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Die „Braunauer Bulldogs“ und ihr Umfeld

  • Mittwoch, 1. Februar 2006 @ 14:44
Antifa Die Fahrt zu einem Match in Baumgartenberg im Sommer 2005 nützen die Fans der „Braunauer Bulldogs“ – des Fanclubs des FC Braunau – zu einem Abstecher in die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen.

Aber nicht etwa, dass sie sich bei einer Führung über die dort stattgefundenen Gräuel informierten oder im stillen Gedenken den Ort wo über 100.000 Menschen ermordet wurden, auf sich einwirken ließen. Die „Bulldogs“ hatten anderes im Sinne: Sie posierten mit ihrem Transparent demonstrativ vor dem Lagereingang und fünf der neun „Bulldogs“ reckten die Hand zum Hitlergruß.

Vielleicht ließen sich die braunen Braunauer vom Der Kapitän von "Lazio Rom", Paolo Di Canio (37), inspirieren: Dieser hatte sich bereits zum zweiten Mal von seinen Fans mit dem faschistischen "römischen Gruß" (entspricht dem Hitler-Gruß) verabschiedet und wurde deshalb vom italienischen Fußballverband mit einer Strafe von 8.000 Euro belegt und für eine Partie gesperrt. Auch der Weltverband FIFA schaltete sich ein. Di Canio gibt sich trotzdem uneinsichtig: "Ich werde weiter so grüßen. Sie werden mich nach jedem Spiel verurteilen müssen."

Den „Bulldogs“ gefiel das Foto so gut, dass es auf die vereinseigene Website gestellt wurde und dort monatelang weltweit bewundert werden konnte. Auf eine Anfrage des OÖ Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus antwortete Verfassungsschutz-Landeschef Michael Tischlinger in der Sache werde bereits ermittelt. „Zufällig“ wurde das Foto am 19. Dezember aus dem Netz genommen.

Publik wurde der Fall aber freilich erst Anfang Jänner, als die KPÖ-Oberösterreich und der Infoladen Wels in via Medien an die Öffentlichkeit brachten und es als eine „an Zynismus und Menschenverachtung wohl kaum zu überbietende Aktion“ bezeichneten. Nach einem ersten Bericht im „Kurier“ am 9. Jänner nahmen in ganz Österreich und darüber hinaus die Medien den Faden auf. Die Optik war schließlich verheerend: Ein rechtsaußen agierender Fanklub ausgerechnet aus der Hitler-Geburtsstadt Braunau posiert ausgerechnet im „Gedenkjahr“ 2005 ausgerechnet im KZ Mauthausen mit dem Hitlergruß.

Die KPÖ-Oberösterreich und der Infoladen Wels forderten den Verfassungsschutz, die Stadt Braunau bzw. Bürgermeister Gerhard Skiba und den FC Braunau und dessen Präsidenten Gerhard Holzinger zu Konsequenzen gegen die „Braunauer Bulldogs“ auf, da hier ganz offensichtlich ein Verstoß gegen das NS-Verbotsgesetz vorliegt: „Die Stadt Braunau hat in den letzten Jahren viel zur Aufarbeitung der Vergangenheit und zur Verbesserung ihres Rufes getan“ so KPÖ-Landessekretär Leo Furtlehner, „wenn aber der FC Braunau Neonazis als Anhänger akzeptiert, wird diese Arbeit zunichte gemacht.“

Wie die KJÖ-Braunau ergänzte, war es nicht das erste Mal, dass die „Bulldogs“ durch derartige Aktionen auffielen. Bei Auswärtsspielen kam es schon vor, dass Mitglieder des Fanclubs beim Betreten des Stadions die rechte Hand hoben, nicht nur einmal erklang auch der ‚Schlachtgesang’ „Wir sind die Jungs aus der Hitlerstadt!“. Auch einer von der KJÖ organisierten antifaschistischen Kundgebung im Jahr 2004 kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Demonstranten und einem Neonazi, der ein T-Shirt der „Bulldogs“ trug.

