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Der ÖGB und die Arbeitszeitverkürzung

  • Mittwoch, 19. Oktober 2005 @ 21:57
Arbeit Seit 1987 fordert der ÖGB regelmäßig bei jedem Gewerkschaftskongress eine Arbeitszeitverkürzung.

Neu gestylt im gefälligen Großformat gibt es nun die „Solidarität" für alle Gewerkschaftsmitglieder. Dass aber ein neues Outfit aber noch keine Zeitung macht und höchstens Informationslücken verhüllt, zeigt sich in der Oktober-„Solidarität".

Da wird groß darüber berichtet, dass von 2000 bis 2003 die Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 65.000 gestiegen ist, gleichzeitig aber 61.000 Vollzeit-Arbeitsplätze verloren gingen. Auch im Kommentar der Chefredakteurin wird über die Redkordarbeitslosigkeit lamentiert. Und es wird berichtet, dass der ÖGB das Arbeitsmarktpaket der Regierung als „halbherzige Lösung" bezeichnet. Aber war da nicht noch etwas?

Ja da war noch etwas: Seit 1987 beschließt der ÖGB mit schöner Regelmäßigkeit bei jedem Bundeskongress die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung. Die 35-Stunden-Woche – wie sie in Frankreich eingeführt wurde – wäre schon längst angesagt. Angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit und der enormen Rationalisierung wären aber wohl schon eher 30 Stunden anzupeilen. Angesichts der hohen Produktivität der Wirtschaft wäre eine Arbeitszeitverkürzung auch zu finanzieren. Den ÖGB rührt das alles aber nicht, man will doch den „Sozialpartner" nicht ärgern.

Dabei ist es schon ziemlich paradox: Da steigt einerseits die Zahl der Arbeitslosen – die tatsächliche Zahl ist weit größer als die offiziell vermeldete – von Monat zu Monat. Andererseits ist Österreich Europameister bei der realen Wochenarbeitszeit. Die Arbeit haben müssen immer mehr Überstunden leisten, die Arbeitszeit ist bereits extrem flexibilisiert. Die Unternehmer wollen die Überstundenzuschläge abschaffen. Begründung: Die Löhne seien zu hoch.

Zu hoch sind natürlich nicht die Löhne, sondern Profite und Dividenden. Eine Umverteilung auch bezüglich der Arbeitszeit wird immer dringlicher – oder will der ÖGB weiter dem Kapital die Mauer machen? Derzeit findet Arbeitszeitverkürzung auf eine andere Art statt: Durch immer mehr Teilzeitarbeit und Prekarisierung, durch mehr Arbeit für weniger Lohn. Den Produktivitätsgewinn reißt sich dabei freilich ausschließlich das Kapital unter den Nagel.

© Leo Furtlehner

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