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Millionäre ereifern sich über die „Privilegien“ der Eisenbahner

  • Mittwoch, 16. November 2005 @ 21:51
Arbeit Äußerst seltsame Geistesblüten treiben aus dem Sumpf der Debatte um das ÖBB-Dienstrecht.

Matthias Krenn, einer breiteren Öffentlichkeit völlig unbekannter Stellvertretender Bundesobmann des Ringes Freiheitlicher Wirtschaftstreibender und WKÖ-Vizepräsident behauptet allen Ernstes „Wird das ÖBB-Dienstrecht nicht reformiert, bleibt der wirtschaftliche Erfolg aus und Arbeitsplätze gehen verloren“.

Ganz so, als ob es nicht der Zweck der „Reform“ des Dienstrechts wäre, 10.000 Eisenbahnerarbeitsplätze abzubauen. Bei dem guten RFW-Funktionär sind zwar Hopfen und Malz, aber offenbar nicht die Arbeitsplätze „verloren“. Mit ähnlichen „Argumenten“ hatte auch schon BZÖ-Bündnissprecher Uwe Scheuch seinem Boss Hubert Gorbach die Mauer gemacht.

Besagter Krenn behauptete zudem in einer Kühnheit sondergleichen, wenn die „Arbeitnehmer um jeden Arbeitsplatz bangen“ sei das „Festhalten der Gewerkschaft am Kündigungsschutz der ÖBBler mehr als eine Farce“. Was glaubt er wohl, was Aufgabe einer Gewerkschaft ist?

In der samstäglichen Umfrage hatten die „OÖ Nachrichten“ die Gretchenfrage gestellt: „Gibt es in den ÖBB noch Privilegien?“ Sechs der zehn befragten antworteten pflichteifrig mit Ja, vier mit Nein. Pikant dabei ist, wenn sich als die eifrigsten Privilegienbekämpfer dann ausgerechnet jene profilieren wollen, die selbst im Futtertrog sitzen.

Etwa ein Hubert Gorbach, als Vizekanzler für zweifelhafte Leistungen wie die ÖBB-“Reform“ mit satten 17.000 Euro monatlich entlohnt, auf dem Sprung zu einem Führungsjob beim Vorarlberger Touristikunternehmen Klaus, dem er aus reiner Gefälligkeit gerade die ÖBB-Bodenseeflotte verkauft hat. Befangenheit oder Unvereinbarkeit – davon hat Gorbach noch nie etwas gehört…

In Rage über die „Privilegien“ der Eisenbahner gerät auch Helmut Kukacka, als Staatssekretär Aufpasser und Adlatus Gorbachs, mit 13.909 Euro monatlich dotiert und mit Pensionsanspruch von 10.000 Euro.

Recht eifrig im Kampf gegen „Privilegien“ wie einen sicheren Arbeitsplatz der EisenbahnerInnen gebärdet sich auch Franz Grad, seines Zeichens Transportunternehmer (Transdanubia) und dank genügend überflüssiger „Marie“ Sponsor des FC Pasching. Er regt sich darüber auf, dass die ÖBB als „durch und durch privilegiertes Unternehmen“ für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Verkehrs Geld vom Staat bekommen. Von einer Kostenwahrheit über den Straßenverkehr will er freilich lieber nichts wissen, könnte sich doch dabei herausstellen, dass die SteuerzahlerInnen letztlich auf dem Umweg über die Aufrechterhaltung der Straßen seine Profite finanzieren müssen.

Auch ÖBB-Aufsichtsratspräsident Reithofer empört sich über die „Privilegien“ der Eisenbahner und will sie notfalls per Gesetz abschaffen. Reithofer ist Generaldirektor der Wienerberger und wurde schon 2002 mit einem Jahreseinkommen von 920.000 Euro inklusive „Erfolgsbonus“ ausgewiesen.

Und natürlich ereifert sich auch ÖBB-Boss Martin Huber, von seiner ÖVP in diesen Posten gehievt, über die „Privilegien“ und jammert, dass es ihm so schwer gemacht wird, überflüssiges Personal abzubauen. Wie wäre es, die Frage anders herum zu stellen? Sollten nicht hochdotierte Manager wie Huber einer ist eigentlich daran gemessen werden, wie viel Arbeit sie ermöglichen.

Wäre es nicht eigentlich seine Aufgabe durch eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des umweltfreundlichen Transportmittels Bahn Arbeitsplätze zu sichern oder gar neue zu schaffen? Wenn die „Leistung“ hochbezahlter Manager nur darin besteht, möglichst viele Arbeitsplätze zu vernichten damit die Bilanz stimmt, dann haben sie aus der Sicht der Lohnabhängigen nämlich ihren Beruf verfehlt.

© Leo Furtlehner



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