg war als Findelkind von der Familie Josef und Hans Breirather liebevoll aufgenommen und gemeinsam mit dem Sohn Manfred aufgezogen worden. Es hätte alle Chancen gehabt, der Vernichtungsmaschinerie der Nazis - als Zigeunerkind stand Sidonie auf der Nazi-Liste minderwertiger Rassen - entgehen zu können.

Denn die Familie des bekannten Arbeiterfunktionärs, Februarkämpfers Hans Breirather wandte alle Mühe auf, um dem Mädchen auch in der schwierigen Kriegszeit eine freundliche Kindheit zu ermöglichen.

Die kleine Sidonie wurde der Familie Breirather durch eine "nordische List" entrissen. Vom Jugendamt Steyr wurde nämlich der Familie erklärt, daß die Mutter des Mädchens aufgefunden werden konnte und das Kind daher "zur Mutter gehöre". Hans Breirather glaubte, der Mutter ihr Kind nicht vorenthalten zu können und musste schweren Herzens mitansehen, wie Sidi, so nannte man das kleine Mädchen in der Ortschaft Letten, von einer Fürsorgerin weggebracht wurde.

Die Fürsorgerin, wie auch andere damals verantwortliche des Magistrats Steyr, waren auch nach 1945 hochgeachtete Personen und konnten sich später an nichts mehr erinnern.

Von einer sogenannten "Familienzusammenführung" konnte allerdings keine Rede sein. Denn in Hopfgarten in Tirol erwartete Sidonie nicht etwa die ersehnte Mutter, sondern eine stinkige, überfüllte Baracke. Das Kind wurde ganz einfach einem Transport von Zigeunern zugeteilt, der ins Konzentrationslager Auschwitz ging. Dort wurde Sidonie - sie war gut ernährt und kräftig - in eine Sonderabteilung gesteckt. Die Verbrecher im Ärtzekittel - SS-Ärzte - probierten an ihr neue Medikamente aus. Der kleine Körper wurde mit Typhusbazillen verseucht, bis das Mädchen immer schwächer wurde. Als Sidonie für weitere Versuche nicht mehr kräftig genug war, wurde sie 1943 von der Nazi-Vernichtungsmaschinerie vergast.

Der Fall Sidonie, das "MÄDCHEN MIT DEN SCHWARZEN AUGEN" ist auch ein Beweis für die Möglichkeit menschlicher Größe und Standhaftigkeit in der Zeit des Faschismus. Der nach den Februarereignissen des Jahres 1934 zu einem Jahr Kerker verurteilte und zur KPÖ gekommene Hans Breirather (1899 bis 1980) - er war nach der Befreiung im Mai bis Ende 1945 Bürgermeister von Sierning und in der Folge mehrere Funktionsperioden Gemeinderat und Parteiobmann der KPÖ-Ortsorganisation Sierning - und seine Frau Josefa (1902 bis 1989) bemühten sich mit allen Kräften um das Schicksal ihrer Ziehtochter. Auch Frau Josefa war in der Widerstandsbewegung tätig und langjährige Funktionärin in der KPÖ sowie im Bund Demokratischer Frauen Österreichs.

Kommunistische Publikationen - so etwa ein Dokument zur Geschichte der Steyrer KPÖ - sind mehrfach auf den tragischen Fall eingegangen. Eines der letzten Werke der viel zu früh verstorbenen Filmemacherin Karin Brandauer ist ein Film über das Schicksal des Zigeunermädchens Sidonie Adlersburg. Diesem Film liegt die Erzählung "Abschied von Sidonie" des aus Steyr stammenden Schriftstellers Erich Hackl zugrunde.

Noch heute erinnern sich in der Ortschaft Letten viele ältere Menschen an das "Mächen mit den schwarzen Augen", für das in Österreich (damals Ostmark) kein Platz war, weil sie nicht in die Pläne von "Rassenreinheit" paßte und deswegen sterben mußte.

Der Beitrag ist der 1995 publizierten "Festschrift zum 50. Jahrestag der Befreiung Österreichs. 40 Jahre Staatsvertrag" entnommen, für welche Otto Treml (geboren 1930) und die KPÖ-Steyr verantwortlich zeichneten, entnommen.

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