Schockiert war der Braunauer Bürgermeister Skiba, der umgehend die „Capos“ der „Bulldogs“ zu sich zitierte und zur Rede stellte. Diese versuchten den Skandal herunterzuspielen, die Pose in Mauthausen sei ohne ihr Wissen entstanden, die Hitlergrüße in Pasching seien nur unglücklich fotografierte „Umarmungen“ gewesen.

Der FC Braunau war umgehend zum Handeln gezwungen. In einer Aussendung bezeichnete der Vorstand es nach Vorlage der Fotos aus dem Internet als „unverzeihlich und äußerst geschmacklos, sich so zu verhalten, darüber Lichtbilder aufzunehmen und auf einer Homepage im Internet zu veröffentlichen“. Die rechtlichen Folgen dieser Vorgangsweise seien von den Gerichten zu prüfen.

Der Vorstand hält es für „völlig untragbar, dass unser Verein mit Leuten in Zusammenhang gebracht wird, die sich derartig verhalten.“ Und verbot den „Bulldogs“ mit sofortiger Wirkung sich weiter als Fanclub des FC Braunau zu bezeichnen: „Jedwede Verbindung zwischen unserem Verein und den Bulldogs wird abgebrochen. Wir haben den Bulldogs nahe gelegt, sich aufzulösen und die Homepage sofort einzustellen. Es wird ein Stadionverbot über alle Personen verhängt, die auf den Fotos in entsprechender Pose zu sehen sind (Hitlergruß). Sollten sich unter diesen Personen auch Mitglieder unseres Vereins befinden, werden sie aus dem Verein ausgeschlossen.“

Der durch die „Hitler-Grüße“ im KZ Mauthausen bundesweit in die Schlagzeilen gekommene Fußballfanclub „Braunauer Bulldogs“ hatte auch beste Kontakte zum Fußball-Fanclub „Rapid Club Wels“. Anlässlich des gemeinsam besuchten Fußballspiels Superfund Pasching gegen Rapid am 8. Mai 2004 wurde in einer „Pizza-Mann“-Filiale ein Foto aufgenommen, bei dem einige „Fußballfans“ ebenfalls ihren Arm zum Hitler-Gruß erheben. Auch diese Fotos wurden erst zum Jahresende 2005 aus dem Netz genommen.

Der „Rapid Club Wels“, der in enger Verbindung zum Hobby-Team „FC Wotan“ steht, hatte 2003 für Aufregung gesorgt, als die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit anlässlich einer Studie auf der Homepage des Clubs rassistische und xenophobe Inhalte feststellte.

Nicht gelten lassen will Infoladen-Sprecher Markus Rachbauer die „Entschuldigung“, es würde sich bei den Aktivisten der „Braunauer Bulldogs“ nur um dumme Jungs handeln: „Die wichtigen Funktionäre dieser Organisation sind allesamt Mitte dreißig und keine kleinen Kinder mehr, auch wenn sie sich mitunter so benehmen. Außerdem: Auch viele Mitglieder der SA und der SS waren dumme Jungs, Dummheit macht einen aber nicht zwangsläufig auch harmlos.“

Die größere Gefahr geht jedoch mit Sicherheit von Organisationen wie dem rechtsextremen „Bund Freier Jugend“ (BFJ) mit Sitz in Marchtrenk aus. Deren Auftreten ist weniger stümperhaft, dafür ist ihre Ideologie umso radikaler. Der BFJ wird in einem Gutachten des Verfassungsrechtlers Heinz Mayer als neonazistisch eingestuft.

Bei einer Kundgebung dieser Gruppierung in Wels am 19. April 2003 waren auch einige Mitglieder des „Rapid Club Wels“ anwesend. Ebenso muss in diesem Zusammenhang die rechtsextreme „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) genannt werden, die sich immer wieder im Gasthof Lauber in Offenhausen trifft, zuletzt im Oktober 2005. Bei diesem Treffen referierte unter anderem der deutsche Rechtsextremist Horst Mahler.




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